Pazifikinsel Nauru - DER SPIEGEL
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Paradies auf Zeit Das weißes Gold von Nauru

Villen, Autos und Koffer voller Geld: Die Bewohner Naurus lebten in den siebziger Jahren in Saus und Braus. Die Pazifikinsel war das reichste Land der Erde - dank Bergen von Vogelkot, der zu Phosphat geworden war. Doch was nach dem Paradies klingt, war nur Teil einer großen Tragödie.
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Jäher Absturz: Der Inselstaat Nauru im Pazifik, hier eine Satellitenaufnahme von 2002, hat wohl eine einzigartige Entwicklung durchgemacht. Riesige Phosphatvorkommen machten den drittkleinsten Staat der Welt für wenige Jahrzehnte märchenhaft vermögend. In den siebziger Jahren hatte das Eiland nach Saudi-Arabien das höchste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf; gemessen an seiner winzigen Fläche war Nauru der reichste Staat der Welt.

Doch das Land ging zu verschwenderisch mit seinen Ressourcen um. Als das Phosphat erschöpft war, stürzte Nauru auf den Stand eines Entwicklungslandes ab. Zweifelhaften Ruhm erntete es nur noch durch seinen Ruf als Paradies für Geldwäscher und Steuerflüchtlinge. Erst auf internationalem Druck widerrief es im Jahr 2003 fast 450 Lizenzen für dubiose Banken.

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Königlicher Besuch: Das einstige britische Mandatsgebiet Nauru wurde am 31. Januar 1968 unabhängig und war plötzlich ein Zwergenstaat mit dem Reichtum einer Großmacht. Königin Elizabeth II. und Prinz Philip schauten vielleicht auch deshalb in den achtziger Jahren gern im Pazifik vorbei.

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Immer am Wasser entlang: Die Inseldistrikte Denigomodu (oben) und Nibok (unten) aus der Luft betrachtet zeigen einen Teil der etwa 17 Kilometer langen Küstenstraße, die Nauru umrundet. Im Bezirk Denigomodu sind noch die Baracken der ausländischen Minenarbeiter zu erkennen. Heute ist das Phosphatvorkommen aber nahezu ausgeschöpft.

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Krieg im Pazifik: 1942 wurde Nauru, damals britisches Mandatsgebiet unter australischer Verwaltung, von den Japanern erobert und als Vorposten für die Nachschubversorgung ihrer Kriegsschiffe genutzt. Kurz darauf begannen die USA, die Insel zu bombardieren - Nauru wurde wohl zum winzigsten Schlachtfeld des Zweiten Weltkrieges.

Foto: Library of Congress
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Reichtum mit Verfallsdatum: Mit einem Laster wird das geförderte Phosphat aus einer Mine auf Nauru auf dieser Aufnahme von 1968 abtransportiert. Zu diesem Zeitpunkt war Nauru nach Jahrzehnten der Fremdherrschaft endlich unabhängig geworden - wusste aber schon damals, dass die wertvollen Phosphatvorkommen nach spätestens 30 Jahren erschöpft sein würden.

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Reichtum und Dekadenz: Für den Transport des wertvollen Phosphats wurde über Nauru extra eine Bahnlinie angelegt. Der Rohstoff machte den Ministaat für drei Jahrzehnte extrem wohlhabend. Nauru kaufte im Ausland Luxushotels und ganze Stadtviertel, investierte Millionen in Prestigeprojekte wie die staatliche Fluglinie Air Nauru - und verteilte das Geld mit vollen Händen an seine Bürger.

Die rund 13.000 Inselbewohner gingen im Ausland massiv auf. Bei einem Straßennetz von nur 29 Kilometer besaß im Schnitt jeder Naururer mehr als zwei Wagen. Doch der Reichtum machte die Menschen auch krank - die Fettleibigkeit stieg, heute leidet jeder Dritte auf Nauru unter Diabetes.

Foto: CC Aussie19753
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Zu Gast bei Millionären: Das Phosphat brachte den Inselbewohnern so viel Geld ein, dass sie nicht mehr selbst schuften mussten. Sie fuhren lieber mit ihren teuren Autos um die Insel oder frönten ihrem Hobby, der Fischerei.

In der Zeit der britischen Herrschaft waren es überwiegend chinesische Billigarbeiter, die unter harten Bedingungen das Phosphat abbauten. Wenn das Trinkwasser auf der Insel knapp wurde, gaben die Minenbetreiber ihnen einfach kondensiertes Meerwasser. Später, nach der Unabhängigkeit 1968, kamen auch Gastarbeiter aus Kiribati, Tuvalu, den Philippinen oder Hongkong nach Nauru. Hier stehen einige von ihnen 1980 auf einer Verladebrücke.

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Relikte des Goldrauschs: Heute ist das einst so wohlhabende Nauru wieder auf dem Stand eines Entwicklungslands gesunken. Die Arbeitslosigkeit liegt bei horrenden 90 Prozent, die Menschen müssen sich wieder von der Fischerei ernähren - und auch die Abbaugeräte für das Phosphat, das die Insel einst so ungeheuer reich gemacht hatte, stehen still.

Foto: REUTERS
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Zeugen des Raubbaus: Durch den jahrzehntelangen, massiven Phosphatabbau (in der Hochzeit wurden 1,5 Millionen Tonnen gefördert) verwandelte sich das grüne Eiland zum Teil in eine bizarre Mondlandschaft.

Foto: REUTERS
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Weißes Gold: Das Phosphat, das auf Nauru abgebaut wurde, war im Verlauf von Jahrtausenden Jahren aus dem Kot von Abermillionen Seevögeln enstanden. Der versteinerte Vogelmist war der wichtigste Bestandteil von Düngemittel. Anfang des 20. Jahrhunderts war der Bedarf an Phosphat so groß, dass einige Experten es so wertvoll wie Gold einschätzten. Während der Weltkriege war der Rohstoff zudem wichtig für die Herstellung von Sprengstoff.

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Exportschlager: Gut 60 Meter vor dem Korallenriff, das Nauru umgibt, wurde diese Verladestation gebaut. In nur fünf Stunden konnte damit ein Schiff mit 12.000 Tonnen Phosphat beladen werden.

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Steinbrecher: Damit die abgebauten Phosphatbrocken verschifft werden konnten, kippten sie Lastwagen zunächst in eine Maschine, die das Phosphat zerkleinerte. Anschließend wurde das Phosphat in den bereitstehenden Güterwagen verladen. Allein im Jahr 1974 verdiente Nauru 450 Millionen Australische Dollar mit dem Abbau des Rohstoffes.

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Von Nauru um den Globus: Über die mächtigen Arme der Verladestation vor Nauru wurde das aufbereitete Phosphat auf Schiffe geladen und in alle Welt gebracht.

Der daraus hergestellten Dünger machte karge Böden in Australien und Europa fruchtbar - und verwandelte die ehemals blühende Tropeninsel teilweise in eine ausgezehrte Geisterlandschaft.

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Der Weg des Phosphats: Auf dieser Luftaufnahme von 1960 sind oben rechts die Phosphatminen zu erkennen. Der Rohstoff wurde von dort zur Weiterverarbeitung in die Gebäude unten rechts transportiert, wo er getrocknet und zerkleinert wurde. Anschließend wurde das so aufbereitete Phosphat über die Verladestation vor der Küste der Insel (ganz vorn) auf Schiffe geladen - und von dort in die Welt verschickt.

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Machtloser König: König Auweyida und Königin Eigamoiya von Nauru posieren um 1890 mit einigen Untertanen. Die Insel war zu dieser Zeit Teil des Schutzgebiets des Kaiserreichs - allerdings ohne, dass die Deutschen zunächst etwas von dem großen Phosphatvorkommen auf der Insel wussten.

Als eine britische Handelsgesellschaft durch Zufall den Reichtum entdeckte, wurde Nauru erstmals zum Zankapfel der Kolonialmächte. Schließlich fanden beide Staaten einen Deal, der aber langfristig für die Briten vorteilhafter war: Denn sie sicherten sich die Abbaurechte am Phosphat und zahlten den deutschen Inselnherren für die Förderung lediglich eine Dividende. Die Nauruer selbst gingen leer aus.

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Vergangene Schönheit: Drei einheimische Jungen sitzen auf Korallenfelsen an einer Lagune auf Nauru, aufgenommen im Dezember 1921. Die Pazifikinsel hätte ein Paradies sein können, wurde aber von wechselnden Mächten erobert, ausgebeutet und verwüstet. Wegen des exzessiven Abbaus von Phosphat standen auf dem einst grünen Eiland Ende der neunziger Jahre kaum noch Bäume.

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Ein unmoralisches Angebot: Jährlich 30 Millionen Australische Dollar kassierte der damals nahezu bankrotte Inselstaat Nauru dafür, dass er ab 2001 Hunderte afghanische Flüchtlinge aufnahm, die Australien nicht in seinen Auffanglagern haben wollte.

Dieser als "pazifische Lösung" bezeichneter Deal rief weltweit heftige Kritik hervor. Hunderte boat people mussten nun unter primitivsten Bedingungen jahrelang in überfüllten Auffanglagern auf der winzigen Insel leben. Der damals verantwortliche Präsident Naurus, René Harris, rechtfertigte seine Politik mit einer simplen Gleichung: "Keine Flüchtlinge, kein Nauru." Die Insel sanierte sich mit Geld für Menschen, die niemand haben wollte. Das Foto zeigt die Ankunft von Asylsuchenden aus Sri Lanka im Dezember 2003.

Foto: dpa
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Neue Wege: Nauru hatte seinen natürlichen Reichtum, das Phosphat, verschleudert und suchte Ende der neunziger Jahre nach neuen Einnahmequellen. Die Insel wurde zu einem Paradies für Steuerflüchtlinge - und zum Alptraum für "echte" Flüchtlinge (hier Kinder aus Sri Lanka), die Australien nicht aufnehmen wollte. Nach der Abwahl des konservativen australischen Premiers John Howard wurde das letzte Auffanglager auf Nauru im Jahr 2008 geschlossen.

Foto: dpa
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