Oscar-Verleihungen - DER SPIEGEL
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Oscar-Verleihungen Von Boxern, Schweinchen und Pinguinen

Angelina Jolie bekommt einen Oscar, Alfred Hitchcock nicht? "Rocky" siegt, "Taxi Driver" geht leer aus? Eigentlich sollen bei den Academy Awards die besten Filme des Jahres geehrt werden - aber warum irrt die Jury so oft? einestages zeigt die krassesten Fehlentscheidungen in der Geschichte der Oscars.
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Donnerwetter! Im Jahr 1942 gewann "How Green Was My Valley" den Oscar für den besten Film. Eigentlich ist das Familienepos von John Ford ("Früchte des Zorns") kein schlechter Film. Trotzdem ging er nicht für seine tolle Story in die Kinogeschichte ein, sondern als der Film, der...

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..."Citizen Kane" schlug: Der Film von Orson Welles, der heute vielen als bester Film aller Zeiten gilt, hatte neun Oscar-Nominierungen erhalten - und gewann lediglich einen für das beste Drehbuch. Jede Erwähnung des Films während der Verleihung wurde von heftigen Buhrufen begleitet. Dies war William Randolph Hearst zu verdanken. Die Filmfigur des skrupellosen Medienmagnaten Charles Foster Kane war stark an Hearst angelehnt. Der hetzte im Gegenzug in seinen Zeitungen die Öffentlichkeit gegen "Citizen Kane" und Orson Welles auf.

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Gold für "Gigi": Das beschwingte Musical erhielt 1958 neben acht weiteren Trophäen auch den Oscar für den besten Film. Damit schlug es die Verfilmung des Tennessee-Williams-Dramas...

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..."Katze auf dem heißen Blechdach": Der Filmklassiker mit Paul Newman und Elizabeth Taylor wurde für sechs Oscars nominiert - und ging am Ende leer aus

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"Fair", aber hart: Auch 1964 gewann ein Musical den Oscar für den besten Film. "My Fair Lady" gilt zwar als einer der absoluten Klassiker des Genres. Aber war er damals wirklich bedeutender als...

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..."Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben"? Der Film war an Aktualität und politischer Sprengkraft kaum zu überbieten. Schließlich hatte nur zwei Jahre zuvor die Kuba-Krise die Welt an den Rand des Atomkriegs getrieben. Vermutlich war die anarchische Kalter-Krieg-Satire von Stanley Kubrick dennoch eine Spur zu sperrig für die Jury der Academy.

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Sehr verbunden: Im Jahr 1972 gewann der Gangsterfilmklassiker "French Connection" den Oscar als bester Film - und schon wieder hatte einer Pech, der vielen als einer der besten Regisseure des 20. Jahrhunderts gilt. Es war...

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...Stanley Kubrick - dieses Mal mit "A Clockwork Orange": Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Anthony Burgess sorgte damals für Aufsehen. Viele Kritiker warfen Kubrick "Glorifizierung sadistischer Gewalt" vor, die Regisseurin und Schriftstellerin Susan Sontag nannte den Film gar "faschistisch".

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Sieg durch K.o.: Keine Frage, der Boxfilm "Rocky" ist toll, war rasend erfolgreich - und ist wohl eine der besten Vom-Underdog-zum-Überflieger-Geschichten aller Zeiten. Aber haut er wirklich mehr rein als sein größter Konkurrent bei der Oscar-Verleihung von 1977? Hatte "Rocky" den Oscar für die beste Regie wirklich mehr verdient als...

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...Taxi Driver? Martin Scorseses Soziopathen-Ballade mit Robert De Niro als Travis "Redest du mit mir?" Bickle und Jodie Foster als minderjährige Prostituierte.

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Zwei Psychokriege, ein Gewinner: Der Regisseur Robert Benton ("Der menschliche Makel") schickte Dustin Hoffman und Meryl Streep in seinem Familiendrama "Kramer gegen Kramer" in einen Rosenkrieg und gewann damit 1980 den Oscar für den besten Film - und deklassierte dabei ein wahnhaft-genialisches Epos über den Vietnamkpsychodrama rieg. Es war...

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..."Apocalypse Now": Der Kriegsfilm von Francis Ford Coppola befasste sich vor allem mit den psychologischen Gefechten im Vietnamkrieg. "Die Zeit" schrieb damals nach diesem Werk "dürfte es eigentlich keine anderen Kriegsfilme mehr geben".

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Eine ganz normale Entscheidung? Erinnert sich noch jemand an Robert Redfords Regiedebüt "Eine ganz normale Familie"? Vermutlich die wenigsten. Dennoch holte er sich 1981 den Oscar für den besten Film. Der Titel eines anderen nominierten Films ist heute schon fast sprichwörtlich. Es war...

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...Martin Scorseses "Wie ein wilder Stier": Das Boxerdrama in Schwarzweiß erhielt immerhin zwei Oscars, für den besten Schnitt und den besten Hauptdarsteller (Robert De Niro)

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Cowboys gegen Mafiosi: Auch 1991 schlug das Regiedebüt eines Hollywood-Zugpferdes einen Scorsese-Film. Dieses Mal hatte Kevin Costner den Western "Der mit dem Wolf tanzt" abgeliefert und damit den Oscar für die beste Regie gewonnen. Dieses Mal zog Martin Scorseses Mafia-Epos...

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..."Good Fellas" den Kürzeren: Der Film war für sechs Oscars nominiert. Lediglich Joe Pesci holte einen Preis als bester Nebendarsteller.

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Dumm ist, wer Dummes tut: Keine Frage, mit dem weisen Dummkopf Forrest Gump schuf Robert Zemeckis im gleichnamigen Film eine Ikone der Kinogeschichte. Und bestimmt hätte er 1995 den Oscar für den besten Film verdient. Wäre nicht auch noch...

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...Quentin Tarantinos "Pulp Fiction" nominiert worden: Doch das Festival der Popverweise mit John Travolta, Samuel L. Jackson, Bruce Willis und Uma Thurman erhielt nur den Oscar für das beste Originaldrehbuch.

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Schwein gehabt: Das Oscar-Jahr 1996 war komplett gaga. In diesem Jahr gewann Mel Gibsons "Braveheart" den Oscar für den besten Film zwar völlig berechtigt gegen...

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..."Ein Schweinchen namens Babe": Doch das lag wohl vor allem daran, dass der beste Film des Jahres gar nicht als "Bester Film" nominiert war. Bryan Singers...

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..."Die üblichen Verdächtigen": Als Trost erhielt das geniale Gangster-Verwirrspiel mit Kevin Spacey aber immerhin zwei Oscars - für das beste Originaldrehbuch und den besten Nebendarsteller.

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Erfolg heißt Mittelmaß: 1998 brach "Titanic", der damals erfolgreichste Kassenschlager der Filmgeschichte, auch bei den Oscar-Verleihungen alle Rekorde. 14 Nominierungen, 11 Oscars, darunter den für den besten Film. Neben so einem millionenschweren, tränenschwangeren Remake kann ein stilles Original wie...

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..."L.A. Confidential" schon mal sang- und klanglos untergehen: Der Film nach James Ellroys Roman "Stadt der Teufel" wurde von allen wichtigen Filmkritikervereinigungen als klarer Favorit gewertet - und erhielt doch nur den Oscar für die beste Nebendarstellerin (Kim Basinger) und das beste adaptierte Drehbuch.

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Wahnsinnig gut? Ja. Kaum zu glauben. Auch die Tomb Raiderin Angelina Jolie hat einen Oscar. Den bekam sie 2000 für ihre Rolle als gestörtes Girlie in dem ultraseichten Psychodrama "Durchgeknallt". Um das ganze Ausmaß der Irrsinns zu begreifen, muss man auch noch wissen, dass im selben Jahr die wunderbare...

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...Catherine Keener für ihre Rolle in Spike Jonzes "Being John Malkovich" nominiert war: Hier vermarktet sie als ultratoughe Geschäftsfrau Maxine Lund Ausflüge in den Kopf von John Malkovich.

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Das Rezept, sie alle zu knechten: Die wahre Geschichte eines bemitleidenswerten, verrückten und auch noch amerikanischen Genies - da können alle anderen Oscar-Kandidaten einpacken. 2002 musste einfach Ron Howards "A Beautiful Mind" gewinnen. Doch wer da alles auf der Strecke blieb, ist doch schockierend. Zum Beispiel Baz Luhrmanns...

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..."Moulin Rouge": Das ebenso schillernde wie bildgewaltige Musical erhielt lediglich Oscars für das beste Szenenbild und die besten Kostüme. Aber noch ein zweiter Film ging überraschend leer aus - der erste Teil von...

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...Peter Jacksons "Herr der Ringe"-Trilogie wurde von "A Beautiful Mind" in seine Schranken gewiesen: Und das, obwohl es Jackson gelungen war, die ganze Magie der gigantischen Welt von Mittelerde auf Film zu bannen. Ein Geniestreich, der bis dahin als unmöglich galt.

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Außenseitersieg: In dem Jahr 2006 gewann überraschend Paul Haggis' schlicht gestrickter Rassismus-Episodenfilm "L.A. Crash" den Oscar für den besten Film. Der Favorit war eigentlich...

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..."Brokeback Mountain": Das Cowboy-Liebesdrama mit Heath Ledger und Jake Gyllenhaal erhielt immerhin den Regie-Oscar und den Preis für das beste adaptierte Drehbuch. Schockierend war die Entscheidung der Academy dennoch.

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Pinguine gegen die Probleme der Welt: In diesem Tierfilm gehen supersüße Pinguine zu superlustiger Musik auf eine superbeschwerliche Reise und werden dabei so naiv vermenschlicht, dass sich jedem Zoologen der Magen umdrehen dürfte. Dennoch gewann dieser Film 2006 den Oscar für den besten Dokumentarfilm. Und das obwohl...

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..."Darwins Alptraum" ebenfalls nominiert war: Der Dokumentarfilm beschäftigt sich mit dem Zusammenbruch des Ökosystems im ostafrikanischen Victoriasee, nachdem dort der Nilbarsch ausgesetzt wurde und beleuchtet die wirtschaftlichen Folgen dieses Eingriffs des Menschen in das natürliche Gleichgewicht von Flora und Fauna. Da sind Pinguine natürlich schnuckliger.

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Die tollsten Verlierer der Filmgeschichte: Aber vielleicht sollte man die Oscar-Verleihung auch einfach nicht so ernst nehmen. Dass die Academy alles andere als unfehlbar ist, zeigt die lange Reihe von Regisseuren und Schauspielern, die nie für ihr Werk geehrt wurden. Allen voran wohl Alfred Hitchcock, der zwar einen Oscar für sein Lebenswerk erhielt - aber ausdrücklich als Produzent geehrt wurde. Mit in den illustren Kreis der großen Filmemacher ohne Goldmännchen im Schrank gehören außerdem Stanley Kubrick und David Lynch.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?