Passions-Kino - DER SPIEGEL
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Passions-Kino Jesus Christ Superfilmstar

Christus als Kung-Fu-Ass, Zombie oder Superheld: Auf Zelluloid feiert Gottes Sohn in den erstaunlichsten Gestalten Auferstehung. Der beliebteste Jesus-Film allerdings ist ein frommer Missionierungsstreifen. Cineasten haben davon noch nie gehört - dabei ist er der wohl meistgesehene Film der Welt.
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"Ultrachrist!" (2003): Ist er ein vollbärtiger Hippie-Spinner? Oder ein armer Irrer im silbernem Catsuit mit himmelblauem Umhang? Nein! Er ist Ultrachrist! Der neue, verbesserte Jesus, der in das heutige New York gekommen ist, um Gottes Geboten endlich den nötigen Nachdruck zu verleihen. Die Imagekorrektur in Richtung Superheld wurde vorgenommen, nachdem kein Jugendlicher den Jesus im Sandalen- und Bettlaken-Outfit ernst nehmen wollte. Nun gilt es für den Super-Jesus, seinen Platz als Anführer aller Menschen zu erobern. Doch dafür muss er erst einmal an einem Haufen hochkarätiger Bösewichter vorbei, darunter Hitler, Nixon und Doors-Sänger Jim Morrison.

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"Maria und Joseph" (1985): "Ich habe 90.000 Meter Film verbraucht", sagte Regisseur Jean-Luc Godard über sein Werk, "normalerweise reicht das für vier Filme. Ich bin nicht religiös, aber ich bin gläubig. Ich glaube an Bilder. Ich habe keine Kinder, nur Filme." Und so wird in Goddards Jesus-Adaption Joseph zum Taxifahrer und Maria zu Marie, der Tochter eines Tankstellenwärters, die es kaum fassen kann, als ihr Arzt Schwangerschaft bei fortdauernder Jungfräulichkeit feststellt. "Maria und Joseph" brachte den Papst dazu, sich erstmals gegen einen einzelnen Film zu wenden. "Der Film beleidigt und verunstaltet die fundamentalen Lehrsätze des christlichen Glaubens", ließ er auf der Titelseite des "Osservatore Romano", dem Zentralorgan des Vatikans, verlauten.

Foto: ddp images
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"Jesus" (1979): Wohl kaum ein Filmfan kennt Peter Sykes und John Krisch, die Regisseure dieser Jesus-Geschichte nach dem Lukas-Evangelium. Trotzdem ist "Jesus" womöglich der meistgesehene Film der Welt. Seit 1979 wird er zur Missionierung eingesetzt. Die frommen Eiferer des "Jesus Film Project" hat das Doku-Drama bisher in mehr als tausend Sprachen und Dialekte übersetzen lassen und in mehr als 220 Ländern gezeigt. Laut der Website des Projektes hätten so in den Jahrzehnten mehr als vier Milliarden Menschen den Film gesehen - und mehr als 200 Millionen seien durch ihn zum Christentum bekehrt worden.

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"Jesus Christ Vampire Hunter" (2001): "The first testament says 'An eye for an eye'. The second testament says 'Love thy neighbour'. And the third testament ... KICKS ASS!!!" Dieser Slogan prangt auf dem Plakat für das Kung-Fu-Action-Comedy-Horror-Musical um einen Jesus, der mit fernöstlicher Kampfkunst und manchmal auch Zahnstochern Vampire killt. Das B-Movie wurde 2001 von einer Gruppe kanadischer Filmstudenten gedreht. Die Story? Ein Punk-Priester mit Stachel-Iro-Frisur bittet Jesus um Hilfe im Gefecht gegen einen Haufen Vampire, denen es gelungen ist, sich mit Hilfe der Haut von Lesben gegen das Sonnenlicht Immun zu machen. So kehrt der Heiland auf die Erde zurück, um die blutsaugende Bedrohung mit Kampfsporttricks und der Hilfe eines mexikanischen Wrestlers in die Schranken zu prügeln. Erwähnten wir, dass außerdem gesungen und getanzt wird?

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"Das Leben des Brian" (1979): "Wenn das Wort Blasphemie noch einen Sinn hat, dann müssen wir es auf diese Monty-Python-Filmsatire anwenden", erklärte ein erboster Kirchenvertreter in den USA. Und ein Rabbi witterte gar ein "Verbrechen gegen die Religion". Regisseur Terry Jones hatte für diese ganze Aufregung nur einen schelmischen Kommentar übrig: "Wir sind alle sterblich, und darum ist es doch nur lächerlich, wenn einer meint, sich mehr aufblasen zu müssen als die anderen." Schließlich geht es in dem Film genau genommen gar nicht um Jesus, sondern um Brian Cohen, die fleischgewordene Folge eines Abenteuers zwischen einer jüdischen Magd und einem römischen Centurio. Am Kreuz endet das schräge Abenteuer trotzdem - und mit einer Botschaft, die Jesus gewiss auch gefallen hätte: "Always look on the bright side of death."

Foto: ddp images
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"Color Of The Cross" (2006): Wie Jesus aussieht? Im Film trägt er meist lange Haare zu einem akkurat gestutzten Vollbart. Und er ist immer weiß - zumindest bis 2006. Da drehte der haitianisch-amerikanische Regisseur Jean-Claude La Marre die Jesus-Geschichte mit sich selbst in der Hauptrolle. Dem Filmemacher ging es dabei darum die Rolle der Schwarzen im Kino neu zu schreiben. "Seit Jahrzehnten sind Schwarze Opfer negativer Darstellungen im Film", erklärte er seinen Ansatz. "Ich dachte Jesus ist ein guter Anfang, um mit dieser Tradition zu brechen." Allen, die sagen, dass Jesus garantiert nicht schwarz war, hält Stephenson Humphries-Brooks, ein Experte für christliche Filme entgegen, dass es noch nie eine historisch korrekte Version von Jesus im Film gegeben habe - und auch niemals geben werde.

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"The Messiah" (2007): "Als Antwort auf die westlichen Jesusfilme" drehte der iranische Regisseur Nader Talebzadeh "The Messiah". Grundsätzlich sei Mel Gibsons "Passion Christi" ja ein gut gemachter Film, erklärte der Filmemacher, "aber die Story ist falsch. So war es nicht." Zumindest steht sie so nicht im Koran - dort ist Jesus nämlich weder der Sohn Gottes, noch wird er gekreuzigt. So wird Talebzadehs "Messiah" zum interessanten Lehrfilm über die Rolle Jesu im Islam. Hier wird statt Jesus Judas gekreuzigt, und der Heiland der westlichen Welt ist lediglich einer von fünf Propheten, die zur Erde geschickt wurden, um die Ankunft Mohammeds anzukündigen.

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"Zombie Jesus!" (2007): "Am dritten Tage auferstanden von den Toten" - bei dieser Zeile denken eingefleischte Horrorfilmfans wohl eher an einen zünftigen Zombiefilm als an das Glaubensbekenntnis. Doch nie zuvor wurde diese Parallele so konsequent zu Ende gedacht wie in diesem amerikanischen B-Movie. "Oh, Menschensohn", sagt der Priester im Film und kniet vor seinem Heiland nieder, "ich bin dein demütiger Diener. Was willst du von mir?" Zombie-Jesus legt ihm segnend die Hand auf den Kopf und antwortet: "Gehirn!" Was auch sonst.

Foto: www.zombiejesusisback.com
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"The Passion Play of Oberammergau" (1898): Nur vier Jahre nachdem die erste Kamera entwickelt war, die mit Zelluloid arbeitete, entstand dieser Film über das Leben Jesu. "The Passion Play Of Oberammergau" wurde von der Edison Manufacturing Company, der Filmfirma Thomas Edisons, produziert. Er gilt als einer der ersten Filme, der in eigens für die Dreharbeiten gebauten Sets gedreht wurde - auf dem Dach eines New Yorker Hochhauses. Als inhaltliche Vorlage dienten die schon damals weltweit legendären, alle zehn Jahre stattfindenden Passionsspiele in der bayerischen Gemeinde Oberammergau. Nach einer furiosen Premiere am Broadway wurde der Film hauptsächlich in Gottesdiensten gezeigt - die ersten Kinos entstanden erst einige Jahre später.

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"Jesus Christ Superstar" (1973): Judas diskutiert mit Jesus über den richtigen Weg, Israel von den Römern zu befreien. Dabei trägt der Jünger Schlaghosen, singt, tanzt und wird begleitet von einem Chor leicht bekleideter Disco-Queens unter knallbunt zuckenden Scheinwerfern. Herodes kommt als dekadenter Hippie daher. Und Jesus selbst bleibt dem Zuschauer ausgerechnet seine Auferstehung schuldig. Kurzum: So unschuldig sie auf den ersten Blick daherkommen mag, die Verfilmung des Musicals "Jesus Christ Superstar" hat alles, was es zu einem Skandalfilm braucht. Der Vatikan war dennoch erstaunlich entspannt. Anstatt den Film zu verdammen, nannte er Norman Jewisons Leinwandversion der überkandidelten Rockoper "eines der respektabelsten und ernsthaftesten Produkte der Jesus-Revolution". Etwas anders sah das der fundamentalistische US-Prediger Billy Graham: "Das ganze grenzt an Gotteslästerung und Entweihung. Denn ohne Auferstehung gibt es kein Christentum."

Foto: ddp images
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"Das Buch des Lebens" (1998): Eigentlich wollte Jesus nur zur Erde zurückkehren, um pünktlich zum Millennium die Apokalypse zu verkündigen. Doch schon bald, nach seiner Ankunft am JFK-Flughafen in New York, ist er sich nicht mehr so sicher, ob die Menschheit wirklich den Tod verdient. P.J. Harvey als intrigante Maria Magdalena, ein Soundtrack zwischen HipHop, Techno und Indie-Rock nebst zahlreichen popkulturellen Seitenhieben - wie ein Auftritt des toten US-Kultschriftstellers William S. Burroughs als Stimme aus dem Radio - machen diese Komödie wohl zum lässigsten Auftritt Jesu.

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"Das Gewand" (1953): Wohl der größte Monumentalfilm um Jesus Christus, bei dem der Heiland nie richtig zu sehen ist. Entweder befindet er sich unscharf im Hintergrund oder er hat der Kamera den Rücken zugekehrt. "Das Gewand" handelt von der Bekehrung des römischen Militärtribuns Marcellus (Richard Burton, r.), der von Pontius Pilatus beauftragt wird, die Hinrichtung des Königs der Juden zu organisieren. Bei einem Würfelspiel unter dem Kreuz gewinnt er schließlich das Gewand Jesu und wird fortan von düsteren Visionen geplagt - bis er schließlich zum Christentum konvertiert. Jesus wird in diesem Film übrigens von Donald C. Klune gespielt. Nie gehört? Kein Wunder. Er war der zweite Regieassistent des Films.

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"The Thorn" (1974): Diese Low-Budget-Komödie ist auch bekannt als "The Divine Mr. J." und "The Greatest Story Ever Overtold". Bette Midler spielt hier eine ihrer ersten Filmrollen und gibt eine zum Schreien komische Maria. Zum Beispiel, wenn sie mit vor Seligkeit rollenden Augen versucht, Josef zu erklären, dass sie von Gott geschwängert worden sei, während ihr Gatte an seiner neuesten Erfindung - einer Kreuzung aus Schreibmaschine und Kirchenorgel - werkelt. Midler selbst mag sich heute trotzdem nicht mehr so recht an den Film erinnern - auf ihrer offiziellen Website taucht "The Thorn" nicht auf.

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"Die größte Geschichte aller Zeiten" (1965): Dieser Jesus-Film war 1964 nicht nur die größte, sondern mit 20 Millionen Dollar Produktionskosten auch Hollywoods teuerste Geschichte aller Zeiten. Und einer der längsten Monumentalfilme überhaupt. Vier Stunden und 20 Minuten dauerte die erste Version, die letztendlich auf 144 Minuten zusammengeschnitten wurde. Das wirklich allergrößte aber war die Besetzungsliste. Regisseur George Stevens trommelte die Superstars der Zeit gleich dutzendweise zusammen - und besetzte auch noch die unscheinbarsten Nebenrollen mit Größen wie Sidney Poitier, Telly Savalas, Angela Lansbury oder Martin Landau. Viele Kritiker fühlten sich durch dieses Staraufgebot von der Geschichte abgelenkt. Verständlich. Als Jesus am Kreuz stirbt, sagt zum Beispiel ein römischer Centurio "Wahrhaftig, dieser Mann war der Sohn Gottes." Und wahrhaftig, der Centurio war kein Geringerer als John Wayne.

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"Jesus von Montreal" (1989): Eine Gruppe junger Schauspieler ist auf der Suche nach einem neuen Ansatz, die Geschichte Jesu zu erzählen - denn das Stück, das jeden Sommer in einer Kirche in Montreal aufgeführt wird, ist schon 35 Jahre alt. Also inszeniert das Ensemble die Passionsgeschichte, indem der spirituellen Kreuzigung wissenschaftliche Fakten entgegengesetzt werden. Doch parallel zu den Aufführungen auf der Bühne wird der Alltag des Hauptdarstellers Daniel, der den Jesus spielt, dem Leben des Heilands immer ähnlicher.

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"Die letzte Versuchung Christi" (1988): Jesus als Heiland wider Willen - in Martin Scorseses Version der Passion Christi baut der Zimmermann Jesus (Willem Dafoe) anfangs Kreuze für die Römer und ist lange Zeit gar nicht begeistert von der Aussicht, als Sohn Gottes für die Menschen zu sterben. Der bereits hingerichtete Heiland steigt gar vom Kreuz herab, um ein ganz normales Leben zu führen. Statt vorschriftsmäßig zu sterben und nach drei Tagen aufzuerstehen, heiratet er dreimal, zeugt vier Kinder und jobbt weiter als Zimmermann. Die Kirche war nicht begeistert von diesem allzu menschlichen Jesus - Scorseses Neufassung des Neuen Testaments wurde als "dämonisches Machwerk" aus "satanischem Geist" verteufelt. Hunderte Christen demonstrierten auch vor deutschen Kinos, in Frankreich gab es gar Schlägereien und Krawalle.

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"Maria - die heilige Mutter Gottes" (1999): In diesem Film, der für das US-Fernsehen produziert wurde, soll sich alles um Maria und ihren Einfluss auf das Leben Jesu drehen. Für die Mutter des Heilands hatte wohl trotzdem kaum jemand einen Blick übrig - schließlich spielte "Batman"-Darsteller und Frauenschwarm Christian Bale den Jesus.

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"Der Mann der tausend Wunder" (2000): Dieser aufwendige Animationsfilm ist eine englisch-russische Co-Produktion, die komplett im Stop-Motion-Verfahren gedreht wurde. Lange war der Film in Deutschland nur auf dem Privatsender Bibel TV zu sehen, bis er 2004 erstmals auf DVD erschien. Seitdem ist "Der Mann der tausend Wunder" mit den Stimmen von Ralph Fiennes, Ian Holm und William Hurt ein veritabler Gemeindefest-Klassiker.

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"Son of Man" (2005): Was wäre, wenn Jesus im heutigen Afrika leben würde? Aus dieser einfachen Idee entwickelte der Regisseur Mark Dornford-May einen mitreißenden Film. "Son Of Man" ist der erste südafrikanische Beitrag, der je auf dem legendären Sundance Film Festival im US-Bundesstaat Utah zu sehen war. Er erzählt die Geschichte von Jesus, der in der südafrikanischen Stadt Judea aufwächst und mit seinen Reden und einfachen Weisheiten nach und nach immer mehr Menschen begeistert. Als Bürgerkrieg ausbricht, fordert er seine Anhänger auf, dem Krieg abzuschwören und in Frieden zu leben - und wird bald als gefährlicher politischer Aufrührer festgenommen und hingerichtet.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?