"Quimburga" "So etwas passiert nur in Amerika, aber doch nicht vor unserer Haustür"
Tragödie von Friedrichshagen: Wie von Riesenhand bewegt, knickt der gewaltige Turm der Christophoruskirche in Berlin-Friedrichshagen zur Seite weg. Durch den Orkan "Quimburga", der am 13. November 1972 über West- und Mitteleuropa wütete,...
...war der Turm so stark beschädigt worden, dass er anderntags mit Seilwinden vom Dach der Christophoruskirche gezogen wurde. Die Geröllmassen, die sich bei dem Orkan vom Turm gelöst hatten, begruben eine 64-jährige Friedrichshagenerin unter sich.
Völlig verwüstet: Nach der Unwetterkatastrophe vom 13. November 1972 klafften riesige Löcher im Kirchendach der Christophoruskirche in Berlin-Friedrichshagen. Auch das Kircheninnere...
...war völlig verwüstet, die herabstürzenden Geröllmassen hatten die Kirchenbänke zerschmettert.
Holzernte von fünf Jahren: Zerstörter Kiefernwald bei Cloppenburg nach dem Sturm (1973). Vor allem in den Wäldern zwischen Cloppenburg, Friesoythe und der Thülsfelder Talsperre richtete der Orkan "Quimburga" verheerende Schäden an. In der Umgebung von Wildeshausen (südwestlich von Bremen)...
...wurden mehr als 50 Prozent aller Bäume von dem Unwetter umgerissen - vereinzelt stand, so die "Wildeshauser Zeitung", sogar nur noch jeder 10. bis 20. Baum". Insgesamt wurden in Niedersachsen rund 50 Millionen starke Bäume umgerissen - was einer durchschnittlichen Holzernte von fünf Jahren entspricht.
Landschaft umgekrempelt: Waldarbeitergehöft der Revierförsterei Augustendorf (Friesoythe). Ursprünglich mitten im Wald verborgen, stand es nach dem Sturm plötzlich auf freier Fläche. Nur ein kleiner Laubwald am Gehöft hielt dem Orkan stand. 200.000 Kubikmeter vom Sturm gerodetes Holz...
...wurden aus dem Raum Weser-Ems über die Häfen Wilhelmshaven und Bremen nach Skandinavien und Japan exportiert.
Wahrzeichen in Flammen: Am 13. November 1972, gegen 9.30 Uhr, geriet die Holländerwindmühle von Idafehn (bei Leer) in Brand. Die Orkanböen hatten die Mühlenflügel so stark beschleunigt, dass im Innern der Mühle eine enorme Reibungshitze entstanden war. Die Bremsen versagten - und die Mühle, weithin sichtbares Wahrzeichen von Idafehn, fing Feuer.
Atmen kaum möglich: Vom Druck der Orkanböen, die am 13. November 1972 vor allem in Norddeutschland wüteten, zersprangen zahlreiche Schaufensterscheiben - wie hier in Ostrhauderfehn (bei Leer). "Wenn man im Sturm stand, konnte man fast nicht atmen", sagt Zeitzeuge Egon Taute im Gespräch mit einestages.
Entfesselte Naturgewalten: Auch in Bremen (Foto) wütete der Orkan "Quimburga" mit geballter Kraft. Auf dem Bahnhofsvorplatz der Stadt wurden am Morgen des 13. November 1972 zwei Frauen durch Teile erschlagen, die vom Hotel "Kolumbus" herabstürzten.
Mehr als 70 Tote: Ein vom Orkan "Quimburga" entwurzelter Baum, der auf die Straße gestürzt ist, wird von einem Aufräumkommando zersägt und abtransportiert. Allein in Niedersachsen und Bremen forderte das Unwetter vor 40 Jahren 21 Menschenleben. In ganz Mittel- und Westeuropa starben mehr als 70 Menschen.
Lebenswerk von Generationen: Blick von oben auf das Forstrevier Augustendorf (Friesoyte). Während junger Nadelwald und Alleebäume hier stehen blieben, wurde der alte Wald vernichtet. Binnen weniger Stunden war das Lebenswerk mehrerer Generationen von Förstern dahin.
160-Stundenkilometer-Orkan: Die Wucht von Orkan "Quimburga" (im Foto: zerstörte Wälder in Niedersachsen) überraschte selbst die Meteorologen. Auffällig waren der außerordentliche Luftdruckabfall sowie die hohe Geschwindigkeit - in Celle wurde an jenem Tag eine Windgeschwindigkeit von 86 Knoten (knapp 160 Stundenkilometer) registriert. Die Aufräumarbeiten...
...in den Wäldern waren außerordentlich gefährlich: Nach Auskunft der Niedersächsischen Landesforsten starben in den Monaten nach dem Orkan 22 Menschen in Niedersachsen bei der Aufarbeitung von Sturmholz im Staats- und Privatwald. Um die Massen an zerstörten Bäumen wegzuräumen, waren noch bis Dezember 1972 Einheiten der Bundeswehr im Einsatz.
Herabfallende Dachstühle, umgeknickte Wachtürme: Mit ungebremster Wucht fegte Orkan "Quimburga" am 13. November 1972 auch über den Osten Deutschlands hinweg. Das Foto zeigt einen Dachstuhl, der in der Leibnizstraße in Berlin-Charlottenburg auf die Straße fiel und mehrere Autos beschädigte. Zudem kappte der Orkan zahlreiche DDR-Wachtürme, in Königs Wusterhausen (bei Berlin) stürzte ein 243 Meter hoher Sendemast um. Und in Schladen (Kreis Goslar)...
...wurde ein Einfamilienhaus von einer durch die Luft geschleuderten Scheune zertrümmert. Deutschlandweit deckten Orkanböen am 13. November 1972 Hunderte von Hausdächern ab.
Ausnahmezustand in Hamburg: Unter Wasser standen am Niedergeorgswerder Deich in Hamburg unter anderem dieses Gelände einer Lagerfirma sowie angrenzende Kleingärten mit Wohnlauben. Am 13. November 1972, um 11.18 Uhr, löste die Feuerwehr in der Hansestadt den Ausnahmezustand aus.
Glück im Unglück: Der Orkan brachte auch den Turm der katholischen St.Peter-Kirche in Oldenburg zum Einsturz, er prallte links aufs Kirchenschiff. Wäre er zur Seite oder nach vorne gekracht, wäre er auf einer Turnhalle oder auf dem Kindergarten gelandet - und hätte wohlmöglich zahlreiche Kinder getötet. Rechts im Bild: die Dienstwohnung des Organisten Bernhard Scheve und seiner Familie (oberstes Geschoss). Zum Zeitpunkt des Unglücks schlief dort der dreijährige Sohn.
Zerfetzte Traglufthalle: Auch in Nordrhein-Westfalen richtete die rund 300 Kilometer breite Orkanwalze, die vor 40 Jahren über West- und Mitteleuropa hinwegfegte, schwere Schäden an. Das Foto zeigt die Zeppelinhalle der Westdeutschen Luftwerbung auf dem Flugplatz Essen-Mülheim - die beiden in der Halle verankerten Luftschiffe wurden zum Teil zerstört.
Sturmschäden durch Quimburga: Die Rückseite unseres damaligen Hauses in Altencelle. Mein Vater holte mich damals von der Grundschule ab. Da fand ich es noch lustig, als auf dem Schulhof sein weißer Schutzhelm wegflog. Zuhause saß ich dann in meinem Kinderzimmer und musste zusehen, wie die Bäume in unserem Wald wie Streichhölzer umfielen. Ein Baum stürzte auf unser Dach. Als der Sturm zu Ende war, stand nur noch etwa ein Drittel des Kiefernwaldes. Für uns Kinder war es ein Riesenspass, da es jetzt ganz viele Höhlen und andere Verstecke gab. Viele der Bäume wurden später in einer großen Grube verscharrt. Nachdem diese dann mit Sand aufgeschüttet wurde, nutzten wir sie als Reitfläche. Allerdings gab es immer wieder Hohlräume, in denen der Sand nachrutschte und deswegen keine unerhebliche Gefahr für Mensch und Pferde bildete. Alles ging aber gut.