Picture-Discs Wenn Vinyl im Dunkeln glüht
Marilyn Monroe auf Picture-Disc: "Das berühmte Centerfold von Marilyn aus dem ersten Playboy von 1953. Da hat wohl jemand gedacht: 'Heißes Foto - hat die nicht auch gesungen?' Diese Picture-Disc war eine der ersten, die mit der Dritten großen Bildplatten-Welle Ende der Siebziger veröffentlicht wurde." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
"Learn To Dance The Rhumba": "Das Detroiter Label Vogue ist eines der beliebtesten unter Sammlern - und diese Kollektion, die 1946 erschien, ist das absolute Highlight des Vogue-Programms. Mit den zwei Picture-Discs in dieser Box, sollte man Rhumba lernen in vier Lektionen, eine auf jeder Seite. Auf der Rückseite der Box ist genau erklärt, wie der Herr und die Dame das Bein zu schwingen haben. Und mit den aus Pappe ausgestanzten Füßen in dem Set, konnte man sich die Schritte sogar auf's Parkett legen." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Die Ärzte - "Jazz ist anders": "Verrückt, oder? Bei der Platte links ist auf der einen Seite Belag und auf der anderen der Pizzaboden abgebildet. Die Mittlere sieht auf beiden Seiten aus wie ein Pizzaboden, sie ist also komplett ohne Belag. Und dann noch diese Tomaten-Single ... Das Ganze ist natürlich stilecht in einem Pizza-Karton verpackt. Dieses Vinyl-Set ist gerade erst vor ein paar Wochen erschienen." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Die singende Postkarte: "Dies ist eine Postkarte, die man auf den Plattenspieler legen und abspielen konnte, aus den sechziger Jahren. Schon 1904, 1905 wurde mit solchen Postkarten herumexperimentiert. Lange bevor es die erste Schellack-Bildplatte gab. Diese frühen Musik-Postkarten waren also ein Vorläufer der Picture-Disc. Die wurden eine Zeit lang sehr viel verschickt. Meist waren da Schlager aus dem jeweiligen Land drauf in dem man Urlaub machte. Als Verkaufsargument stand hinten oft drauf 'Bis zu hundert Mal abspielbar'. In der Regel waren die dünnen Pappscheiben aber durch den schweren Grammophon-Arm und die Stahlnadeln viel früher verkratzt." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
"Playola Phonograph": "Da haben sich die Erfinder wirklich was überlegt! Etwa 1948 erschien in Amerika dieses kleine Plastik-Grammophon für Kinder. Mit einer Handkurbel und direkter Übersetzung, so dass man beim Kurbeln nicht zu schnell und nicht zu langsam sein durfte. So konnten Kinder ihre kleine Pappplatten-Sammlung, die in hübsch verpackten Sets erschien, ganz ohne elektrischen Strom von Hand abspielen. Und weil Kinder natürlich auch mit ihrem Spielzeug spielen, gibt es nur noch ganz wenige von diesen kleinen Plattenspielern. Ein gut erhaltenes Exemplar mit Karton ist deshalb heute unter Sammlern um die 500 Euro wert." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Ray Parker Jr. - "Ghostbusters": "Eine sogenannte Shaped-Disc, also eine Platte, die nicht rund ist, zum 'Ghostbusters'-Film. Das Besondere an dieser ist, dass der Geist im Dunkeln leuchtet." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Abspielbare Serviette: "Dies ist eine 'Picture-Disc' im weitesten Sinne. Aber sie zeigt, wie weit es mit diesen Erfindungen gegangen ist, dass man sogar eine dünne abspielbare Folie auf Stoff aufbringen konnte. Ein ganz besonderes Stück meiner Kollektion. Ich sammle ja schon seit über dreißig Jahren und habe erst fünf oder sechs solcher Servietten gesehen." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Russ Meyer - "Faster, Pussycat! Kill! Kill!": "Ein Russ-Meyer-Soundtrack - davon gab es vier verschiedene. Die wurden in den Achtzigern von einer deutschen Firma produziert. Sehr schön ist das kleine Booklet, in dem Filmbilder zu sehen sind." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Bob Wills and his Texas Playboys - "The Greatest Hits Of Texas": "Sicherlich keine großartige Musik, aber eine originelle Platte. Bei Alben wie diesem geht es wohl eher darum, sie sich an die Wand zu hängen, als sie abzuspielen. Platten, die nicht rund sind, nennen sich übrigens 'Shaped-Discs'." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Platten-Aufnehmen für Jedermann: "An so genannten 'Coin Machines' konnte man jederzeit für 25 Cent eine Single aufnehmen. Der Text wurde in einen Hörer gesprochen oder gesungen, die Stimme wurde in Echtzeit auf die kleine Scheibe gebannt. Während des Zweiten Weltkriegs in den USA, war das ziemlich populär. Denn so konnten die Familien in der Heimat ihren Söhnen und Ehemännern an der Front Nachrichten zukommen lassen und umgekehrt. Ich habe einige Platten, auf denen GIs ihren Familien Dinge erzählen wie 'Hi Mama, ich kann diese Weihnachten leider nicht nach Hause kommen. Ich hoffe, es geht euch allen gut und ihr seid gesund.'" - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Joy Division - "Interview Disc": "Anfang, Mitte der Achtziger kamen viele solcher Interview-Picture-Discs aus England. Das war eine Phase, in der die meisten Sammler angefangen haben, sich zu spezialisieren, weil so viel herauskam, dass man einfach nicht mehr alles sammeln konnte. Eine Interview-Platte wie diese war also eher was für Fans der Band." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
"Look & Listen": "Diese Papp-Bögen kamen 1956 raus und waren noch für's Grammophon. Wahrscheinlich eine der letzten Sachen, die noch für das alte Absppielgerät hergestellt wurden. Die kleinen Platten konnte man an der gestrichelten Linie entlang auseinander schneiden, das Loch in der Mitte rausdrücken und dann kleine Geschichten und Tierstimmen anhören." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Picture-Discs vom amerikanischen Label Vogue: "Sechzig oder siebzig Picture-Discs brachte das Label Vogue zwischen 1946 und 1947, also kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, heraus. Das besondere an diesen Platten war, dass sie nicht aus Schellack oder Pappe waren, wie zu dieser Zeit eigentlich üblich, sondern aus durchsichtigem Plastik mit Bildern aus Papier darunter und einer Aluminiumscheibe in der Mitte. Dadurch waren sie nicht nur weitaus widerstandsfähiger als die zerbrechlichen Schellack-Platten, sie gelten heute auch als Vorläufer des Vinyl-Albums. Erfunden wurden diese neuartigen Scheiben von dem gerade 25 Jahre alten Tom Saffady, der als Waffenhändler zu Geld gekommen ist und bereits über hundert mehr oder minder erfolgreiche Erfindungen mit Plastik gemacht hatte. Darunter zum Beispiel den Plastik-Bierflaschenverschluss." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
"Unterwegs zum Documenta": "Ein ganz neues Mitbringsel. Diese Platte habe ich von der Documenta im letzten Jahr. Mit 25 Euro nicht gerade billig, aber ich fand die Formulierung 'Unterwegs zum Documenta' so skurril, dass ich sie einfach mitnehmen musste." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
"Magic Mirror Movies": "Die Bildplatten der 'Magic Mirror Movies'-Serie haben mich eine längere Zeit ganz schön ins Grübeln gebracht. Da hatte ich nur eine dieser kleinen Pappscheiben mit dem Blechrand und fragte mich, warum dieses Bild da drauf ist. Erst bei einem kleinen Treffen von Grammophon-Spezialisten, habe ich herausgefunden, dass man so ein kleines Spiegelkarussel braucht. Während die Platten allerdings mit 10 bis 40 Euro das Stück recht günstig sind, kostete dieser Aufsatz für das Grammophon damals schon 100 Mark und kostet heute über 150 Euro. Als ich ihn aber das erste Mal zusammen mit einer dieser Platten auf den Spieler legte, hatte es sich schon gelohnt. Denn dreht sich der Plattenteller und die einzelnen Figuren auf der Platte werden im Spiegel zu einem kleinen Kintop-Film. Eine ganz besondere Erfindung." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
"Raum für Ihre Werbung": "Diese Schallplatte ist von einer norddeutschen Firma, die in den achtziger Jahren für größere Unternehmen Werbeplatten hergestellt hat. Picture-Discs mit Werbemotiven waren damals keine Seltenheit. Sie wurden oft an gute Kunden oder Mitarbeiter verschenkt. Im freien Handel waren sie allerdings kaum erhältlich, deshalb sind manche dieser Stücke heute unter Sammlern sehr begehrt." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Elvis - "The Legend": "Das hier ist nicht das Cover der Platte, sondern die Picture-Disc selbst. Die ist tatsächlich quadratisch mit abgerundeten Ecken. Eine Elvis-Interview-Platte von 1984 oder 1985. Sie ist aus Pappe, hauptsächlich weil das viel schneller und günstiger zu produzieren war als Vinyl-Schallplatten. Es ist einfach ein einseitig bedruckter Karton, auf den dann eine Plastikfolie geklebt wurde - nicht einmal die Rückseite ist bespielt." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Roosevelt auf Picture-Disc: "Es gab natürlich auch politische Platten. Das hier ist eine Ansprache von Roosevelt, die auf Papp-Platten in mehreren Teilen erschien. Sie kamen in den vierziger Jahren heraus und es geht um die Kriegserklärung gegen Deutschland. Auch im Dritten Reich sind natürlich viele Picture-Discs gepresst worden. Am Anfang war es noch unverfängliche Wald- und Wiesenmusik, danach kamen Märsche und schließlich Hitler-Reden. Diese Platten wurden massenhaft unter dem Volk verteilt, sind heute aber sehr rar, da natürlich nach dem Krieg alles beseitigt wurde, wo ein Hakenkreuz drauf war." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
"Rover The Strongman": "Das sind sogenannte 78er-Platten. Sie liefen mit 78 Umdrehungen pro Minute auf einem Grammophon, während die Vinyl-Schallplatten von heute mit 33 oder 45 Umdrehungen abgespielt werden. Diese Platten sind aus dicker Pappe und wurden 1948 von der amerikanischen Firma Voco hergestellt. Auf jeder Seite ist ein kleines Musikstück für Kinder drauf. Ich bin Ende der Achtziger über eine Anzeige an sie herangekommen, die ich in einem amerikanischen Fachblatt geschaltet habe. Dann kamen ein paar Briefe mit Angeboten - Internet gab es damals ja noch nicht - und ich verstand erst gar nicht, was für Platten das sein sollten. Als sie dann aber da waren, habe ich mich sehr gefreut." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
1000-Mark-Musik: "Ein abspielbarer 1000-Mark-Schein - sehr originell. Ich weiß aber wirklich nicht, wer den gemacht hat. Vielleicht eine Bank." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Rock'n'Roll-Collection: "Dies sind drei Singles aus einem Mitte der Achtziger erschienenen Set von zwölf Rock'n'Roll-Platten. Darunter jeweils eine Picture-Disc mit zwei Songs von Stars wie Buddy Holly, Fats Domino oder Chuck Berry. Die Titel sind dabei immer auf der Vorderseite, denn die Rückseite dieser Papp-Singles ist nicht abspielbar." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Madonna - "Music": "Eine schöne Maxi, die in England gepresst wurde. Da ich aber hauptsächlich Picture-Records, also Platten vor dem Vinyl-Zeitalter, sammle, ist das eher ein Tauschobjekt für mich." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Robert Johnson: "Das ist natürlich ein Schmuckstück. Quasi von Sammlern für Sammler gemacht. Diese Platte wurde von dem berühmten Comic-Zeichner Robert Crumb gestaltet. Auf der einen Seite ist ein Portait von Robert Johnson, die andere sieht aus wie eine alte Schellack-Platte aus den Dreißigern. Robert Crumb ist nämlich nicht nur Comic-Zeichner, sondern auch Schellack-Sammler und Jazz-Musiker. Ich habe ihn Anfang der Neunziger auf einer Party in Frankreich getroffen. Die wurde von zwei befreundeten Schellack-Archivaren ausgerichtet. Dort hat Crumb nicht nur Banjo mit einer Jazz-Band gespielt, sondern wurde auch gefragt, ob er diese Platte gestalten möchte. Er hat 'Ja' gesagt - bis die Artworks von ihm dann fertig waren, hat es aber nochmal vier oder fünf Jahre gedauert." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Punk-Sampler - "Medusa": "Ein absoluter Meilenstein der Picture-Disc-Geschichte! Eigentlich ist es nur ein Punk-Sampler vom Sofa-Label aus England. Was diese Platte aber so besonders macht, ist die aufwändige Herstellung: Es wurden nämlich eigentlich zwei Schallplatten aus durchsichtigem Vinyl gepresst. Dann wurde zwischen die beiden Scheiben bedrucktes Papier und Glanzfolie gelegt und alles wurde von Hand zusammengeklebt. Die Punkte am Rand und einige der Schlangen leuchten sogar im Dunkeln. Aufgrund der hohen Herstellungskosten verkaufte sich der Sampler bei seiner Veröffentlichung allerdings extrem schlecht. Dafür ist die "Medusa"-Picture-Disc heute unter Sammlern eine echte Ikone und heiß begehrt." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
W. C. Fields auf Picture-Disc: "Diese Platte ist bei dem amerikanischen Label Mark 56 Ende der Siebziger erschienen. Ein sehr begehrtes Label unter Sammlern, das nur 25 oder 30 Picture-Discs veröffentlicht hat. Für diese werden aber unter Sammlern mitunter 150 bis 200 Euro pro Stück bezahlt. Sie sind die Mercedes-Sterne unter den Bildplatten." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Morse-Kurs auf Picture-Disc: "Diese beiden Papp-Platten gehören zu einem Set von sechs. Sie wurden in den Dreißigern in Frankreich gemacht. Mit ihnen konnte man in zwölf Lektionen das Morsealphabet erlernen. Aus heutiger Sicht klingt das merkwürdig. Aber damals war Morsen so neu und interessant wie SMS schreiben vor zehn Jahren." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Magic Talking Books - "The Magic ABC Book": "Dieses Bilderbuch von 1950 ist aus richtig dicker Pappe. Kinder konnten darin lesen und das Alphabet lernen - und wenn sie keine Lust mehr hatten, legten sie es einfach auf das Grammophon und spielten das Musikstück auf dem Cover ab." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
National Lampoon - "If You Don't Buy This Record ...": "Das ist eine Werbe-Platte für das amerikanische Satire-Magazin National Lampoon. Ich musste die Platte einfach kaufen, sonst erschießen sie ja den armen Hund." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Lüneburg auf Picture-Disc: "Ein unscheinbarer Höhepunkt der Picture-Record-Geschichte. Dies ist die einzige Picture-Schellack-Platte, die jemals in Deutschland erschienen ist. Es ist eine Werbe-Platte für die Stadt Lüneburg. Sie wurde erst 1956 gepresst, als das Grammophon bereits langsam vom Plattenspieler verdrängt wurde." - Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler
Peter Bastine, Picture-Disc-Sammler: Seit Ende der siebziger Jahre sammelt Peter Bastine Picture-Discs. Rund 17.000 Bildplatten besitzt er mittlerweile - eine der größten Kollektionen der Welt. Hier trägt der Kenner ein Shirt mit einer Schellack-Schallplatte des legendären Labels Vogue drauf. Darunter der Schriftzug "I buy Vogue picture records", der ihn auf großen Schallplatten-Börsen wie der "Austin Record Convention" in den USA als Sammler outet.