Präsidentensuche Wer wird Chef der Uni Hamburg?
Im Sommer hatte die Uni Hamburg ihre Präsidentin Monika Auweter-Kurtz mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt - jetzt sucht sie einen Nachfolger. Favorit scheint Dieter Lenzen zu sein, doch für den wird nun eine alte Affäre zum Problem. mehr...
Lenzen, Präsident der FU Berlin, hatte 2007 verhindert, dass Albert Scharenberg eine Juniorprofessur erhielt. Während die Berufungskommission Scharenberg für den besten Kandidaten hielt, entschied sich Lenzen gegen ihn. Begründung: Er sei nicht hinreichend qualifiziert und zudem zu alt.
Dass daran die Berufung eines sonst angesehenen Wissenschaftlers scheitern sollte, mochten Professoren aus aller Welt nicht glauben. Scharenberg selbst fragte, warum das "fachfremde Uni-Präsidium" eigentlich glaube, das besser beurteilen zu können als das Fachgremium, also die Berufungskommission. Eine präzise Antwort erhielt er nicht.
Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) hat nun offenbar die von Lenzen getroffene Entscheidung in der "Causa Scharenberg" - und das zweite Berufungsverfahren - verworfen.
Lenzen ist der heißeste Kandidat für das Präsidentenamt an der Universität Hamburg, einer Hochschule mit Sanierungsstau und gut eingespielten Seilschaften, die schon ...
... die frühere Präsidentin Monika Auweter-Kurtz zu Fall brachten. In Berlin ...
... hat Lenzen 2003 angefangen, zuvor war der Professor für Erziehungswissenschaften an der Uni in Münster. 2007 holte Lenzen mit der Uni einen der begehrten Elite-Titel für die FU in der Exzellenzinitiative.
Für Lenzens Stil steht symbolisch der von Sir Norman Foster gestaltete Neubau der Philologischen Bibliothek in Berlin-Dahlem: Klare Kante, großer Auftritt, doch das ist nicht nach jedermanns Geschmack.
Elite, Hochschulmanagement und Führungsstärke sind Reizwörter für viele Studenten an der FU Berlin. Sie gründeten die Initiative "Dieter Lenzen - Not My President!", ...
... der sich mittlerweile auch Hamburger Studenten angeschlossen haben. Am Donnerstag protestierten sie vor der öffentlichen Sitzung des Akademischen Rats gegen Kandidat Lenzen, mit einem immer wieder gern genommenen Symbol: In einem Trauerzug trugen sie die "akademische Freiheit" zu Grabe.
In einem "Dossier" hatten die Studenten Lenzen als einen diktatorischen Manager dagestellt, der Menschen allein nach ihrer Leistung bewerte und fürs Präsidentenamt ungeeignet sei. In Hamburg hätte Lenzen viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Bisher halten sich alle bedeckt, was einen möglichen Wechsel Lenzens angeht.