Private Aufzeichnungen: John F. Kennedy in Deutschland - DER SPIEGEL
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Frühe Kennedy-Aufzeichnungen Fasziniert von Hitlers Deutschland

Faschismus? "Das Richtige für Deutschland." Als junger Mann bereiste John F. Kennedy zwischen 1937 und 1945 drei Mal Deutschland - und zeigte sich beeindruckt vom "Dritten Reich". Nun erscheinen die überraschenden Aufzeichnungen des späteren US-Präsidenten erstmals auf Deutsch.
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Schwieriger Begleiter: John F. Kennedy mit Dackel Offie und seinem besten Freund Kirk LeMoyne Billings, genannt Lem, während ihrer gemeinsamen Europa-Reise. Am 20. August 1937 notierte der spätere US-Präsident in Nürnberg in seinem Tagebuch: "Offie ist ein ziemliches Problem, denn wenn er muss – muss er." Leider sorgt der kleine Mitreisende noch für ein weiteres Problem: Der häufig kränkelnde Kennedy reagierte allergisch auf das Tierchen.

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Frühe Erinnerungen: Kennedy schrieb fleißig Tagebuch - so auch auf seiner zweimonatigen Europa-Reise, die der damals Zwanzigjährige 1937 zusammen mit seinem Freund Lem im eigenen Auto unternahm. Auf dieser Bildungsreise lernte er unter anderem das faschistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland kennen, was seine spätere Politik prägen sollte. Hier ist ein späteres Tagebuch zu sehen, das auf einer Auktion 1998 versteigert wurde.

Foto: AP
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Freunde fürs Leben: Um 1935 posiert Kennedy hier mit Freunden. Rechts ist Lem Billings zu sehen, den er zwei Jahre zuvor an der Choate Preparatory School for Boys in Connecticut kennengelernt hatte. Sie blieben ein Leben lang eng befreundet, und Billings arbeitete später in der Kennedy-Administration und hatte für seine häufigen Besuche sogar ein festes Zimmer im Weißen Haus.

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Hitler und Mussolini: Auf seinen Reisen 1937 nach Italien und 1939 nach Deutschland erlebte Kennedy italienische Faschisten und deutsche Nationalsozialisten. Am 17. August 1937 notierte er nach der Ankunft in München: "Hitler scheint hier so beliebt zu sein wie Mussolini in Italien, wenngleich Propaganda wohl seine stärkste Waffe ist." Kennedy stellt sich in seinen Aufzeichnungen unsichere Fragen über die Zukunft in Europa: "Kann ein Bündnis zwischen Deutschland und Italien Bestand haben?" und "Wäre der Faschismus möglich in einem Land mit einer Vermögensverteilung wie in den USA?".

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Straßenkünstler: Auf seiner Reise durch Europa jongliert John F. Kennedy 1937 auf einer Straße. Der Student reiste von Köln weiter nach Amsterdam und war der Meinung, dass in Holland "alle aussehen wie Juliana und Bernhard" - das damalige Königspaar.

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"Besten Straßen der Welt": Kennedy zeigte sich bei seinem Deutschland-Besuch im August 1937 begeistert von den neuen "Reichsautobahnen". "Das sind die besten Straßen der Welt", schrieb der spätere Präsident. "In Deutschland allerdings (sind sie) unnötig, da hier kaum Verkehr ist, in den USA dagegen wären sie großartig, da es keine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt."

Das Foto zeigt einen Autobahnabschnitt um 1938 auf der Strecke zwischen Berlin und München.

Foto: Historische Sammlung der Deutschen Bahn AG
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Krank, aber fröhlich: Ende August 1937 musste Student John F. Kennedy während seiner Europa-Reise in einem Londoner Krankenhaus behandelt werden. Er hatte reichlich Tomatensaft und Pralinen zu sich genommen - und davon Ausschlag bekommen.

Die genauen Umstände der Erkrankung gehen aus dem Tagebuch nicht hervor, doch er notierte am 28. August 1937: "Immer noch krank – sehr schlimme Nacht gehabt." Kennedy litt zeitlebens unter anderem an Magen-Darm-Problemen, die ihm zumindest auf diesem Bild die Laune nicht vermiesen konnten.

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Vater und Sohn: Im März 1939 geht der junge John F. Kennedy in London zusammen mit seinem Vater Joseph, Botschafter der USA in Großbritannien, an Bord einer Air-France-Maschine nach Rom. Dort soll Joseph Kennedy US-Päsident Roosevelt bei der Krönung von Papst Pius XII. vertreten.

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Freund der Familie: Am 12. März 1939 wurde Eugenio Maria Giuseppe Giovanni Pacelli auf der Loggia des Petersdoms zum Papst Pius XII. gekrönt. Das Kirchenoberhaupt war ein Freund von John F. Kennedys Vater Joseph. Bei der Zeremonie war die Familie Kennedy in Rom anwesend. Bereits auf seiner Reise 1937 besuchte der junge John F. Kennedy den damaligen Kardinal und notierte im Tagebuch über ihn: "Er ist wirklich ein großer Mann, auch wenn sein Englisch eher dürftig ist."

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Privilegierte Jugend: Kennedy macht 1939 mit einer seiner Schwestern in Ägypten einen Ausritt auf einem Kamel. Die aus Massachusetts stammende reiche Familie ermöglichte ihren Kindern nicht nur Ausbildungen auf renommierten Privatschulen und Universitäten, sondern auch mehrere Bildungsreisen.

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Legende am Himmel: Mit solch einer Transportmaschine des Typs Douglas C-54 der US-Luftwaffe flog John F. Kennedy Ende Juli 1945 mit Marineminister James Forrestal nach Berlin. Drei Jahre später, von Juni 1948 bis September 1949, wurde jener Flugzeugtyp durch seinen Dauereinsatz während der Berliner Luftbrücke berühmt, mit der die Einwohner West-Berlins mit Lebensmitteln und Hilfsgütern versorgt wurden.

Hier ist das Flugzeug des US-Piloten Gail Halvorsen beim Anflug auf Berlin zu sehen - jener Pilot, der aus dem Flieger an kleine Fallschirme gebundene Süßigkeiten abwarf und daher auch "Candyman" genannt wurde.

Foto: AP
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Immer wieder Berlin: Während Kennedys Besuch in Berlin Ende August 1939 soll er in der amerikanischen Botschaft vor dem deutschen Angriff auf Polen gewarnt worden sein. Der Kennedy-Spross überbrachte seinem Vater die Warnung nach London und erlebte dort wenige Tage später von der Besuchergalerie des Parlaments die Kriegserklärung Großbritanniens an Deutschland durch Premierminister Chamberlain.

Im Sommer 1945 besuchte Kennedy erneut Berlin. Seine Eindrücke von der zerstörten Stadt hält er in einem Reisebericht fest: "Alles ist zerstört. Unter den Linden und die Straßen sind verhältnismäßig frei, doch es gibt kein einziges Gebäude, das nicht ausgebrannt ist. In manchen Straßen ist der Gestank der Leichen überwältigend – süßlich und ekelerregend."

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Hildegard Dreyer
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Nachkriegsreise: Nach seinem Besuch in Berlin im Sommer 1945 fuhr Kennedy weiter nach Bremen, wo er am 30. Juli eintraf. Im Vergleich zum nahezu vollständig zerstörten Berlin war er vom Zustand Bremens und vor allem des Umlands eher positiv überrrascht. Das Bild vom 28. April 1945 zeigt die Ruine der Stephani-Kirche in Bremen und im Vordergrund die zerstörte Adolf-Hitler-Brücke (Westbrücke).

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Berühmter Berliner: Am 26. Juni 1963 - es war der 15. Jahrestag der Berliner Luftbrücke - hält US-Präsident John F. Kennedy vor dem Rathaus Schöneberg in West-Berlin seine berühmte Rede, aus der das Zitat "Ich bin ein Berliner" stammt. Etwa 1,5 Millionen Menschen jubelten vor Ort, als der erste US-Präsident, der die geteilte Stadt besuchte, diese symbolischen Worte sprach. Damit sicherte er der Stadt und der Bundesrepublik seine Solidarität und die Unterstützung der USA zu. Kennedy galt vor seiner Rede nicht unbedingt als Freund der Deutschen, auch wenn er das Land in seiner Jugendzeit schon mehrmals besucht hatte.

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Spickzettel: Auf dieser Karte hat sich US-Präsident John F. Kennedy jenen Satz für seine Rede in West-Berlin notiert, der später zu einem der berühmtesten Zitate des 20. Jahrhunderts werden sollte. In englische Lautschrift übertragen steht hier "Ish bin ein Bearleener".

Foto: Reuters/National Archives
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