Postraketen - DER SPIEGEL
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Postraketen Schöne Grüße aus dem Himmel

Express-Zustellung! Anfang der dreißiger Jahre verfolgte eine handvoll Tüftler eine irre Idee. Sie wollten Briefe nicht per Bahn oder Bote, sondern mit Raketen zustellen. Das verrückteste daran: Es funktionierte sogar - auch wenn die Technik manchmal Leben kostete.
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Startklar: Reinhold Tiling stellt zum "1. Osnabrücker Raketenflugtag" am 21. August 1932 seine Schwenkflügelrakete auf dem Flugplatz Osnabrück-Atterheide vor.

Foto: Sammlung Martin Frauenheim
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Letzte Vorbereitungen: Mit ein paar letzten Handgriffen bereitet Reinhold Tiling eine seiner Raketen auf ihren Start vor. Tiling verwendete keine Fallschirme, um die hohe Geschwindigkeit einer Rakete sicher abzubremsen. Er favorisierte ein anderes Konstrukt: Damit seine Raketen während des Fluges nicht durch die Luft schlingerten, sondern in gerader Bahn dahin schossen, verlängerte er den Raketenzylinder um die doppelte Länge mit langgezogenen Tragflächen, die die Rakete stabilisierten. Sobald das Geschoss über seinem Ziel war, klappten die Tragflächen seitlich um, und die Rakete trudelte um ihre eigene Achse rotierend kopfüber zu Boden.

Foto: Sammlung Martin Frauenheim
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Explosives Geschoss: Nicht alle Flüge gelangen - mit einem riesigen Knall explodierte diese Rakete von Reinhold Tiling nach dem Start.

Foto: Sammlung Martin Frauenheim
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Post aus der Rakete: Am 15. April 1931 war es endlich soweit, Reinhold Tiling startete nahe Osnabrück vor Publikum seine erste Postrakete. Mit an Bord waren einige Postkarten, mit denen das Prinzip der Postbeförderung per Rakete vorgeführt werden sollte.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 102-11542

Foto: Das Bundesarchiv/Georg Pahl
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Die Tiling-Marke: Die Post von Paraguay veröffentlichte eine Briefmarkenserie zu Pionieren der Raketentechnik, darunter auch diese mit einem Portrait von Reinhold Tiling.

Foto: Sammlung Martin Frauenheim
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Die Postrakete: Dieses Modell verdeutlich die von Tiling angewandte Bremstechnik. Kein...

Foto: Sammlung Martin Frauenheim
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...Fallschirm verlangsamte den Flug, sondern ein Klappmechanismus, der die Leitbleche zu Rotorblättern umlegte. Die Rakete trudelte dann langsam zu Boden.

Foto: Sammlung Martin Frauenheim
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Raketenpost: Mit seiner Idee von der Raketenpost wollte Reinhold Tiling beispielsweise die ostfrisischen Inseln schnell und einfach beliefern.

Foto: Sammlung Martin Frauenheim
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Großes Interesse: Wenn Reinhold Tiling eine seiner Raketen startete, waren üblicherweise die Presse und viele Schaulustige anwesend, um das Spektakel mitzuverfolgen.

Foto: Sammlung Martin Frauenheim
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Immer gen Himmel: "Senkrecht schießt die Rakete empor, hoch, immer höher scheint sie sich in die blaue Himmelskuppe bohren zu wollen. So steigt sie ca. 1500 bis 1800 Meter hoch", schrieb der Protokollant zu Reinhold Tilings erstem Postraketenstart am 15. April 1931.

Foto: Sammlung Martin Frauenheim
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Explosiver Treibstoff: Für seine Raketenstarts experimentierte Reinhold Tiling mit Sprengstoff, was ihm schließlich zum Verhängnis wurde. Am 10. Oktober 1933 starb er bei einer Explosion, als er eine seiner Raketen mit dem Pulver-Treibstoff befüllen wollte.

Foto: Sammlung Martin Frauenheim
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Werbung für den Raketenstart: Ein Plakat wirbt für den Start von Reinhold Tiligs Postrakete am 21. August 1932 auf dem Flugplatz Atterheide bei Osnabrück.

Foto: Sammlung Martin Frauenheim
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Friedrich Schmiedl: Der Österreicher hatte bereits als 13-jähriger Schüler seine erste Rakete konstruiert. Er war davon überzeugt, dass Raketen das Transportmittel der Zukunft sein würden. In einem Beitrag für die Münchner Neuesten Nachrichten aus dem Januar 1932 schrieb Schmiedl, der "rapid anwachsende Fremdenverkehr und Bergsport in unseren Gebirgsgegenden" mache einen "raschen Postanschluss vieler Schutzhütten und Berghotels" zu einem "immer dringender werdenden Bedürfnis". Schmiedl hatte zu diesem Zeitpunkt laut seines Biografen Karl Trobas bereits Tausende Raketen konstruiert, gebaut und abgeschossen. Hunderte Briefe waren aus schwer erreichbaren Tälern zum nächsten Postamt geflogen, die Presse berichtete regelmäßig über seine Starts.

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Bemannter Flug: Friedrich Schmiedls Postrakete beförderte sogar Passagiere. Um die Auswirkungen des Schubs auf lebende Organismen zu testen, ließ er einige Käfer und Schmetterlinge in einer Kapsel mitfliegen - sie überlebten alle.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?