Piloten im Zweiten Weltkrieg - DER SPIEGEL
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Piloten im Zweiten Weltkrieg Verirrt über den Wolken

Landkarte, Kompass und der Sternenhimmel: Piloten im Zweiten Weltkrieg hatten kein GPS und navigierten ihre Flugzeuge wie Seemänner im Mittelalter. Sie hielten das schweizerische Zürich wahlweise für Pforzheim, München oder Straßburg - oder landeten mit Hitlers geheimen Kriegsplänen im belgischen Acker. Von Ariane Stürmer
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Zerschellter Bomber: Die Piloten hatten sich verflogen und der Sprit war ihnen ausgegangen - nur so lässt sich erklären, dass der britische Wellington-Bomber in den frühen Morgenstunden des 12. August 1942 an der Philippshöhe direkt hinter dem Hagener Hauptbahnhof zerschellte und nicht in Flammen aufging. Der Historiker und Leiter des Historischen Centrums Hagen, Ralf Blank, hat den Fall erforscht: So war die neuseeländische Besatzung in dem britischen Bomber vermutlich nach einem nächtlichen Angriff auf Mainz auf dem Heimweg, als sie sich verflog. Da der Sprit knapp wurde, versuchte der Pilot offenbar, Flugzeug und Besatzung zumindest vor einem Absturz in Deutschland zu bewahren und war, so Blank, dem Verlauf der Ruhr gefolgt, um Richtung Westen zu fliegen. Allerdings bog der Pilot an einer Flussgabelung ab und folgte statt der Ruhr der Volme. Als dann der Sprit ausging, zerschellte das Flugzeug. Alle fünf Besatzungsmitglieder starben.

Foto: Historisches Centrum Hagen
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Bruchlandung: Als Helmut Reinberger am 10. Januar 1940 in die Messerschmitt Me-108 stieg, hätte er wohl kaum damit gerechnet, wenig später statt in Köln in einem belgischen Acker zu landen. Pikant: Reinberger hatte geheime Pläne für Hitlers geplanten Westfeldzug dabei, die den Alliierten nur deshalb in die Hände fielen, weil sich der Pilot der kleinen Maschine, Erich Hönmanns, verflogen hatte.

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Adolf-Hitler-Straße in Freiburg: In den dreißiger Jahren war Freiburg wie ganz Deutschland in der Hand der Nazis. Auf der Adolf-Hitler-Straße (heute Kaiser-Josef-Straße) zeigte die Stadt Flagge. Am 10. Mai 1940 wurde der Ort von deutschen Piloten bombardiert, die sich verflogen hatten und eigentlich das französische Städtchen Tavaux hätten avisieren sollen - 250 Kilometer entfernt bei Dijon. Freiburg wurde zum Synonym für Kriegspropaganda. Deutschland behauptete, der Angriff sei von Franzosen geflogen worden und rechtfertigte damit seinerseits Bombardierungen des Nachbarstaates. Frankreich wies die Vorwürfe zurück, England nutzte das deutsche Versehen für seine Zwecke: Die Deutschen seien Barbaren, weil sie für eine anti-französische Propaganda den Tod der eigenen Zivilisten in Kauf nehmen würden.

Foto: Stadtarchiv Freiburg
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Bomben-Träger: Englische und amerikanische Bomberpiloten verflogen sich in den Kriegsjahren immer wieder in die neutrale Schweiz und luden auch über Zürich ihre Fracht ab. Das Foto zeigt britische Soldaten beim Beladen eines Lancaster-Bombers im Mai 1944.

Foto: Getty Images
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Swing-Legende: Dichter Nebel, ein Flugfehler seines Piloten und fallende Bomben wurden dem Musiker Glenn Miller am 15. Dezember 1944 zum Verhängnis. Auf dem Weg von England nach Paris geriet Miller mit seiner kleinen Maschine versehentlich in einen Bombenteppich englischer Lancaster-Flieger. Das Flugzeug, Miller und sein Pilot wurden nie gefunden. Das Foto ist eine Aufnahme vom 10. März 1940.

Foto: AP
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Offensive: Mit der Heinkel He 111 lösten deutsche Piloten in der Nacht vom 24. zum 25. August 1940 den Bomben-Terrorkrieg aus. Weil die Sicht wegen des Wetters und der Dunkelheit schlecht war, verwechselten die Männer die strategischen Ziele Thames Haven und Rochester mit der Londoner Innenstadt und bombardierten gegen Hitlers Befehl die englische Hauptstadt. Das Bild zeigt eine Heinkel He 111 über einem britischen Geleitzug.

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Falsches Ziel: Die neutrale Schweiz wurde gleich mehrfach von den Bomben verirrter alliierter Piloten getroffen. Den schwersten Angriff flogen am 1. April 1944 amerikanische Piloten, die dachten, eine deutsche Stadt zu bombardieren. Mehr als 370 Brand- und Sprengbomben schlugen ein und töteten 49 Menschen. Im zweiten Weltkrieg starben insgesamt 84 Schweizer durch die Bombardements verirrter Piloten auf heimischem Boden. Die Bilder zeigen Schaffhausen unmittelbar nach den Angriffen.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Bayerische Staatsbibliothek
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Moldaumetropole: Prag, hier der Blick vom Laurenziberg auf die Altstadt um 1939, wurde wie die Schweiz mehrmals versehentlich bombardiert, weil amerikanische und englische Piloten die Stadt für Dresden hielten. Die Städte und der Flusslauf von Elbe und Moldau ähnelten sich aus der Luft betrachtet.

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Bombenkrieg: Der 17. Februar 1943 hat es in die Geschichtsbücher des kleinen Ortes Gonnosfanadiga auf Sardinien geschafft. An jenem Tag verflogen sich einige amerikanische Piloten der 310. Bombardment Group um ein Tal und warfen ihre Bomben ab. Bestimmt waren sie für den von Deutschen und Italienern genutzten Flugplatz Villacidro. Die historische Aufnahme zeigt einen Verband von B-17 "Flying Fortress" der 8. US-Luftflotte.

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Geheimwaffe: Als die Schweizer Luftabwehr am 28. April 1944 eine verirrte deutsche Messerschmitt zur Landung auf dem Dübendorfer Flughafen zwangen, wusste sie noch nicht, was ihnen da ins Netz gegangen war. Die Me 110 G-4 hatte einen britischen Bomber angegriffen und sich dabei in den Schweizer Luftraum verflogen. Die Messerschmitt ist mit dem sogenannten "Lichtenstein-Radar" ausgestattet, einer geheimen Technik, die es den Deutschen ermöglichte, feindliche Maschinen nachts aufzuspüren. Der in Dübendorf gelandete Jäger hatte vier nach vorne gerichtete Geschütze und schräg nach oben schießende Bordkanonen. Das ermöglichte es den Deutschen, alliierte Flugzeuge anzugreifen, ohne in das Sichtfeld der Piloten zu geraten.

Nachtrag 6.10.2008: Das Foto zeigt eine Tagjäger-Variante einer Me-110 von 1941. Ein Nachtjäger hat im Gegensatz dazu nach vorne (und nicht wie ursprünglich angegeben: zur Seite) gerichtete Geschütze.

Foto: AP
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Jagdflieger II. Weltkrieg - Heute: Das Foto zeigt (v.l.n.r.) Major a.D. Hans-Ekkehard BOB, ehemaliger Staffelkapitän im JG 54 "Grünherz" sowie den Autor, Jörg Wingefeld. Hans-Ekkehard Bob blickt auf eine legendäre Fliegerkarriere zurück und ist noch heute im Alter von 92 Jahren im Besitz einer Fluglizenz. Er dürfte damit der älteste Flugzeugführer Deutschlands sein.

Foto: Jörg Wingefeld
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Fliegerlegenden: Das Bild zeigt (v.l.n.r.) die Fliegerasse Major a.D. Hans-Ekkehard Bob, Oberst a.D. Hajo Herrmann sowie den Autor Jörg Wingefeld auf dem Fliegertreffer der Traditionsgemeinschaft des Jagdgeschwaders 52.

Hans-Ekkahard Bob, mit fast 93 Jahren der älteste Flugzeugführer Deutschlands, ließ es sich auch dieses Mal nicht nehmen den Flug von Freiburg nach Ebern-Sendelbach als verantwortlicher Flugzeugführer mit seiner "Jodel" selbst durchzuführen.

Foto: Jörg Wingefeld
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