Promi-Attacken - DER SPIEGEL
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Promi-Attacken Lasst Torten sprechen!

Kuchen im Haar, Sahne in der Nase, Eigelb auf dem Anzug: Die Rasierschaum-Attacke auf Medienunternehmer Rupert Murdoch ist kein Einzelfall. Mit scheinbar harmlosen Attacken versuchen immer wieder aufgebrachte Bürger, Prominente lächerlich zu machen. einestages erinnert an bittersüße Angriffe.
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Nicht nur das Gelbe vom Ei: Am 27. Mai 2009 erwischte es den Vorsitzenden der tschechischen Sozialdemokraten, Jiri Paroubek.

Foto: epa Singer/ dpa
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Torte statt Champagner: Bei einer Geburtstagsparty für den Formel-Eins-Weltmeister Jacques Villeneuve in Buenos Aires bekam der Jubilar am 9. April 1998 von einem seiner Teamkameraden ein Tortenstück ins Gesicht gedrückt.

Foto: REUTERS
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Hätten Sie ihn erkannt? Eigentlich ist das oberste Ziel des Tortenattentats ja, das Gesicht eines Mächtigen vor aller Öffentlichkeit zu verunstalten und den Prominenten damit der Lächerlichkeit preiszugeben. In diesem Sinne dürfte dieses Attentat wohl grandios gescheitert sein - denn die Visage des Angegriffenen ist dermaßen im Kuchen verschwunden, dass selbst enge Angehörige Schwierigkeiten haben dürften, ihn zu identifizieren. Hier die Auflösung: Bei dem Opfer handelt es sich um den niederländischen Finanzminister Gerrit Zalm, der im Januar 1999 von einem Euro-Gegner in Amsterdam attackiert worden war.

Foto: dpa
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Willkommen in Hessen! Seine politisch schwierige Reise in die Türkei meisterte er mit Bravour, doch der kurze Ausflug von Niedersachsen nach Hessen endete im April 2011 mit einem kleinen Eklat. Vor dem Wiesbadener Landtag wurde der frisch gewählte Bundespräsident Christian Wulff von einem Eierwerfer getroffen. Er sollte es nicht zu persönlich nehmen: Der Mann schien eine Serie aufstellen zu wollen - Jahre zuvor hatte er auch Ex-Präsident Horst Köhler angegriffen.

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Süßer Empfang: Dem belgischem Autoren und Komiker Noël Godin, einem notorischen Kuchenwerfer, gelang am 2. April 1998 sein wohl größter Coup, als er Microsoft-Mogul Bill Gates in Brüssel erfolgreich attackierte. Kein Wunder, denn damals war Godin schon Profi und Jahrzehnte im Geschäft, sein erstes Kuchenattentat datiert aus dem Jahr 1968. Seitdem hat er sich vorgenommen, systematisch alle Prominente "einzutorten", die seiner Meinung nach zu selbstverliebt und humorlos auftreten. Zu seinem Dauerfeind wurde der französische Philosoph Bernhard-Henri Levi, den er bisher siebenmal mit einer Torte einschmierte.

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Was war da los? Unter den Anhängern des "Torting", wie die symbolische Protestform auch genannt wird, ist der Fall Jürgen Trittin sicher heiß diskutiert worden. War es nun eine Torte? Oder doch ein getarnter Farbbeutel? Oder ist da nun eine neue Superwaffe im Kampf um politische Aufmerksamkeit entstanden? Der Grünen Fraktionsvorsitzende wurde im September 2010 bei einer Podiumsdiskussion der Anti-Atom-Bewegung mit einem mysteriösen Geschoss beworfen, das zwar außen wie eine banale Sahnetorte aussah, aber innen mit heller Farbe gefüllt war. Trittin jedenfalls blieb unverletzt - und machte auch nicht den Fehler, Reste der vermeintlichen Süßspeise zu vertilgen.

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Lionel Jospin: Während einer Wahlkampfveranstaltung am 17. April 2002 in Rennes wurde der französische Premierminister und der Präsidentschaftskandidat der Sozialisten mit Tomatenketchup attackiert.

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Richard von Weizsäcker: Auch einen der beliebtesten Deutschen hat es erwischt - der damalige Bundespräsident wurde während einer Demonstration gegen Rassismus und Faschismus im November 1992 mit Eiern beworfen.

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Eier für den Einheitskanzler: Eigentlich stand er auf dem Zenit seiner Macht. Helmut Kohl hatte 1990 die erste gesamtdeutsche Wahl klar für sich entschieden, Deutschland war nach Jahrzehnten der Trennung wieder vereint. Doch der Freudentaumel der ersten Monate wich der Ernüchterung - und schon im Mai 1991 empfingen Demonstranten Kohl in Halle mit einem Eierregen.

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Shoe for you: US-Präsident George W. Bush befand sich im Irak eigentlich schon auf Abschiedstournee - doch so einfach wollte der Journalist Montasser al-Saidi ihn nicht gehen lassen. Der Iraker schleuderte ihm im Dezember 2008 während einer Pressekonferenz einen Schuh entgegen, in der arabischen Welt eines der stärksten symbolischen Gesten der Verachtung, und schrie den Präsidenten an: "Das ist ein Abschiedskuss, du Hund. Dies ist von den Witwen, Waisen und allen, die im Irak getötet worden sind."

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Die Erfindung einer neuen Kampfform: Beliebt und berühmt machte das Tortenwerfen das frühe Hollywoodkino. Stan Laurel und Oliver Hardy etwa lieferten sich 1927 in dem Film "The Battle of the Century" eine bis dahin beispiellose Schlacht - sie hatten für die Dreharbeiten 3000 Torten geordert. Die epischste Kuchenschlacht aller Zeiten wurde jedoch 1965 in "Das große Rennen" mit Tony Curtis und Jack Lemmon verfilmt. Nach dem Dreh bleiben noch 300 nicht zermatschte Torten für die Filmcrew übrig.

Das Foto zeigt die britische Schauspielerin Joan Young 1948 in dem Film "Cardboard Cavalier".

Foto: Getty Images
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Keine Gnade für die Kirche: Selbst der belgische Erzbischof André-Joseph Léonard, das Oberhaupt der katholischen Kirche in Belgien, war vor den Angriffen von Noël Godins Anarchistengruppe nicht gefeit.

Godin und seine Anhänger, die sich in Anlehnung an die aus Frankreich stammende Organisation "Médecins Sans Frontières" (Ärzte ohne Grenzen) "Pâtissiers sans Frontières" (Kuchenbäcker ohne Grenzen) nennen, haben sich auf diese symbolische Form des Protests spezialisiert. In Frankreich und Belgien sind sie damit selbst zu kleinen Medienstars aufgestiegen.

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Sahne gegen Pelze: Da war er plötzlich dahin, der teure Anzug. Designer Calvin Klein wurde im Juni 2001 in New York von einer Torte getroffen; der Werfer wollte damit gegen das Tragen von Pelzen protestieren.

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PR-Gag: Von wegen Sex and Drugs! Am 5. Dezember 1968 lieferten sich die Rolling Stones im Elizabethan Room des Gore Hotel in London eine harmlose und butterweiche Tortenschlacht. Allerdings nicht ganz ohne Hintergedanken: Die Rockband wollte ihr neues Album "Beggars' Banquet" medienwirksam ankündigen.

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Schlecht für die Taille: Nachdem der damalige Weltbank-Präsident James Wolfensohn 2001 in Helsinki von einem Globalisierungsgegner mit einer Sahnetorte beworfen worden war, reagierte er ganz anders, als es sich der Angreifer vermutlich gewünscht hatte. Nämlich mit einer Portion Humor, die den angeblich unmenschlichen Chef einer weltweit agierenden Behörde recht sympathisch wirken ließ: Die Sahnetorte habe ausgezeichnet geschmeckt, kommentierte Wolfensohn den Vorfall - leider ruiniere sie aber seine Diät.

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Tomaten für Tony: Selten hat man einen Mann so lachen gesehen, der gerade von einer fleischigen Tomate am Rücken getroffen worden war. Aber Tony Blair scheint einfach immer gute Laune zu haben, selbst an diesem 9. Januar 2001, als der damalige britische Premier in Bristol eine Rede halten sollte - zu der auch Demonstranten kamen, die mit der westlichen Irakpolitik alles andere als zufrieden waren.

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Schäumender Bürger: Es ist das Schicksal der meisten Tortenwerfer - sie beschmieren sich letztendlich meistens selbst mit ihrem Wurfgeschoss. Farbbeutel, Tomaten und Eier sind da für die Attentäter weitaus sicherer. Das Bild zeigt den Komiker Jonnie Marbles, der am 19. Juli 2011 während einer Anhörung im britischen Unterhaus den Medienmogul Rupert Murdoch mit einer Torte aus Rasierschaum angriff. "Was ich jetzt mache, ist die deutlich beste Aktion, die ich jemals gemacht habe", hatte Marbels vorher via Twitter verkündet.

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Farbe für den Grünen: Es ging um die deutsche Beteiligung im Kosovo-Krieg - und der erste grüne Außenminister galt vielen seiner Parteikollegen als Kriegstreiber, der Deutschland an einem Feldzug ohne UN-Mandat beteiligen wollte. Auf einem außerordentlichen Parteitag in Bielefeld eskalierte die Stimmung, und der Realpolitiker Fischer wurde von einem Farbbeutel am Kopf getroffen. Keine ganz harmlose Attacke: Der Politiker erlitt einen Riss im Trommelfell, der Attentäter kam mit einer Geldstrafe von 3600 Euro davon.

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