Olympia vor 100 Jahren - DER SPIEGEL
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Olympia damals Standhochsprung und Tauziehen

Randsportarten wie Softball und Trampolin werden bei Olympia oft belächelt - doch bei den Spielen 1908 in London kämpften die Athleten in viel skurrileren Disziplinen: Tauziehen, Hallentennis und Standweitsprung standen auf dem Programm - und der älteste Sieger war 60.
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Mit Hilfe ins Ziel: Der italienische Marathonläufer Dorando Pietri am 24. Juli 1908 auf den letzten Metern. Ein paar hundert Meter vor dem Ziel war er vor Erschöpfung umgekippt, getaumelt, in die falsche Richtung gelaufen - und kam schließlich nur mit Hilfe von Kampfrichtern und Ärzten ins Ziel. Wegen unerlaubter Hilfeleistung wurde Pietri nachträglich disqualifiziert und die Goldmedaille ging an den zunächst zweitplatzierten Johnny Hayes (USA). Das Bild des Ereignisses wurde nachträglich coloriert.

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Tragischer Held: Eine Postkarte karikiert den Italiener bei seinem Schicksalslauf.

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Knapp verpasst: Viele Menschen säumten die Straßen des olympischen Marathonlaufes am 23. Juli 1908 und sahen Dorando Pietri vorbeilaufen.

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Pietri und Hayes: nach Pietris Disqualifizierung erhielt der US-Amerikaner John Hayes (rechts) die Goldmedaille für den Marathonlauf.

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Gold trotz Disqualifizierung: Dorando Pietri musste nicht allzu traurig über die Disqualifizierung und den Verlust seiner Goldmedaille sein, denn nach dem Drama wurde er eine Berühmtheit. Am 25. Juli 1908 erhielt er einen goldenen Pokal für seine Leistung - überreicht von Königin Alexandra, die Augenzeugin seines Zusammenbruchs kurz vor dem Ziel gewesen war.

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400-Meter-Finale: Das Finale am 25. Juli 1908 mit William Robbins, John Taylor und John Carpenter aus den USA und dem Briten Wyndham Halswelle (2.v.l.) ist eines der umstrittensten Ereignisse der olympischen Geschichte. Auf der Zielgeraden führte zunächst der US-Amerikaner William Robbins, der jedoch von Landsmann John Carpenter und Wyndham Halswelle überholt wurde. Da es zu jener Zeit noch keine Bahneinteilung gab, konnte Carpenter Halswelle nach außen drängen und kam als Erster ins Ziel. Dies war nach amerikanischen Regeln erlaubt, nicht jedoch nach den maßgeblichen britischen und so wurde Carpenter schließlich wegen Behinderung disqualifiziert. Das Finale wurde zwei Tage später wiederholt - mit Halswelle als einzigem Teilnehmer.

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Wyndham Halswelle: Der britische Athlet passiert bei der Wiederholung des 400-Meter-Finales am 25. Juli 1908 die Ziellinie. Da Robbins und Taylor aus Protest und Solidarität ihrem disqualifizierten Teamkollegen Carpenter gegenüber nicht angetreten waren, drehte er als einziger Starter eine "Ehrenrunde".

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Ralph Rose: Der US-Amerikaner gewann bei den olympischen Spielen 1908 im White City Stadium in London die Goldmedaille im Kugelstoßen. Rose - der auch Fahnenträger für sein Land war - hatte sich bei der Eröffnungsfeier geweigert, die Flagge vor der königlichen Loge zu senken. Er hatte vorher entdeckt, dass unter den gehissten Fahnen im Stadion die amerikanische fehlte - nach Aussagen der Organisatoren war sie schlichtweg "vergessen" worden.

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Gold, Gold, Gold, immer wieder Gold: Der erfolgreichste Teilnehmer der Olympischen Spiele 1908 in London war der US-Amerikaner Melvin Sheppard, der über 800 Meter, 1500 Meter und in der olympischen Staffel (200/200/400/800 Meter) gewann. Hier ist Sheppard beim 1500-Meter-Lauf am 14. Juli 1908 zu sehen, bei dem er einen Olympischen Rekord von 4:03,4 Minuten aufstellte.

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Der erfolgreichste Olympionike: US-Amerikaner Raymond Ewry, der bis heute erfolgreichste Olympionike, setzte in London einen Schlussstrich unter seine Karriere, er holte sich seine Olympiasiege Nummer 9 und 10. Ewry gewann im Standhochsprung mit 1,575 Metern und im Standweitsprung mit 3,335 Metern. Das Foto zeigt Ewry - der lange im Rollstuhl gesessen hatte, weil er an Kinderlähmung erkrankt war - am 23. Juli 1908 beim Standhochsprung.

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Standhochsprung: Ein dänischer Turner demonstriert eine bemerkenswerte Technik im Standhochsprung. Die Goldmedaille gewann in dieser Disziplin Raymond Ewry mit eine Höhe von 1,575 Metern. Sprünge aus dem Stand nahm das Internationale Olympische Komitee nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Programm.

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Edward Cook: Der US-amerikanische Leichtathlet am 24. Juli 1908 beim Stabhochsprung. Cook gewann mit einer Höhe von 3,71 Metern zusammen mit seinem Landsmann Alfred Gilbert, der dieselbe Höhe erreichte, die Goldmedaille.

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Sport der starken Männer: Das britische "Liverpool St. Police" Tauzieher-Team (William Hirons, Frederick Goodfellow, Edmond Barrett, James Shephard, Frederick Humphreys, Edwin Mills, Albert Ireton und Frederick Merriman) bei den Olympischen Spielen 1908 im Einsatz gegen Irland. Das Team gewann später Gold - nicht unumstritten, denn die USA hatten Protest eingelegt, da die Mannschaft Schuhe mit Nägeln unter den Sohlen getragen hatte und dadurch besseren Halt hatte. Die (britischen!) Offiziellen lehnten diesen Protest mit der Begründung ab, dass es sich bei dem Team um Polizeibeamte handelte und die Schuhe zur Arbeitskleidung gehörten.

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Ältester Olympionike: Ein Porträt von Oscar Swahn aus dem Jahre 1920. Swahn hatte bei den Olympischen Spielen 1908 in London zwei Goldmedaillen im Schießen gewonnen - im Alter von 60 Jahren. Vier Jahre später gewann er in Stockholm noch einmal Gold im Team und im Alter von 73 Silber. Er ist damit der bis heute älteste Olympiasieger.

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Bogenschießen im Rock: Bogenschießen der Frauen am 15. Juli 1908, Gold gewann die Britin Sybil "Queenie" Newall. Unter den 2035 Teilnehmern der Olympischen Spiele waren lediglich 36 Frauen.

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Dänische Turnerin: Eine der wenigen weiblichen Teilnehmerinnen der Olympischen Spiele in London 1908.

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Dehnübungen: Das dänische Turnerinnen-Team bereitet sich auf den Wettkampf vor.

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Hochsprung nur zum Spaß: Eine dänische Athletin übt sich im Hochsprung. Frauen waren bei den Olympischen Spielen 1908 lediglich in fünf Sportarten startberechtigt, darunter Bogenschießen, Eiskunstlauf und Tennis - Hochsprung gehörte nicht dazu.

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Gruppenübung: Mehrere Frauenteams - wie diese dänischen Turnerinnen - führten außerdem gymnastische Gruppenübungen vor, die jedoch nicht gewertet wurden.

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Wo der Hammer fliegt: Der US-Amerikaner John Flanagan gewann eine Goldmedaille im Hammerwerfen.

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Idee der Völkerverständigung: Pierre de Coubertin, Gründer und Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), wollte durch die Wiederbelebung der Olympischen Spiele der Antike - die 1908 eigentlich in Rom ausgetragen werden sollten und nur wegen Geldmangels nach London verlegt wurden - die Völker und Nationen der Welt einander wieder näher bringen. Insbesondere zwischen Großbritannien und den USA kam es in diesem Jahr jedoch zu einem erbitterten Wettkampf um die Medaillen.

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Im Flug: Drei Athleten beim Turmspringen in London.

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Der Lauteste: Ein Sprecher macht seine Ansage mit einem Megaphon.

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