Peter Müller Liberaler Saar-Fürst
Peter Müller trat mitunter forsch auf. Als er 1990 erstmals in den Saar-Landtag gewählt wurde, empfahl er seiner CDU schon kurz darauf die Erneuerung - und Kanzler Helmut Kohl schloss er dabei keineswegs aus. Schnell galt Müller neben dem Hessen Roland Koch, dem Niedersachsen Christian Wulff und dem Hamburger Ole von Beust als "junger Wilder" in der CDU. Er kritisierte die Sparpolitik der Regierung Kohl und wünschte sich als einer der ersten CDU-Politiker, dass Kohl Verantwortung für die Spendenaffäre der Partei übernimmt. Auf unserem Bild sitzt er im Jahr 1999 auf einer Pressekonferenz neben dem CDU-Vorsitzenden Wolfgang Schäuble - gerade hat er die Landtagswahl im Saarland gewonnen.
Müller profitierte 1999 von der Demission Oskar Lafontaines als Bundesfinanzminister. Das brachte dessen Heimatpartei an der Saar aus dem Wahlkampftakt, Müller ging mit 45,5 Prozent als knapper Sieger durchs Ziel (SPD: 44,4 Prozent). Im Jahr 2004 erreichte der heute 53-Jährige gar 47,5 Prozent. So wurde der Sieger von der Saar auch für die Bundes-CDU immer attraktiver.
Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel holte ihn im Wahlkampf 2005 in ihr Kompetenzteam, Müller war zuständig für die Themen Wirtschaft und Arbeit. Er wollte gern von Saarbrücken nach Berlin wechseln, doch die entsprechenden Ministerien gingen in der Großen Koalition an CSU und SPD. Im Saarland ist Müllers politischer Spielraum begrenzt, denn das kleinste deutsche Flächenland ist massiv verschuldet, zum Gestalten ist kaum noch Raum. In seiner Partei gilt Müller als Liberaler. So leitete er die CDU-Zuwanderungskommission, widersprach dem Begriff von der "Leitkultur" und erklärte Deutschland zum Einwanderungsland. Die Unterschriftenkampagne gegen den Doppelpass, die Koch und Schäuble 1999 initiierten, lehnte Müller ab. Schon früh bemühte er sich um ein ökologisches Profil für seine Partei und um ein besseres Verhältnis zu den Grünen. Dies könnte sich nach der Landtagswahl 2009 möglicherweise auszahlen, wenn Müller einen Koalitionspartner braucht.
Der Ministerpräsident gilt als leutselig, feiert gern auf der Kirmes. Bei aller Bodenständigkeit ist er schlagfertig und scharfzüngig. Schon Anfang der Neunziger lieferte er sich mit Lafontaine im Landtag hitzige Rededuelle. Müller arbeitete vor seiner Karriere in der Politik als Richter am Landgericht Saarbrücken.
Der CDU-Politiker spielt Klarinette, Skat und fährt regelmäßig Drachenboot auf der Saar. Müller ist verheiratet und hat drei Söhne. Einer seiner gern gebrauchten Sprüche: "Wer Kuchen backen will, muss auch Eier aufschlagen können." Zudem betont Müller bei Auftritten in anderen Bundesländern, er wolle mit seiner Person beweisen, dass es trotz seiner Landsmänner Lafontaine und Honecker auch noch "nette Saarländer" gebe.
Es ist nicht damit zu rechnen, dass Müller weiter mit absoluter Mehrheit an der Saar regieren kann. Gut möglich, dass die SPD mit Heiko Maas in einer rot-roten Koalition bald den Ministerpräsidenten stellt. Müller gilt manchen als amtsmüde, seine Bildungspolitik ist wegen der Verkürzung der Gymnasialzeit umstritten. Der von ihm organisierte Rückzug aus dem traditionellen Steinkohlebergbau dagegen dürfte ihm weniger Schwierigkeiten bereiten.