Pelés 1000. Treffer - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Jahrhundertfußballer Pelé Der Tausendsassa

Der Brasilianer Pelé stürmte wie kein Zweiter. Sagenhafte 1281 Tore gelangen ihm in seiner langen Karriere - aber zum Treffer Nummer 1000 mussten ihn die Mitspieler schieben: denn dieses Tor war eines Königs eigentlich unwürdig.
1 / 12

Mein Freund, der Ball: Nach Wochen der Krise, in denen ihre eigentlich seit jeher so innige und harmonische Beziehung auf eine ernste Probe gestellt wurde, hatten sich Pelé und der Fußball doch wieder lieb. Am 19. November 1969 jagte der eine Partner den anderen vehement in die Maschen - zum ersehnten 1000. Mal. Die Party konnte endlich steigen. Die berühmte Lederkugel ist heute im Fußballmuseum des Maracanã-Stadions ausgestellt.

Foto: VEDADA PARA ASSINANTES BRASILEIR/ picture alliance / ASSOCIATED PR
2 / 12

Gooooooool! Für den magischen Moment seines 1000. Tores hatte sich Pelé zwar etwas Kunstvolleres ausgemalt als ausgerechnet einen schnöden Strafstoß. Doch am Ende war ihm jede Art von Treffer recht: "Ich wollte es endlich hinter mich bringen."

Foto: AP
3 / 12

Zehn Centavos zum Tausendsten der Nummer zehn: Wochenlang lag die Sonderbriefmarke der brasilianischen Post auf Abruf bereit. Doch erst nach Pelés verwandeltem Elfmeter am 19. November 1969 konnte das philatelistische Kleinod endlich in Umlauf gebracht werden. Immerhin: Der Grafiker bewies vorab ein geradezu prophetisches Gespür. Nicht nur die von ihm gezeichneten Tribünen ähneln stark denen des Maracanã-Stadions. Auch der vom jubelnden Pelé versenkte Ball ist genau dort platziert, wo er tatsächlich landete: rechts unten.

4 / 12

Der Plattfuß zaubert auf der Weltbühne: Kurz vor der WM 1958 hatte ein medizinisch-psychologisches Gutachten Pelé als "ausgesprochen infantil" und für ein solches Turnier eigentlich völlig untauglich eingestuft: "Ihm mangelt es am notwendigen Kampfgeist", hieß es. "Er ist zu jung, um Aggressivität zu empfinden und dementsprechend zu handeln. Darüber hinaus besitzt er kein Verantwortungsgefühl dem Team gegenüber." Zudem wurden Plattfüße und Kurzsichtigkeit attestiert. Brasiliens Trainer Vicente Feola nahm den Teenager trotzdem mit nach Schweden.

Foto: imago
5 / 12

Schönspieler: Fallrückzieher, Scherenschlag, Kopfball, Hacke, Spitze, eins-zwei-drei – Pelé konnte am Ball einfach alles. Wenn er mit seinen Mitspielern vom FC Santos im traditionellen blütenweißen Dress auflief, hatte das eine ganz eigene Ästhetik. Zu seinem 75. Geburtstag wird er mit einer Neuauflage seines Trikots aus den Jahren 1962 und 1963 geehrt, als Santos zweimal in Folge den Weltpokal gewann. Insgesamt 1281 Tore in 1365 Partien als Profi schreiben die Statistiker Pelé zu. Sein schönstes? Pelé selbst wählte das 4:0 beim Santos-Spiel gegen den Clube Atlético Juventus am 2. August 1959 in São Paulo, als er im Strafraum den Ball in der Luft jongliert, nacheinander erst über drei Gegenspieler und dann noch über den Torwart lupft, um den Ball per Kopf einzunetzen.

Foto: ASSOCIATED PRESS
6 / 12

Gern gesehener Gast: Mit dem FC Santos tingelte Pelé häufig zu lukrativen Freundschaftsspielen nach Europa, zwischen 1959 und 1973 allein zu 19 Partien gegen deutsche Vereins- und Auswahlmannschaften. Legendär die Duelle mit Fortuna Düsseldorf (6:4, 1959), 1860 München (9:1, 1960), dem Karlsruher SC (8:6, 1961) oder dem Hamburger SV (3:3, 1962 - im Foto: Pelé gegen den HSV-Nationalspieler Jürgen Werner). Im November 2005 wurde Pelé Ehrenmitglied bei Rot-Weiss Essen, im Oktober 2007 beim 1. FC Köln.

Foto: Trede-Archiv
7 / 12

Länderspiel: Dreimal kickte Pelé auch gegen die deutsche Nationalmannschaft, stets in Freundschaftsspielen. Im Mai 1963, beim allerersten Vergleich der beiden großen Fußballnationen überhaupt, gelang ihm in Hamburg der 2:1-Siegtreffer (im Foto: Pelé gegen Willi Schulz). Im Juni 1965 brach er vor 140.000 im Maracanã von Rio bei einem für ihn völlig untypischen Frustfoul zunächst seinem Gegenspieler Willi Giesemann das Schienbein (87.), ehe er zum 2:0-Endstand traf (90.). Im Dezember 1968 schließlich wirkte er - abermals im weiten Rund von Rio - beim 2:2 mit, ging dabei aber trotz starker Leistung und guter Einschussmöglichkeiten leer aus.

Foto: Trede-Archiv
8 / 12

Auserwählter: Im Alter von gerade einmal 16 Jahren wurde Pelé erstmals für den Kader der brasilianischen Nationalmannschaft nominiert und absolvierte am 7. Juli 1957 gegen Argentinien sein erstes Länderspiel. Bei der 1:2-Niederlage erzielte er das brasilianische Tor und ist damit bis heute der jüngste Torschütze der Seleção. Am 18. Juli 1971 streifte sich Pelé beim 2:2 gegen Jugoslawien letztmals das kanariengelbe Nationaltrikot über und wurde von 180.000 Zuschauern im Maracanã-Stadion enthusiastisch verabschiedet. In seinen insgesamt 92 A-Länderspielen erzielte er 77 Treffer und ist damit noch immer Rekordtorschütze Brasiliens vor Ronaldo (62 Tore, 1994-2011) und Romário (55, 1987-2005).

Foto: ASSOCIATED PRESS
9 / 12

Auf dem Zenit: Angetrieben von Pelé, der per sehenswertem Kopfball auch das 1:0 erzielte, bezwang die für viele Experten "beste brasilianische Nationalmannschaft aller Zeiten" am 21. Juni 1970 im WM-Finale von Mexiko-City Italien mit 4:1. Pelé durfte zum dritten Mal den Weltpokal in die Höhe recken. Das hat vor und nach ihm kein anderer Fußballer geschafft. Gegenspieler Tarcisio Burgnich applaudierte: "Vor dem Finale sagte ich mir: Pelé ist auch nur aus Fleisch und Knochen, so wie ich. Nach dem Finale erkannte ich, dass ich Unrecht hatte."

Foto: AP
10 / 12

Cosmonaut: Nur ein knappes Dreivierteljahr nach seinem emotionalen Abschied vom FC Santos erklärte Pelé im Sommer 1975 den Rücktritt vom Rücktritt. Gezwungenermaßen, denn unseriöse Geschäftspartner hatten nahezu sein gesamtes Vermögen in einem riskanten Immobiliengeschäft veruntreut. Pelé unterschrieb einen lukrativen Vertrag bei Cosmos New York und verhalf der nordamerikanischen Profiliga NASL gemeinsam mit Stars aus Europa wie George Best, Johan Cruyff oder Franz Beckenbauer zu enormer Popularität und einer kurzen Boom-Phase. "König" Pelé und "Kaiser" Franz wurden am Big Apple zu Freunden und feierten 1977 gemeinsam die US-Meisterschaft. Am 1. Oktober 1977 beendete Pelé endgültig seine Karriere mit einem Abschiedsspiel zwischen Cosmos und dem FC Santos, das – eingebettet in eine glamouröse Show – live im US-Fernsehen übertragen wurde.

Foto: imago/Colorsport
11 / 12

Willkommen im Klub: Die Datenlage ist mitunter schwierig, manch Zählweise und Klassifizierung höchst umstritten. Gemeinhin führt die Fußball-Geschichtsschreibung nur fünf Namen im illustren Kreis der Spieler, die in ihrer Laufbahn die Marke von 1000 Toren knackten – jeweils zwei vor und zwei nach Pelé. Der Erste soll der Brasilianer Arthur Friedenreich (1892-1969, Foto) gewesen sein. Der Sohn eines deutschen Einwanderers und einer brasilianischen Wäscherin galt als Genie am Ball, dem weltweit als "Tiger", "Goldfuß" oder "König des Fußballs" gehuldigt wurde. Seine Spielkunst überwand soziale Schranken und rassistische Diskriminierung. Neben fußballerischen Pionierstücken wie dem Effetschuss werden ihm auch sagenhafte 1329 Treffer zugeschrieben. Diese Zahl veröffentlichte 1985 jedenfalls das "Guinness Buch der Rekorde" mit Berufung auf Daten der Fifa.

12 / 12

Reingemogelt in den wohl exklusivsten Zirkel der Fußballgeschichte hat sich als Fünfter der Brasilianer Romário. Der deklarierte seinen am 20. Mai 2007 für Vasco da Gama im Spiel gegen Sport Recife verwandelten Elfmeter (Foto) zum "milesimo gol". Ähnlich wie bei Pelé stockte auch Romários Torproduktion kurz vor Vollendung der Vierstelligkeit, so dass die große Zeitung "O Globo" schon genervt schlagzeilte: "Hau das Ding endlich rein!" Als Romário das gelungen war, hielt er noch auf dem Platz spontan eine Pressekonferenz ab, auf der er staatsmännisch erklärte: "Dies ist ein historischer Moment für den Weltfußball." Zahlreiche Experten, darunter auch die Statistiker des Weltfußballverbandes Fifa, bezweifeln das. Sie erkennen Romários virtuose Zählweise nicht an. Der Stürmer soll großzügig Tore aus Junioren-, Benefizspielen und Freizeitkicks eingerechnet haben. Neun angebliche Treffer aus seiner Zeit beim PSV Eindhoven sind nicht einmal im Archiv des Vereins auffindbar. Hinzu kommt ein Tor aus dem Meisterschaftsspiel 2005 gegen Figueirense, das anschließend im Zuge eines Schiedsrichter- und Wettskandals wieder annulliert wurde. Außerdem traf Romário 71-mal, bevor er einen anerkannten Profi-Vertrag in Brasilien unterschrieb.

Foto: Tasso Marcelo/ AP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?