Ostern mit PS Ach du dickes Ei!
Das Kraft-Ei - Der Käfer
Vor und nach ihm gab es ähnlich geformte Autos, doch er ist der vielleicht bekannteste Eierwagen: der Käfer. Einst aus dem "KdF"-Wagen hervorgegangen, mit dem Hitlers Irrsinn die gleichgeschaltete Massenmotorisierung vorsah, empfand der Wolfsburger Hersteller das damals meistverkaufte Auto 1972 selbst als Ei, genauer als "Kraft-Ei", wie eine Print-Werbung belegt. "Unter der Schale hat es im Laufe der Jahre eine Menge Kraft entwickelt", hieß es darin. Das kann angesichts von seinerzeit "sogar 50 PS" zwar bezweifelt werden. Doch die Werbung lenkte auch gleich wieder ein: "Denn wozu mehr PS, wenn das Ei sie nicht verkraften könnte."
Das "Göttinger Ei" - Schlörwagen
Den Beinamen Göttinger Ei bekam der Schlörwagen nach seiner Vorstellung im Jahr 1939 bald verpasst. Das Fahrzeug in windschlüpfiger Tropfenform hatten Strömungsforscher der damaligen Aerodynamischen Versuchsanstalt Göttingen (AVA) rund um den deutschen Ingenieur Karl Schlör auf Basis eines Mercedes 170 H konstruiert.
Dünne Hülle - Mazda 121
Was bei Ostereiern als Titschen oder Dotzen ein beliebter Brauch ist, war beim Mazda 121 der zweiten Generation, genannt "Ei", anfangs serienmäßig und sogar umkehrbar: Denn seine Hülle ließ sich dank eines elektrischen Faltdachs "aufschlagen" und natürlich wieder schließen.
Sein Luftwiderstandsbeiwert lag bei 0,186, wie nachträgliche Messungen an einem nachgebauten Modell am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ergeben haben. Das Optimum bei Serien-Pkw liegt derzeit bei einem Cw-Wert von 0,22. Jedoch: Die Eiersuche dürfte schwierig werden. Der nicht gerade österlich lackierte Prototyp gilt seit Jahrzehnten als verschollen.
Das kleinste rollende Ei - Brütsch Mopetta
Kleine fahrende Eier waren nach dem Zweiten Weltkrieg en vogue, als sich nur wenige Menschen ein richtiges Auto leisten konnten. Ab Anfang der 1950er Jahre kamen Rollermobile und Kleinstwagen auf die Straßen. Sie verdrängten das Motorrad als Hauptverkehrsmittel individueller PS-Mobilität und waren ein historischer Zwischenschritt auf dem Weg zum Auto. Bekannt sind die Heinkel Kabine oder die bei BMW in Lizenz gebaute Isetta der italienischen Marke Iso.
Besonders eirig war die seltene Brütsch Mopetta geraten, von der zwischen 1956 und 1958 nur 14 Exemplare entstanden. Der offene, 1,7 Meter kurze Einsitzer mit dem knubbelig-runden Bug war wohl zu skurril. Unter seinem Plastikkleid verbarg er einen 2,3-PS-Mopedmotor. Das Dreirad galt manchem "als das kleinste Auto der Welt".
Das rollende Kuckucksei - Citroën Eggo
Mit dem Eggo setzte sich dessen Designer 2011 ins Nest von Citroën: An der Studie, präsentiert auf einer Designmesse in Kroatien, war der Citroën-Doppelwinkel angebracht - offenbar ohne dies mit dem Hersteller genauer abgeklärt zu haben. "Da hatte Citroën keinerlei Aktien drin", sagt Sprecher Stephan Lützenkirchen.
Was den Entwurf nicht minder interessant macht: Klar, auch der Eggo ist ein Ei, braucht mit seinen vier freistehenden Rädern an langen Federbeinen aber auch den Vergleich mit einem Kastanienmännchen nicht zu scheuen. Gedacht war das braune Vehikel mit den solarbetriebenen Radnabenmotoren und den nach oben öffnenden Scherentüren als ein Stadtgefährt für irgendeine Zukunft. Doch die ist bislang nicht da. Niemand, auch Citroën nicht, brütete das Kuckucksei aus, und so verschwand es wie viele Studien wieder in der Versenkung.
Muss noch gefärbt werden - das Google-Auto
Mit dem Google Driverless Car wurde 2014 das weltweit erste vollautomatisierte Auto vorgestellt, das für den Einsatz auf öffentlichen Straßen gedacht war. Das später "Firefly" genannte Roboterauto, von dem bis zu 70 Exemplare in den USA unterwegs waren, nervte im normalen Verkehr zwar etwas, weil es nur auf 40 km/h beschleunigen konnte. Doch es wurde dank Eiform und Koalagesicht als niedlich wahrgenommen.
Nach Ansicht des Experten für Transportation-Design Lutz Fügener von der Hochschule Pforzheim war das beabsichtigt. "Selbstfahrende Autos sollen so freundlich aussehen, wie es nur geht, um die Angst vor Unfällen zu nehmen wie jetzt mit einem Uber-Auto passiert." Seit Googles Mutterkonzern Alphabet das Geschäft mit den Roboterautos an das Tochterunternehmen Waymo übertragen hat, liegt der Fokus nicht mehr auf Eigenentwicklungen wie dem "Firefly", sondern dem Umbau von Bestandsmodellen anderer Autohersteller. 2017 zog Google seine Firefly-Flotte aus dem Verkehr. Zum richtigen Osterei hätte dem E-Auto ohnehin die bunte Färbung gefehlt.
Das Gelbe vom Ei? Hyundai E4U
Immerhin gelb gefärbt präsentierte Hyundai auf der Seoul Motorshow 2013 die Studie E4U. Als Vorschlag für den infarktbedrohten Stadtverkehr gedacht, sollte sich das E-Mobil mit bis zu 30 km/h seinen Weg bahnen. Das Vehikel näherte sich der Eiform verblüffend dicht an, auch wenn Stützräder das Idealbild störten. Dafür war der E4U ein bisschen wie ein offenes Frühstücksei. Nur, dass der obere Teil der Eischale dem stehenden Fahrer als Helm dienen und beim Parken dem Hyundai als Deckel wieder aufgesetzt werden sollte.
Das Fahren selbst funktionierte durch Gewichtsverlagerung des Fahrers. Die reine Eiform ist laut Fügener übrigens "aerodynamisch problematisch, weil man die Drücke ums Auto nicht steuern kann." Die Form könnte trotzdem vor einer Renaissance stehen - vor allem bei Fahrzeugen, bei denen der Luftwiderstand nicht so ins Gewicht fällt: "Wir werden das sicher wieder beim E-Auto für den Innenstadtbereich sehen", ist Fügener überzeugt.