Pressefreiheit - DER SPIEGEL
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Pressefreiheit Gift und Galle

Da sahen die Genossen richtig rot: Als die SED-Oberen Anfang 1978 im SPIEGEL ein "Manifest der Opposition" aus den eigenen Reihen lesen mussten, zogen sie die Reißleine. Ex-Korrespondent Ulrich Schwarz erinnert sich an den Eklat um die Schließung des Ost-Berliner SPIEGEL-Büros vor 30 Jahren.
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SPIEGEL-Korrespondent Schwarz: Das SPIEGEL-Büro an der Ost-Berliner Lenin-Allee, von dem aus Ulrich Schwarz (hier mit Sekretärin Gisela Krüger) über die Zustände im anderen Deutschland berichtete, wurde von der SED Anfang 1978 geschlossen, nachdem der SPIEGEL über das "Manifest der Opposition" eines bis dahin unbekannten "Bundes deutscher Kommunisten" in der DDR berichtet hatte.

Foto: Klaus Mehner
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Hermann von Berg: Der Historiker und Wirtschaftsfachmann Hermann von Berg, zeitweise Berater von DDR-Ministerpräsident Willi Stoph, war der Kopf hinter dem "Manifest der Opposition" des ominösen "Bund deutscher Kommunisten". Er war es, der SPIEGEL-Korrespondent Ulrich Schwarz bei einem Waldspaziergang fragte, ob das Hamburger Nachrichtenmagazin das Manifest veröffentlichen würde. Nachdem es Anfang 1978 im SPIEGEL publiziert worden war, wurde Berg verhaftet, später aber wieder freigelassen. 1986 durfte er in die Bundesrepublik ausreisen - hier schaut er am Tag seiner Übersiedlung aus dem Abteilfenster eines Zuges auf dem Bahnhof Wolfsburg.

Foto: Klaus Mehner
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SPIEGEL Redaktionsvertretung: Schild der Redaktionsvertretung des SPIEGEL in der DDR 1978.

Foto: Monika Zucht
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Der Auszug: Nachdem der SPIEGEL am 9. Januar 1978 den zweiten Teil des "Manifests einer SED-internen Opposition" veröffentlicht hatte, musste die Ost-Berliner Redaktionsvertretung ihr Büro räumen.

Foto: Monika Zucht
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Räumung des SPIEGEL-Büros: Unter Polizeiaufsicht wird das SPIEGEL-Büro in Ost-Berlin am 12. Januar 1978 geräumt.

Foto: Monika Zucht
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Auszug aus dem DDR-Büro: Nach der Schließung des Ost-Berliner SPIEGEL-Büros im Januar 1978 wird ein Umzugslaster mit Mobiliar beladen. Das DDR-Außenministerium hatte sich nach der Veröffentlichung der SED-Kritik im SPIEGEL veranlasst gesehen, die Genehmigung für ein SPIEGEL-Redaktionsvertretung zu widerrufen - mit sofortiger Wirkung.

Foto: Monika Zucht
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Mit vereinten Kräften: Kinder schauen zu, wie die gesamte Büro-Einrichtung der SPIEGEL-Redaktionsvertretung in Ost-Berlin in einem Lkw verstaut wird.

Foto: Monika Zucht
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Stasi-Dokument über Ulrich Schwarz: Das Ministerium für Staatssicherheit in der DDR machte sich ein genaues Bild vom SPIEGEL-Korrespondenten - immer und überall wurde er beschattet.

Foto: BStU
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Beschattungsprotokoll: Auch nachdem er 1985 noch einmal als SPIEGEL-Korrespondent in die DDR zurückgekehrt war, wurde Ulrich Schwarz permanent durch die Stasi beschattet - in diesem Protokoll dokuemntierten die Geheimen Aktivitäten von ihm und Gisela Krüger im November 1985.

Foto: BStU
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Abhörprotokoll: Auch bei seiner zweiten Runde als DDR-Korrespondent zwischen 1985 und 1990 blieb SPIEGEL-Redakteur Ulrich Schwarz im Visier des Mfs - ein Abhörpotokoll dokumentiert ein Telefongespräch mit dem Schriftsteller Stefan Heym im Oktober 1989.

Foto: BStU
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Wohnungs-Grundriss: Die Abbildung zeigt den Grundriss der Ost-Berliner Wohnung von Ulrich Schwarz - er stammt aus den Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.

Foto: BStU
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Schild des SPIEGEL-Büros: Das Schild der SPIEGEL-Redaktionsvertretung in Ost-Berlin.

Foto: Monika Zucht
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Das Politbüro grüßt: SED-Generalsekretär Erich Honecker (M.), DDR- Verteidigungsminister Heinz Hoffmann (l.), und Ministerrats-Vorsitzender Willi Stoph (dazwischen) nehmen die Parade der Kampfgruppen zum 15. Jahrestag der "Errichtung des antifaschistischen Schutzwalles", also des Mauerbaus ab. Bald nach dem Jubeltag geriet die "führende Partei" in schweres Wasser: Am 22. August verbrannte sich sich der Pfarrer Oskar Brüsewitz aus Protest gegen die Jugendpolitik der SED auf dem Marktplatz von Zeitz, ein Vierteljahr darauf löste die SED mit der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann eine nie dagewesene Protestwelle aus. Der SED-Renegat Rudolf Bahro publizierte im Jahr darauf sein SED-kritisches Buch "Die Alternative", Anfang 1978 folgte ein konspirativer "Bund deutscher Kommunisten" mit einem im SPIEGEL publizierten "Manifest der Opposition", das zur Schließung des Ost-Berliner SPIEGEL-Büros führte.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?