Orient-Express: Rollendes Grandhotel - DER SPIEGEL
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Historie des Königs aller Züge Rollendes Grandhotel

Agentenbräute und Prinzen, Millionäre und Schmuggler: Alle tummelten sich einst im Orientexpress. Im Mai 1977 rollte der legendäre Zug aufs Abstellgleis. Und ist doch unvergessen.
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Erster Luxuszug der Welt: Wer ist schneller - Pferd oder Dampflok? Fürst Ferdinand von Bulgarien und seine Gardereiter begleiten den Orientexpress bei seiner Fahrt am 13. August 1888 (Zeichnung von Franz Schlegel). Am 5. Juni 1883 verließ der Orientexpress erstmals Paris Richtung Konstantinopel, die Reisezeit für die über 3000 Kilometer betrug damals 81 Stunden und 40 Minuten. Der Luxuszug war die erste transeuropäische Verbindung auf Schienen - und war ausgestattet wie ein First-Class-Hotel. mehr...

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Essen auf Rädern: Mahlzeit! Im noblen Speisewagen servieren Kellner das Mittagessen. Auf den Tischen glänzen Kristallgläser, Silberbesteck und edelstes Porzellan, für die Beleuchtung sorgen vierarmige Gaskronenleuchter (Zeichnung von 1886). Der Orientexpress war mit Genueser Samt, Cordoba-Leder und Gobelins ausgestattet - das Menü variierte je nach Land, das gerade durchfahren wurde. Ein Jahrhundert später...

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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...sah der Speisewagen so aus: Mittagessen im Nostalgie-Istanbul-Orientexpress, einer Art Luxuskreuzfahrt auf Schienen (Foto von 1982). Noch bevor 1977 mit dem Direct-Orient die Direktverbindung Paris - Istanbul ausgemustert wurde, begann schon das Geschäft mit den Nobel-Zugreisen im Stile längst vergangener Zeiten.

Foto: LightRocket/Getty Images
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Gute Nacht! Fehlt nur noch die schöne Spionin, die sich auf dem weißen Laken räkelt - Blick ins Innere eines restaurierten Orientexpress-Schlafwagens, ausgestellt 2014 im Rahmen der Schau "Il était une fois l'Orientexpress" in Paris.

Foto: Charles Platiau/ REUTERS
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Surfen auf der Nostalgie-Welle: Blick ins Innere eines Einzelabteils, Teil eines Mini-Apartments mitten in einem Waggon des Nostalgie-Istanbul-Orientexpresses (Foto von 1982). Wer 1977 mit dem "Arlberg-Orient-Express" von Zürich zum Goldenen Horn fahren wollte, musste laut SPIEGEL 2000 Mark berappen.

Foto: LightRocket/Getty Images
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Smoking-Area: Hier durfte gepafft und gelesen werden - Blick in den Rauchsalon des Orientexpresses (Zeichnung von 1886). Der Orientexpress und sein "kleiner Bruder", der Simplon-Orientexpress waren nicht nur berühmt für ihre prominenten Gäste und die vornehme Ausstattung, sondern auch für so manche spektakulären Zwischenfälle. So überfiel der griechische Räuber Athanasios 1891 den Zug und brachte vier Passagiere in seine Gewalt, die mit je 8000 Pfund Sterling in Gold freigekauft werden mussten. Und im strengen...

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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Auf Hochglanz polierte Legende: Edel vertäfelte Wände, Ledersessel, ein Teppich, der jegliches Gelärm verschluckt - so nobel geht es zu an Bord eines restaurierten Orientexpresses (Aufnahme von 2016). Wer die Entschleunigung sucht, darf hier Platz nehmen - vorausgesetzt, er verfügt über das nötige Kleingeld: Eine zweitägige Zugfahrt von Berlin nach London mit dem Venice-Simplon-Orientexpress kostet derzeit knapp 2200 Euro, wie das Unternehmen Belmond auf Anfrage mitteilte.

Foto: Elliott Verdier / AFP
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Ein Traum in Blau und Gold: Ein restaurierter Salonwagen mit dem Logo der "Compagnie Internationale des Wagon-Lits" (CIWL) - jener internationalen Schlafwagen-Gesellschaft mit Sitz in Paris, die ab 1883 die noblen Schlaf- und Speisewagen für den Orientexpress stellte (Foto von 2014). Gründer der CIWL und Initiator des Orientexpresses war der belgische Ingenieur Georges Nagelmackers.

Foto: Charles Platiau/ REUTERS
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Historischer Waggon: In diesem hölzernen Salonwagen des Orientexpresses mit der Nummer 2419 unterzeichneten am 11. November 1918 die Westmächte Frankreich und Großbritannien sowie das unterlegene Deutschland den Waffenstillstand (Foto von 1918). 1940 rächten sich die Nationalsozialisten - und zwangen die Franzosen, im selben Waggon die Kapitulation zu unterzeichnen. Als Kriegsbeute wurde der historische Speisewagen nach Berlin gekarrt und dort ausgestellt. Zu Kriegsende soll der Waggon No. 2419 von SS-Einheiten gesprengt worden sein - wohl um eine abermalige politische Instrumentalisierung zu vereiteln.

Foto: ullstein bild
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Der Weg ist das Ziel: Einer der ersten Schlafwagen, die der Orientexpress vor der Jahrhundertwende führte (Undatierte Aufnahme). Kaum einer hat die Vorzüge des nächtlichen Reisens mit dem Luxuszug so hymnisch besungen wie der britische Autor Beverly Nichols, der Mitte der Dreißigerjahre mit dem Orientexpress nach Istanbul fuhr: "Nur Götter sollten auf diese Art reisen dürfen! Nur Göttern sollte es vorbehalten sein, so über die Elemente zu herrschen!"

Foto: DB/ picture alliance / dpa
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Mit Volldampf in die Vergangenheit: Eine alte Orientexpress-Lokomotive in der Türkei (Aufnahme von 1983). Bis heute rollen restaurierte Nostalgie-Züge zwischen West und Ost, die vom Mythos des historischen Orientexpresses zehren.

Foto: LightRocket/Getty Images
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Zutritt nur für Krawattenträger: Vornehm gekleidete Herren lassen es sich im Speisewagen des Orientexpresses gut gehen - sie feiern die Wiederaufnahme der historischen Zugverbindung am 1. April 1946. Während beider Weltkriege rollten die Luxuszüge, wenn überhaupt, so nur stark eingeschränkt oder wurden in Militärzüge umgewidmet.

Foto: AFP
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Im Schneckentempo durch den Eisernen Vorhang: Passagiere steigen in Athen zu (Foto von 1951). Nach dem Zweiten Weltkrieg fuhren die amerikanischen "Life"-Journalisten Roy Rowan und Jack Birns mit dem Simplon-Orientexpress durch Europa und waren entsetzt. Immer wieder blieb der Zug wegen Grenz- und Passkontrollen stehen, für die Strecke bis Istanbul benötigten die Reporter rund 80 Stunden - statt 56 wie noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. "Die Bulgaren halten den Zug bei jedem Schlammloch an", notierte Rowan genervt.

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Halt, die Orangen fehlen noch! Kurz vor der Abfahrt wird der Simplon-Orientexpress in Paris mit Südfrüchten beladen (Aufnahme von 1951). Zum Zeitpunkt der Aufnahme war die große Zeit des Luxuszugs längst vorbei - den schicken Schlaf- und Speisewagen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg ordinäre Erst-, Zweit- und Drittklasswagen mit Sitzplätzen angehängt.

Foto: Bettmann/ Bettmann Archive
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Prost! Wer 1951 den vornehmen Simplon-Orientexpress nahm, hatte die Auswahl aus sechs verschiedenen Burgunder-, fünf Bordeaux- und sechs Champagner-Sorten. Dazu gab es...

Foto: Bettmann/ Bettmann Archive
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...frisch an Bord zubereitete französische Delikatessen - das Foto zeigt Camille Bernard, 15 Jahre lang Küchenchef des Simplon-Orientexpresses (Foto von 1951). Allerdings leisteten sich nach dem Zweiten Weltkrieg immer weniger Menschen die Luxuszugfahrt - der Jetset stieg zunehmend aufs Flugzeug um.

Foto: Bettmann/ Bettmann Archive
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Nobles Örtchen: Hat nur wenig mit dem rauen Charme des IC-Klos zu tun - eine restaurierte Orientexpress-Toilette (aufgenommen 2011 in Paris). Seit 1982 bedient der Venice-Simplon-Orientexpress die romantischen Sehnsüchte betuchter Luxusreisender. Möglich gemacht hat dies der amerikanische Eisenliebhaber James B. Sherwood, der 1977 erstmals zwei historische Orientexpress-Waggons aus den Zwanzigerjahren aufkaufte.

Foto: Mehdi Fedouach / AFP
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Ende Legende: Adieu! Mit Taschentüchern winken die beiden dem "Direct Orient" nach, der am 20. Mai 1977 um 0.13 Uhr den Gare de Lyon verließ. Ab sofort war der direkte Service mit Kurswagen Paris - Istanbul und Paris - Athen aufgehoben. Dennoch bedeutete das Aus für den langsamen, defizitären und notorisch verspäteten "Direct-Orient" nicht das Ende für die Ost-West-Verbindung: Der Zug Paris - Wien - Budapest - Bukarest verkehrte nach wie vor. Ein Zug mit dem Namen Orientexpress verkehrte bis 2009 - allerdings nur noch auf Teilabschnitten der Strecke.

Foto: AFP
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Entdeckung der Langsamkeit: Sinfonie in Braunkariert - ein liebevoll restaurierter Passagierwagen des Venice-Simplon-Orientexpresses (Foto von 2014). Während betuchte Touristen hier nach wie vor Platz nehmen...

Foto: Charles Platiau/ REUTERS
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...sitzt in diesem Abteil schon lange keiner mehr. Blick in einen verfallenen Luxuszug, aufgenommen 2017 von Marian Smeets, einer niederländischen Amateurfotografin.

Foto: Marian Smeets
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Auf dem Abstellgleis: Laut Fotografin Smeets handelt es sich um einen 1936 von dem Unternehmen Baume und Marpent gefertigten Zug, der ursprünglich zwischen Ostende und Köln eingesetzt worden war. Im Zweiten Weltkrieg...

Foto: Marian Smeets
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...wurde der Zug von einer Bombe beschädigt und war bis in die frühen Sechzigerjahre hinein im Einsatz. Heute...

Foto: Marian Smeets
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...verrottet er irgendwo in Belgien - wo genau, möchte Fotografin Smeets nicht verraten, um den Zug vor Vandalismus und Diebstahl zu schützen.

Foto: Marian Smeets
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