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Accessoire-Shopping statt Eintrittspreis: Wer ein Spiel refinanzieren und es zu einem kommerziellen Erfolg machen will, hat mehrere Möglichkeiten - per Verkaufspreis, per Abo-Gebühr, per Werbung, durch einen Sponsor oder durch den Verkauf vorteilhafter Kleinigkeiten in einer ansonsten kostenlosen Spielewelt.
Dass es davon bisher nicht mehr gab, liegt auch an der alten Bauernregel "Was nichts kostet, taugt nichts": Ein hoher Verkaufspreis signalisiert Wertigkeit. Weggeschenktes wirkt da "billig" - egal, ob im Umfeld Werbebanner pulsieren oder sich im Shop zum Spiel sehr viele kleine Umsätze zu großen Gewinnen summieren. Kostet der "Eintritt" nichts, wird das Spiel als "Gratis" empfunden, selbst wenn es den Spieler immer wieder zur Kasse bittet. Der könnte ja auch "umsonst" mitmachen - auch, wenn er es dann wohl nicht weit brächte.
Das ist ein bisschen so wie auf dem Markt für Zeitungen und Zeitschriften. Gratisblätter erzielen geringere Werbeerlöse für ihre Anzeigen als hochpreisigere Produkte, selbst wenn erstere höhere Auflagen haben. Hinter dieser Logik steckt auch eine Annahme über die Zielgruppe: Sei es, dass der Zehn-Euro-Zeitschriftkäufer für wohlhabener gehalten wird, sei es, dass man vermutet, dass die Entrichtung des Kaufpreises ein Statement der Wertschätzung durch den Kunden darstellt: Hey, ich kaufe dieses Produkt bewusst, ich schenke ihm Aufmerksamkeit.
Letztlich sind das Legenden. Sie stimmen oft, aber nicht immer. Die Karlsruher Firma Gameforge zeigt seit langem, dass man mit Kleckerbeträgen aus Kleinverkäufen Profite machen kann. Der freie Zugang zur Spielewelt senkt die Eintrittsschwelle, deren Höhe vielleicht zu lang unterschätzt wurde: Die meisten elektronischen Spiele kosten zwischen 30 und 100 Euro. Viel Geld für einen Minderjährigen.
Das Geschäftsmodell freier Zugang plus Kleingeld-Shopping führt quasi die Ratenzahlung in Taschengeld-Höhe in die Spielewelten ein. Statt auf Geburtstag oder Weihnachten warten zu müssen, läßt sich der erhöhte Spielspaß jetzt sukzessive Finanzieren. Kauf ich mir heute einen Schokoriegel oder lieber ein magisches Schwert, ein cooles Outfit, ein Grundstück, gesündere Fangzähne? Keine Frage, dass das Modell bei den Erwachsenen zudem geeignet scheint, Gelegenheitsspieler zu ködern - und mittelfristig zu zahlenden Kunden zu machen. pat