Pakistan Die Gegner des Generals
Pervez Musharraf: Der Armeechef putschte sich 1999 an die Macht. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 schlug sich der General auf die Seite der USA - gegen den heftigen Widerstand von Islamisten. Doch anstatt die Demokratiebewegung im Land zu stützen, verprellte er die gebildete Mittelschicht - und ließ in Afghanistan operierende Terrogruppen lange gewähren. Mit seinem jüngsten Coup scheint er auch Washington heftig verärgert zu haben, wo man ihn lange gewähren ließ.
Iftikhar Chaudhry: Der Oberste Richter gilt als Gegner Musharrafs und Symbolfigur des friedlichen Protestes. Nun hat ihn der Präsident gefeuert. Nächste Woche hätte er darüber urteilen sollen, ob Musharraf bei der Wahl im Oktober überhaupt kandidieren durfte. Schon im März hatte Musharraf Chaudhry suspendiert, der jedoch die gesamte Jurisdiktion hinter sich hatte. Monatelang gab es massive Demonstrationen, die dazu führten, dass Chaudhry sein Amt zurückerhielt.
Benazir Bhutto: Die Tochter des ermordeten früheren Regierungschefs Zulfikar Ali Bhutto galt nach vielen Jahren Hausarrest und Exil am Ende der Diktatur Zia ul-Haqs ihren Landsleuten wie ein Versprechen für eine bessere Zukunft und Demokratie. Sie regierte das Land zweimal (1988-90 und 1993 96). Nun will die Mutter dreier Kinder es erneut wissen. Doch sie ist vielen Pakistanern heute suspekt: Ihrer Regierung wurde Korruption vorgeworfen.
Imran Khan: Der prominente Oppositionspolitiker wurde am Wochenende unter Hausarrest gestellt konnte aber entwischen. Der frühere Cricket-Star führt die Bewegung für Gerechtigkeit an. Khan gehört zu den Klägern gegen eine weitere Amtszeit von Präsident Musharraf. Mehrfach verurteilte er die Unterstützung des Westens für "Diktator Musharraf". Khan warf ihm Verrat vor, der mit dem Tod bestraft werden müsse.
Nawaz Sharif: Der islamistisch orientierte Exilpolitiker gilt als gefährlichster Herausforderer Musharrafs. Er geriert sich als Retter, der Pakistan von der Diktatur befreien will. Der Chef der Muslimliga hat das Land bereits zweimal regiert (1990-93 und 199799). Für weltweites Aufsehen sorgte sein Versuch, die islamische Scharia zum Leitrecht zu machen. In einem unblutigen Staatsstreich entmachtete ihn das Militär. Anschließend wurde er wegen Korruption verurteilt und floh ins Ausland.
Shaukat Aziz: Der Ex-Banker ist seit 1999 als Politiker aktiv. Präsident Musharraf berief ihn damals nach dem Putsch zunächst als Finanzminister das Land stand am Rand des Bankrotts. In den folgenden Jahren erarbeitete sich Aziz einen Ruf als erfolgreicher Sanierer. Seit 2004 hat er das Amt des Premierministers inne. Er gilt als dem Präsidenten ergebener Politiker ohne eigene Ambitionen.
Javed Hashmi: Er ist einer der bekanntesten Kritiker Präsident Musharrafs und hat im Gefängnis gesessen, bis ihn der Oberste Richter Chaudhry im Sommer freisprach. Hashmi war 2004 zu 23 Jahren Haft verurteilt worden, weil er einen Brief mit scharfen Angriffen gegen Musharraf veröffentlicht hatte, der angeblich aus Armeekreisen kam. Hashmi ist der amtierende Chef der Muslimliga von Ex-Ministerpräsident Sharif. Er wurde nach der Verhängung des Ausnahmezustands festgenommen.
Aitzaz Ahsan: Der Präsident der pakistanischen Anwaltsvereinigung wurde Opfer der Verhaftungswelle nach der Verhängung des Ausnahmezustands in Pakistan. Ahsan ist Berater des gefeuerten Obersten Richters Iftikhar Chaudhry. Während des gescheiterten ersten Suspendierungsversuchs des regierungskritischen Chaudhry vertrat er dessen anwaltliche Interessen.
Abdul Rashid Ghazi: Der islamische Gelehrte starb im Juli bei der Erstürmung der von radikalen Islamisten besetzten Roten Moschee in Islamabad. Seit 1998 leitete er das von seinem Vater gegründete Zentrum, das als Hochburg von Terroristen und Islamisten galt. Ghazis Bruder, der heute die Moschee leitet, heizt in Hasspredigten zu Racheakten gegen die Regierung auf. Die militanten Islamisten haben enge Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida. Bin-Laden-Vize al-Sawahiri rief die Pakistaner zum Heiligen Krieg gegen Musharraf auf.