Stadlober-Premiere Gewehrkugeln und Horror
Robert Stadlober mit vollem Engagement. Bei der Premiere des englischen Theaterstücks "Private Peaceful" verausgabte sich der Schauspieler heroisch.
Das Stück, vorgetragen an den Hamburger Kammerspielen, setzt sich mit dem Thema Erster Weltkrieg auseinander.
Stadlober führte Co-Regie und ist auch gleichzeitig der Hauptdarsteller, er spielt fast alleine.
In "Private Peaceful" geht es um einen jungen Soldaten, der Opfer falscher Vorstellungen von Ehre und Pflichten fürs Vaterland wird - und am Ende von den eigenen Leuten erschossen wird.
Stadlober hat die Unterstützung des erfindungsreichen Musikers Andreas Spechtl, wie Stadlober Österreicher und vor allem mit seiner Indie-Rock-Band Ja, Panik bestens bekannt. Spechtl, im Hintergrund der Bühne wie ein DJ mit Elektronik, Turntable, Mischpult und Percussion agierend, hat einen Klang-Soundtrack erschaffen, der sich wie eine tönende Haut über die Bühnenpräsenz von Stadlober legt.
Die Geschichte von "Private Peaceful" wurde von dem britische Autor Michael Morpurgo 2003 als Jugendbuch veröffentlicht. Die Zielrichtung: Den Krieg als täuschende Verführung zu entlarven, das Militär als Institut, um Menschen zu brechen und zu brauchbaren Tötungswerkzeugen zu machen.
Stadlobers körperliche Performance ist bei dem Stück ebenso wichtig wie die Textpräsentation, was dem Stück mehr als guttut. Ebenso helfen die hinzugefügten historischen Tagebucheinträge und Briefzitate, die wie plötzliche Abgründe aufbrechen und die Irritation erzeugen, die der Text nicht ganz bewerkstelligen kann.
In beinahe stillen Momenten, wenn Stadlober über die Geräusche der fliegenden Gewehrkugeln sinniert, die den nahenden Tod verkünden, wird der Horror fast greifbar.