Opec-Staaten Herrscher über das Öl
Die Preise für Öl sinken seit Monaten. Am Donnerstag treffen sich die Mitglieder des Kartells Opec in Wien, um über die Fördermengen zu beraten. Im Folgenden sehen Sie die Entscheider im Überblick.
Ölkrise: 1972 gelang der Opec die erste Demontration ihrer Macht. Sie drosselte die Ölförderung soweit, dass die westlichen Industriestaaten
Für Abdallah Salem el-Badri ist die Jahrestagung der Opec eine ungewohnte Herausforderung. Der Generalsekretär der Organisation Erdöl exportierender Staaten muss das einstige Kartell vor Zerfall und völligem Machtverlust bewahren.
12. Ecuador: Das kleinste Opec-Land hatte die Organisation zwischenzeitlich verlassen und ist seit 2007 wieder dabei. Der linksgerichtete Präsident Rafael Correa hat kaum Einfluss, fleht aber die Kollegen an, ihre Produktion wie in früheren Tagen zu drosseln, um den Verfall der Ölpreise zu stoppen. Der Andenstaat selbst ist aber so dringend auf Einnahmen angewiesen, dass er frühere Pläne zum Verzicht auf Ölförderung in Nationalparks des Amazonas-Regenwaldes gekippt hat.
Produktion: 0,526 Millionen Fass pro Tag
Quelle: Opec 2014
11. Katar: Emir Tamim Bin Hamad Al Thani vertritt das reichste Land der Welt. Trotz mancher politischer Bedenken ist er auch als Investor bei Bundeskanzlerin Angela Merkel ein gern gesehener Gast. Das kleine Land am Persischen Golf hat seinen Reichtum weniger durch Öl als durch Gas erlangt. Deshalb kann es die Krise am Ölmarkt gelassen beobachten.
Produktion: 0,724 Millionen Fass pro Tag
10. Libyen: Öl steht in dem nordafrikanischen Land für 95 Prozent der Exporte. Der Bürgerkrieg hat die Produktion zwischenzeitlich stark beeinträchtigt. Neuerdings wächst sie aber wieder spürbar - und das, obwohl die Heimat von Opec-Generalsekretär Badri politisch weiter zerfällt. Die Rebellenregierung hat einen eigenen Ölminister ernannt. Mashallah Zwai will in Wien mitdiskutieren und droht andernfalls damit, Opec-Beschlüsse zu ignorieren.
Produktion: 0,993 Millionen Fass pro Tag
9. Algerien: Ölminister Youcef Yousfi (im Bild beim Besuch eines Opfers eines Terroristenüberfalls) weiß um die politische Brisanz des Rohstoffs. In dem nordafrikanischen Land regelt der Staatskonzern Sonotrach alle Geschäfte rund ums Öl. Algerien leidet besonders stark unter dem Preisverfall: Das Land benötigt laut "Wall Street Journal" einen Ölpreis von 121 Dollar für einen ausgeglichenen Haushalt.
Produktion: 1,203 Millionen Fass pro Tag
8. Angola: Das westafrikanische Land ist der Opec 2007 beigetreten und verzeichnet einen steilen Anstieg der Produktion. Die Ölwirtschaft im weitesten Sinne macht 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.
Produktion: 1,701 Millionen Fass pro Tag
7. Nigeria: Das westafrikanische Land ist dringend auf einen steigenden Ölpreis angewiesen. Gleichzeitig kann es sich kaum leisten, die Produktion zu drosseln – ein Dilemma, in dem mehrere Opec-Mitglieder stecken. Die eher leichten Ölsorten Nigerias werden von neuer Konkurrenz aus dem Westen besonders stark verdrängt, der Export nach Nordamerika ist fast zum Erliegen gekommen.
Produktion: 1,754 Millionen Fass pro Tag
6. Venezuela: Die Regierung des südamerikanischen Landes gilt als vehementer Verfechter einer Produktionssenkung. Trotz der offiziell weltgrößten Ölreserven (größtenteils teuer zu förderndes Schweröl) steckt das sozialistische Land, das sich an hohe Ölpreise gewöhnt hat und damit teure Sozialprogramme finanziert, in arger Geldnot. Präsident Nicolas Maduro machte kurz vor der Opec-Tagung das Thema erneut zur Chefsache. Alle Initiativen dazu sind allerdings bisher gescheitert.
Produktion: 2,789 Millionen Fass pro Tag
5. Vereinigte Arabische Emirate: Der Golfstaat kann einen niedrigen Ölpreis eher gut verkraften. Dennoch stellte Ölminister Suhail Al Mazrouei in Aussicht, dass die Opec "notwendige Maßnahmen" ergreifen werde, um den Markt zu stabilisieren.
Produktion: 2,797 Millionen Fass pro Tag
4. Kuwait: Das Vier-Millionen-Einwohner-Land auf der arabischen Halbinsel kommt wegen günstiger Förderbedingungen mit einem niedrigen Ölpreis vergleichsweise gut klar. Ölminister Ali Saleh Al-Omair (links im Bild während einer Parlamentssitzung) versucht die Situation daher auszusitzen.
Produktion: 2,925 Millionen Fass pro Tag
3. Irak: Als "nicht akzeptabel" hat das vom Bürgerkrieg geplagte Land, vertreten durch Ölminister Adel Abdel Mehdi, den Preisverfall beim Öl bezeichnet. Gleichzeitig erlaubt es die schwierige Lage dem Irak kaum, die Fördermenge zu reduzieren. Die Zentralregierung hat nur noch über die Ölfelder im Süden Kontrolle. Im Norden hat die kurdische Regionalregierung begonnen, Öl auf eigene Faust via Türkei auf den Weltmarkt zu bringen. Auch die Rebellen vom "Islamischen Staat" vermarkten selbst - allerdings auf dem Schwarzmarkt der Region und zu Dumpingpreisen.
Produktion: 2,98 Millionen Fass pro Tag
2. Iran: Das zweitwichtigste Opec-Land setzt auf Disziplin aller Förderländer: Auch Staaten wie Russland müssten die Fördermenge drosseln, damit der Preis wieder steige, fordert Ölminister Bijan Namda Zangeneh. Laut "Wall Street Journal" benötigt Iran einen Ölpreis von 140 Dollar für einen ausgeglichenen Staatshaushalt.
Produktion: 3,575 Millionen Fass pro Tag
1. Saudi-Arabien: Der größte Ölproduzent ist zugleich der entspannteste. Der Markt werde sich schon von allein stabilisieren, sagte Ölminister Ali Al-Naimi in Wien. Es gebe keinen Grund, die Produktion zu senken. Den Arabern wird nachgesagt, sie wollten mit niedrigen Preisen den Ölboom in den USA zerstören.
Produktion: 9,637 Millionen Fass pro Tag
Nicht mit am Tisch sitzen die beiden großen Ölproduzenten Russland und die USA. In den vergangenen Jahren profitierte Russland enorm von den steigenden Ölpreisen. Jetzt aber spricht Igor Setschin, Chef des weltgrößten börsennotierten Ölkonzerns Rosneft, mit Blick auf die saudi-arabisch gesteuerte Opec von "Manipulation" und "Krieg" gegen Russland. Ein Treffen vor dem Opec-Gipfel mit russischer Beteiligung brachte einen Austausch, aber keine Ergebnisse.
Die neue Energiegroßmacht aber sind die USA. Dank unkonventioneller Fördermethoden wie Fracking aus dichtem Gestein pressen sie immer mehr Öl aus dem eigenen Boden, fragen weniger auf dem Weltmarkt nach und drücken die Preise. Zwar drohen die fallenden Preise für zahlreiche neue private Ölfirmen ruinös zu werden. Doch vorerst diktieren sie angesichts der schwachen Nachfrage, wohin der Markt geht.