Presse der Wendejahre - DER SPIEGEL
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Presse der Wendejahre West-Zeitung am Ost-Kiosk

Pressefreiheit selbst gemacht: Am 20. Februar 1990 verkauften 55 Ost-Berliner Händler den "Tagesspiegel" als erste Zeitung aus dem Westen. Adriano Coco stellte damals die Weichen für den Veröffentlichungs-Coup. Da keine DDR-Behörde ihr Okay geben wollte, lieferten Taxifahrer die Zeitungen aus - ohne Genehmigung.
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Der "Tagesspiegel" vom 20. Februar 1990: Erstmals wurde die West-Berliner Tageszeitung an diesem Tag auch in Ost-Berlin verkauft. In einem Kasten auf dem Titel werden die neuen Leser begrüßt.

Foto: Adriano Coco
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Potsdamer Straße: Vom damaligen Verlagshaus des "Tagesspiegels" an der Potsdamer Straße starteten im Februar 1990 die ersten Vertriebslaster nach Marzahn im Ostteil der Stadt. Seit Oktober 2009 sitzt der "Tagesspiegel" am Askanischen Platz in Kreuzberg. Das Verlagsgebäude wird heute anderweitig verwendet.

Foto: Adriano Coco
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Redaktionssitz: Ehemaliges "Tagesspiegel"-Gebäude an der Potsdamer Straße, aufgenommen im März 2009.

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Händlerschürze: Das erste Werbeplakat für die Ost-Händler

Foto: Adriano Coco
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Invalidenstraße in Berlin: An dieser Stelle befand sich ein Grenzübergang zwischen BRD und DDR. Am 20. Februar 1990 ließen die Mauerwächter 15.900 "Tagesspiegel"-Exemplare passieren. Das Gebäude links ist heute Sitz des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

Foto: Adriano Coco
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Hackesche Höfe: Die damals in den Hackeschen Höfen residierende Industrie- und Handelskammer zeigte sich von ihrer unbürokratischen Seite und übergab Adriano Coco eine Liste aller privater Einzelhändler Ost-Berlins. Die Fensteraugen waren 1990 noch stumpf, der Gebäudekomplex wirkte düster.

Foto: Adriano Coco
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Empfehlungsschreiben: Mit diesem höflichen Empfehlungsschreiben des "Tagesspiegels" im Gepäck passierte Adriano Coco die DDR-Grenze, um Vertriebspartner zu finden.

Foto: Adriano Coco
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Umladeplatz: Auf diesem Grundstück im Parkerweg in Marzahn wurden die "Tagesspiegel"-Exemplare in Taxis umgeladen und an 55 private Ost-Berliner Einzelhändler ausgeliefert.

Foto: Adriano Coco
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Berliner Allee in Weißensee: Spielzeughändlerin Brunhilde Wille, die hier an der Berliner Allee in Weißensee ihr Geschäft betrieb, sagte als Erste ja zum "Tagesspiegel"-Verkauf.

Foto: Adriano Coco
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Postministerium war Zensurbehörde: Im ehemaligen DDR-Postministerium an der Leipziger Straße, in dem heute das Kommunikationsmuseum beherbergt ist, war keine Vertriebslizenz für den "Tagesspiegel" zu erhalten.

Foto: Adriano Coco
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Französische Kirche in Potsdam: Den Ost-Vertriebserlös wollte der "Tagesspiegel" für den Wiederaufbau der Französischen Kirche in Potsdam spenden. 1999 wurde die Kuppelkirche von der Stiftung Denkmalschutz restauriert.

Foto: Adriano Coco
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Rotes Rathaus in Berlin-Mitte: Der Magistrat von Ost-Berlin genehmigte zwar die Einfuhr von Bananen und Jeans, für den "Tagesspiegel" fühlte er sich jedoch nicht zuständig.

Foto: Adriano Coco
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Hotel de Rome: Das heutige Luxushotel am August-Bebel-Platz war früher Sitz des Berliner Stadtkontors. Dort existierte noch ein "Tagesspiegel"-Konto von 1948. Einst residierte hier die Dresdner Bank, links im Bild ist die St.-Hedwigs-Kathedrale zu sehen.

Foto: Adriano Coco
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Ministerium für Arbeit und Soziales: 1990 war in diesem Gebäude an der Mauerstraße noch das DDR-Informationsamt untergebracht. Hier signalisierte der plaudernde Vize-Regierungssprecher Ralf Bachmann grünes Licht für eine Auslieferung des "Tagesspiegels" ohne Lizenz.

Foto: Adriano Coco
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Ministerium für Arbeit und Soziales - Eingang Mauerstraße: Die drei dunklen Türöffnungen waren 1990 Haupteingang zum Presse- und Informationsdienst der DDR. 1933 erbaut, war das Haus einst Sitz von Propagandaminister Goebbels.

Foto: Adriano Coco
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Schadowstraße in Berlin-Mitte: Vom damaligen Büro des DDR-Korrespondenten des "Tagesspiegels" an der Schadowstraße wurde der erste Ost-Vertrieb dirigiert. Vermieter war das stasi-gelenkte Dienstleistungsamt. Im Festsaal des Bürokomplexes gab der "Tagesspiegel" als neuer Ankömmling auf dem Ost-Berliner Zeitungsmarkt einen Empfang für Ost und West.

Foto: Adriano Coco
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Klobiges Mobiltelefon: Mit diesem Philips-"Handy" meldete Adriano Coco seinen Verkaufserfolg dem "Tagesspiegel"-Verlag. Es war handlich wie ein Paket Brikettkohlen, ersetzte aber die fehlenden Leitungen zwischen Ost- und West-Berlin.

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Händlerliste: Aushang mit den Adressen der 55 privaten Ost-Berliner Einzelhändler, die den "Tagesspiegel" vom 20. Februar 1990 verkauften.

Foto: Adriano Coco
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Die Nummer eins im Osten: Als erster parteiunabhängiger westlicher Verlag erhielt der "Tagesspiegel" am 13. März 1990 eine Vertriebsgenehmigung für die DDR. Die Genehmigung trug die Registrier-Nr. V 00 001 und wurde ausgestellt vom Presse- und Informationsamt der DDR. Auch ohne Genehmigung klappte der Vertrieb aber bereits seit 20. Februar wie geschmiert.

Foto: Adriano Coco
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Palais am Stadtkanal in Potsdam: Wo bleibt der "Tagesspiegel"? Das fragte sich Post-Vertriebschef Miegel in der ehemaligen DDR-Postdirektion für die Bezirke Potsdam, Frankfurt/Oder und Cottbus. Denn der Brandenburger hatte im Gegensatz zu seinen Berliner Vorgesetzten mit dem "Spandauer Volksblatt" bereits eine Westzeitung in den Postvertrieb aufgenommen. Und weil er kurz zuvor geladener Gast beim "Tagesspiegel"-Empfang anlässlich der Ankunft auf dem DDR-Zeitungsmarkt war, vermisste er nun den Vertriebsantrag des "Tagesspiegels". Der sympathische Unbürokrat schaffte es dann sogar noch an einem späten Freitagabend, den "Tagesspiegel" in der Sonntagstour für alle Brandenburger Bahnhöfe unterzubringen - zum selben Starttermin wie das "Spandauer Volksblatt": Am 25. Februar 1990.

Foto: Adriano Coco
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