Brand auf der "Normandie" Luxus, Nazis und die Mafia
Schlagseite: Am 10. Februar 1942 kenterte der einstige Prunkdampfer "Normandie" und kippte in den vereisten Hudson River in New York. Ein Feuer war an Bord ausgebrochen, bei den anschließenden Löscharbeiten war das Schiff voll Wasser gelaufen - und hatte Schlagseite bekommen.
Schiff der Superlative: Mit fast 314 Metern Länge und knapp 80.000 Bruttoregistertonnen war der französische Ozeanriese "Normandie" das bis dato gewaltigste Schiff der Welt. Dennoch war der Luxusliner nicht wuchtig, sondern bestach durch einen außerordentlich schlanken Schiffskörper. Die 160.000 Pferdestärken
der "Normandie" ermöglichten eine Reisegeschwindigkeit von rund 30 Knoten - damit war die "Normandie" auch das schnellste Schiff seiner Zeit und ergatterte schon bei seiner Jungfernfahrt über den Atlantik im Mai 1935 das begehrte "Blaue Band". Das Bild zeigt den Blick in den Maschinenraum.
Stapellauf: 200.000 Schaulustige säumten das Ufer am Hafen von St. Nazaire, um den Stapellauf der "Normandie" am 29. Oktober 1932 zu erleben. Rund 100 von ihnen wurden beinahe fortgeschwemmt - so gewaltig war die Welle, die der Stahlkoloss bei seinem ersten Kontakt mit dem Wasser verursachte.
Bad mit Bar: Das luxuriöse Schwimmbad unter Deck war mit blauen Mosaiken und einer bronzenen Brüstung versehen - es bot den Gästen der ersten Klasse nicht nur einen Nichtschwimmer-Bereich, sondern auch eine Bar. Ein weiteres Schwimmbad befand sich im Außenbereich, unter freiem Himmel.
"Kraft und Eleganz": Ein Blick auf die nobel verzierten Fahrstühle und den Kinosaal des gigantischen Passagierschiffs. "Bei keinem anderen Schiff der Welt verbinden sich Kraft und Eleganz so perfekt", schrieb der französische Maler Albert Sébille einst.
Schiff der Schönen und Reichen: Zu den berühmten Gästen an Bord des Passagierdampfers "SS Normandie" gehörten beispielsweise der spanische Maler Salvador Dalí,...
...die Hollywood-Stars Marlene Dietrich und Cary Grant,...
...der Schriftsteller Ernest Hemingway und...
...der Boxer Max Schmeling, rechts, hier bei der Ankunft im Hafen von New York. Zur Jungfernfahrt im Mai 1935 begaben sich der Juwelier Pierre Cartier, die Schriftstellerin Colette und die Schauspielerin Mrs. Morgan Belmont an Bord der "Normandie" - der Maharadscha von Kapurthala logierte in der Luxus-Suite "Deauville" nebst eigenem Koch.
Ursprung der Tragödie: Die "Grand Lounge", einer der größten Repräsentationsräume im Bereich des oberen Decks. Hier brach am 9. Februar 1942 das Feuer aus. Da kein Feuerlöscher im Raum war, stand die Lounge kurz darauf in Flammen. Und weil die automatische Verbindung zur Feuerwehr im Zuge der Umbauarbeiten gekappt worden war, trafen die Löschwagen erst eineinhalb Stunden nach Ausbruch des Feuers bei der "Normandie" ein. Die Feuerwehr...
...pumpte tonnenweise Wasser auf die brennenden Decks. Da der Strom an Bord ausgefallen war, konnte es jedoch nicht abgepumpt werden, weshalb die einstige "Normandie" zur Seite kippte. Die Bilanz der Tragödie: ein Toter und rund 200 Verletzte.
Gekenterter Ozeanriese: Die Bergungsarbeiten der in "USS Lafayette" umbenannten "Normandie", die am 19. Februar 1942 nach einem Brand gekentert war, dauerten monatelang. Umbaupläne für das Schiff wurden als zu teuer verworfen, schließlich...
...wurden die traurigen Überreste des einstigen Luxusliners zu einer Abwrackwerft geschleppt und dort verschrottet.
Schwimmender Palast: Eine der Luxussuiten an Bord der "Normandie" - inklusive eigener Privat-Terrasse. Die Prinzen und Maharadschas, die sich hier einmieteten,...
...hatten die Wahl zwischen vier verschiedenen Schlafgemächern sowie einem eigenen Ess- und einem Wohnzimmer inklusive Konzertflügel. Das ganze Schiff war im eleganten Art-déco-Stil eingerichtet, die Innenausstattung von den bedeutendsten Künstlern Frankreichs gestaltet worden.
Theaterschiff: Die "Normandie" verfügte nicht nur über einen Kinosaal, sondern - als erster Luxusliner überhaupt - auch über ein eigenes Theater, in dem 380 Menschen Platz fanden.
Freizeitpalast: Zwischen dem zweiten und dem dritten Schlot befand sich ein schiffseigener Ringtennisplatz. Daneben bot die "Normandie" ihren Gästen etwa Squash-Courts, einen Schießstand, mehrere Fitnessräume sowie eine luxuriöse Ladenzeile.
Schmallippiger Saboteur: Filmszene aus dem Hitchcock-Thriller "Saboteure" von 1942. Der deutsche Nazi-Bösewicht namens "Frank Fry", gespielt von Norman Lloyd, kann sich ein höhnisches Grinsen nicht verkneifen, als er mit dem Taxi an dem verkohlten Rumpf der gekenterten "Normandie" vorbeifährt, die im Hafen von New York liegt.
Der im Klima der Angst vor deutscher Sabotage gedrehte Film war zwar bereits fertig gedreht, als die Ex-"Normandie" ausbrannte. Doch ließ sich Regisseur Alfred Hitchcock Aufnahmen des gekenterten Schiffs kommen und webte das Unglück nachträglich ein. Das Feuer, so suggerierte es der Thriller, war Folge eines Sabotage-Akts durch "Frank Fry".
Das große Fressen: Der monumentale Speisesalon in der ersten Klasse übertraf mit 86 Metern Länge und neun Metern Höhe sogar die Ausmaße des berühmten Spiegelsaals im Schloss von Versailles und verfügte über eine eigene Klimaanlage. Über den 650 Gästen wölbte sich eine goldene Kassettendecke, gewaltige Leuchter erhellten die verschwenderische Szenerie. Zur Jungfernfahrt 1935 führte die "Normandie" 24.000 Liter Tafelwein, 7.000 Flaschen Sekt und Champagner sowie 2.600 Flaschen Likör mit sich.