Olympiamaskottchen Freakshow der Fabelwesen
Dackel Waldi: Der gestreifte Hund war das erste offizielle olympische Maskottchen. Er ist Schuld an einem wahren Maskottchen-Wahn, der seitdem die Olympischen Spiele begleitet. Die putzigen Tiere und Fabelwesen treffen jedoch nicht immer den Nerv ihres Publikums, wie diese Galerie der Olympiamaskottchen zeigt.
Schuss: inoffizielles Maskottchen der Olympischen Winterspiele 1968 in Grenoble, Frankreich
Das sagt das IOC: Nichts - Schuss ist zwar auf seine Weise das erste Olympiamaskottchen, ist aber nicht offiziell als solches angetreten.
So war das Echo: Die "Süddeutsche Zeitung" fand Schuss soweit ganz passabel - "wenn man die Tatsache ignorierte, dass dem armen Wicht die Arme fehlten".
Biber Amik: Maskottchen der olympischen Sommerspiele 1976 in Montreal, Kanada.
Das sagt das IOC: Das Wort Amik kommt aus der Sprache der Algonkin - die bekannteste Sprache der amerikanischen Indianer in Kanada. Amik bedeutet Biber. Er wurde als Maskottchen ausgewählt, weil er für seine Geduld und seinen Arbeitseifer bekannt ist. Er ist auch das nationale Symbol des Landes und findet sich auf Briefmarken und Münzen. Das Maskottchen trägt einen roten Gürtel mit dem Logo der Spiele, stellvertretend für das Band, an dem die Goldmedaille der Gewinner hängt.
So war das Echo: Die Kanadier fanden den schwarzen Puschel nicht so hübsch - der Stoffbiber war ein Ladenhüter.
Schneemann: Maskottchen der Olympischen Winterspiele 1976 in Innsbruck, Österreich
Das sagt das IOC: Der Schneemann symbolisiert die 'Spiele der Einfachheit'.
So war das Echo: Wohl nicht so sportlich, der Schneemann. Schließlich hätte er "bizarre Klumpfüße" ("Süddeutsche Zeitung").
Mischa: Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau, Russland
Das sagt das IOC: Der olympische Bär "Mischa" stammt aus der Feder des bekannten Kinderbuchillustrators Victor Chizikov.
So war das Echo: "Verschmitzter Pummelbär" nannte der SPIEGEL das anfangs populäre Maskottchen aus Moskau. "Niemand will mehr etwas vom Bären wissen", titelte er wenige Monate später, nachdem die Sowjetunion in Afghanistan einmarschiert war.
Waschbär Roni: Maskottchen der Olympischen Winterspiele 1980 in Lake Placid, USA
Das sagt das IOC: Das Gesicht des Waschbären sollte an die Brillen und Mützen der Athleten erinnern.
So war das Echo: Es gab keins, alle waren in tiefer Trauer: Denn eigentlich wollten die Veranstalter 1980 mit dem ersten lebendigen Olympiamaskottchen Geschichte schreiben - Waschbär Rocky. Leider starb das Tier kurz vor Beginn der Spiele.
Sam the Eagle: Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 1984 in Los Angeles, USA
Das sagt das IOC: Der imposante Weißkopfadler ist das Wappentier der USA. Robert Moore und sein Team von Walt Disney haben den Adler ausgewählt und ihn vor allem für kleine Kinder entworfen.
So war das Echo: "Sam the chicken" nannten US-Medien den putzigen Vogel. "Das arme Tier ist dem Wappenvogel der Staaten nachempfunden, dem Adler, was einem jedoch gesagt werden muss. Sam ist ein komischer Vogel geworden" (SPIEGEL).
Vucko: Maskottchen der Olympischen Winterspiele 1984 in Sarajewo, Jugoslawien
Das sagt das IOC: Vucko ist ein starker und mutiger Wolf. Er soll das bedrohliche und blutrünstige Image von Wölfen ändern, das in der Region vorherrscht. Vucko hat eine ernste und eine fröhliche Seite. Aber eigentlich ist er eher fröhlich.
So war das Echo: "Erinnert stark an die grenzdebile Comicfigur Lupo" ("Süddeutsche Zeitung").
Hodori: Maskottchen der Olympische Sommerspiele 1988 in Seoul, Südkorea
Das sagt das IOC: Hodori symbolisierte die freundlichen Eigenschaften von Tigern, die in vielen koreanischen Legenden eine wichtige Rolle spielen.
So war das Echo: Hodori, der "albern grinsende Tiger" (SPIEGEL), hatte seinen weiblichen Gegenpart, die Tigerdame Hosuni, schnell von der Bildfläche verdrängt. Ja, es gab ursprünglich zwei Maskottchen in Seoul - an Hosuni erinnert sich aber niemand mehr.
Hidy und Howdy: Maskottchen der Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary, Kanada
Das sagt das IOC: Hidy und Howdy, zwei Polareisbären, sind unzertrennliche Geschwister. Ihre Namen stehen für Brüderlichkeit und die Gastfreundschaft der Kanadier. Hidy ist eine Ausweitung des Wortes "Hi", während Howdy das westamerikanische Slangwort für "Hallo" ist.
So war das Echo: Das erste Doppelmaskottchen der Olympiageschichte - "zwei verhaltensauffällige Eisbären, die sich ständig betatschten und dabei seltsam grinsen" ("Süddeutsche Zeitung").
Cobi: Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 1992 in Barcelona, Spanien.
Das sagt das IOC: Der Künstler Javier Mariscal aus Valencia entwarf einen katalanischen Berghund im Stil des Kubismus.
So war das Echo "Keiner wusste, ob es sich um einen Hund handelte oder vielleicht doch eher um ein Schwein" ("Taz"), "Cobi säuft Coke und Estrella-Bier" (SPIEGEL). Künstler Mariscal zeichnete auch den Cobi-Comic, ein "260-Seiten-Buch voller Mutationen eines katalanischen Berghundes" (SPIEGEL).
Magique: Maskottchen der Olympischen Winterspiele 1992 in Albertville, Frankreich
Das sagt das IOC: Magique ist ein halbmenschlicher Stern. Seine Form symbolisiert den Traum und die Vorstellungskraft als emotionalen Gegenentwurf zu der technischen Natur der olympischen Spiele.
So war das Echo: Der "betrunkene Seestern im Gartenzwergkostüm" ("Süddeutsche Zeitung") sorgte vor allem für Verwirrung. Niemand wusste so genau, was er eigentlich darstellen sollte.
Izzy: Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 1996 in Atlanta, USA
Das sagt das IOC: Whatizit, fragten selbst die Schöpfer des Maskottchens und tauften das blaue Wesen auf genau diesen Namen, kurz "Izzy". Izzy ist eine gestaltlose Fantasiefigur. Seine Erscheinung wandelte sich bis zum Beginn der olympischen Spiele mehrmals. Izzys Lippen wurden zu einem lächelnden Mund, er bekam Sternchen in die Augen, seine anfangs dürren Beine wurden muskulöser und ihm wuchs eine Nase.
So war das Echo: "Schrecklich grelles Irgendetwas" ("FAZ), ein "armer Wurm" ("New York Times"), ein "misslungener Gen-Versuch" ("NBC") - so die Reaktionen auf das Fabelwesen. Die US-Amerikaner nahmen das blaue Etwas nicht einmal wahr: 72 Prozent wussten vor den Spielen in ihrem Heimatland mit Izzy nichts anzufangen, ergaben Umfragen.
Haakon und Kristin: Maskottchen der Olympischen Winterspiele 1994 in Lillehammer, Norwegen
Das sagt das IOC: Haakon und Kristin sind zwei kleine norwegische Kinder in Trachten.
So war das Echo: Kein Ton über die beiden ersten menschlichen Maskottchen - auch eine Aussage.
Sukki, Nokki, Lekki und Tsukki: Maskottchen der Olympischen Winterspiele 1998 in Nagano, Japan
Das sagt das IOC: Die Snowlets Sukki, Nokki, Lekki und Tsukki sind vier Eulen; ein Vogel der lange Zeit die Weisheit der Wälder repräsentierte. Die olympischen Spiele finden alle vier Jahre statt, weshalb es auch vier Schneeeulen gibt. Die Namen der Eulen wurden aus 47.484 Vorschlägen der japanischen Bevölkerung ausgewählt.
So war das Echo: Die Schneeeulen sähen aus wie "plumpe Beutel" ("FAZ").
Olly, Syd und Millie: Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 2000 in Sydney, Australien
Das sagt das IOC: Das Schnabeltier (Syd), der Schnabeligel (Millie) und der Kookaburra-Vogel (Olly) sind typische australische Tiere und repräsentieren den Austragungsort. Sie stehen für die Elemente Erde, Luft und Wasser. Ollys Name kommt von dem Wort Olympia, er symbolisiert den Edelmut der Spiele. Syd kommt von Sydney, er steht für die Umwelt und die Energie des australischen Volkes. Millie (von Millenium) ist ein Technik-Ass und ein Informations-Guru.
So war das Echo: Die drei offiziellen Maskottchen waren nicht so beliebt, dafür aber ihr inoffizieller Mitstreiter: Fatso, ein dickarschiger Wombat. Fatso war die Kreation des australischen Fernsehsenders Channel Seven. Der hatte die Karikatur des einheimischen Beutelsäugers für seine Olympiasatiresendung "The Dream" erfunden. Fatso mauserte sich unerwartet zum Lieblingsmaskottchen der Australier - auch wenn er den Kameras stets sein pelziges Hinterteil entgegenstreckte und aussah wie ein "zu groß geratenes Meerschweinchen" ("Neue Züricher Zeitung").
Powder, Copper und Coal: Maskottchen der Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City, USA
Das sagt das IOC: Der Schneehase, der Kojote und der Schwarzbär sollen das olympische Motto citius, altius, fortius (höher, schneller, stärker) symbolisieren. Der Schneehase heißt "Powder" und steht für Schnelligkeit. Er soll einst, als die Sonne auf die Welt brannte, auf einen Berg gerannt sein und mit Pfeil und Bogen auf den leuchtenden Himmelskörper geschossen haben - weshalb dieser wiederum ein Stück nach unten rutschte und die Erde abkühlte. Ähnliche Geschichten gibt es auch über den Bär Coal und den Kojoten Copper.
So war das Echo: Die drei knuffigen Tiere waren im Gegensatz zu "LSD-Dackel" Waldi und Konsorten "erfreulich unaufdringlich" ("Frankfurter Rundschau").
Athena und Phevos: Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 2004 in Athen, Griechenland
Das sagt das IOC: Athena und Phevos sind Geschwister. Sie wurden einer glockenförmigen, griechischen Terrakotta-Figur aus dem siebten Jahrhundert vor Christi nachempfunden. Ihre Namen erinnern an das alte Griechenland, trotzdem sind sie Kinder der Moderne. Athena war der Name der Göttin der Weisheit, Phevos hieß der Gott des Lichts und der Musik. Die Beiden verknüpfen die modernen olympischen Spiele mit der griechischen Geschichte.
So war das Echo: "Lebende Kondome", "Mutanten einer atomaren Kernschmelze", "umgedrehte Trichter in Mönchskutten"- so zitierte die "FAZ" den Spott der griechischen Medien.
Neve und Gliz: Maskottchen der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin, Italien
Das sagt das IOC: Neve ist ein freundlicher, eleganter Schneeball, Gliz ein lebendiger Eiswürfel. Sie personifizieren die Essenzen des Wintersports, Eis und Schnee. Designer Pedro Albuquerque, ein 38-Jähriger Portugiese, ließ sich von der italienischen Lebensart und den technischen Eigenschaften der olympischen Disziplinen inspirieren. Neve und Gliz stehen für Leidenschaft, Enthusiasmus, Eleganz, Liebe zur Umwelt und Sport. Sie symbolisieren eine junge Generation, die voller Leben und Energie steckt.
So war das Echo: "Die sind so hässlich, dass man den Sportgerichtshof anrufen müsste", zitierte die "Süddeutsche Zeitung" einen Blogger. "Marshmallows, die nur darauf warten, über dem Grill geröstet zu werden", spotteten US-Medien.
Die Fuwa: Die derzeitigen Maskottchen der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking, China
Das sagt das IOC: Beibei, der Fisch, Jingjing, der Panda, Huanhuan die olympische Flamme, Yingying, die tibetische Antilope und Nini, die Schwalbe - gemeinsam sind sie die "Fuwa", die freundlichen Kinder. Wenn man die ersten Silben ihrer Namen aneinanderreiht, kommt ein ganzer Satz heraus: "Beijing Huanying Ni", auf Deutsch "Herzlich Willkommen in Peking". Jedes Maskottchen steht für eine Glücksagung und eine Disziplin. Beibei für Erfolg und Wohlstand und für Wassersportarten. Jingjing für Fröhlichkeit und Zufriedenheit und Kampfsport. Huanhuan für die Leidenschaft und für die Ballsportarten. Yingying verspricht Gesundheit und ist Glücksbringer für die Leichtathleten. Nini vermittelt Glück und steht für Turnen. Die Farbe der Maskottchen sind die der olympischen Ringe.
So war das Echo: "Das schiere Grauen" titelte die "Taz", Der "Fluch der Fuwa" die "Frankfurter Rundschau". Mittlerweile ordnen die Chinesen die Katastrophen, die in den vergangen Monaten ihr Land heimsuchten, den Maskottchen zu. Beibei steht für das Hochwasser, Jingjing für das Erdbeben und Yingying für die Unruhen in Tibet, so die "Frankfurter Rundschau".
Olympia-Waldi: Das ist mein Olympia-Waldi von 1972.
Eingereicht von einestages-Leserin Heidi Hofer.