Prominente Dopingfälle - DER SPIEGEL
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Prominente Dopingfälle Star, Skandal - und dann?

Schuldig! Was man jahrelang ahnte, steht jetzt fest: Jan Ullrich war gedopt. Doch wie geht es nun weiter für den Radhelden a.D.? einestages blickt zurück auf die tragischen Schicksale anderer prominenter Dopingfälle. Was wurde aus Katrin Krabbe, Ben Johnson oder Dieter Baumann?
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Ganz vorn: Katrin Krabbe im 100-Meter-Finale der Leichtathletik-WM 1991 in Tokio. In 10,99 Sekunden gewinnt sie die Goldmedaille. Es ist der Karrierehöhepunkt einer Läuferin, die nach eigenen Aussagen nie "100 Prozent in das Laufen investierte". Sie habe "auch mal die Nächte durchgefeiert", erinnert sie sich später.

Krabbe wird zum Superstar der WM und zum gesamtdeutschen Glamourgirl. Werbeverträge mit Nike und Goldwell folgen, die Frau aus Neubrandenburg verdient viel Geld. Im Januar tauchen manipulierte Urinproben auf, Krabbe wird durch den Deutschen Leichtathletik-Verband suspendiert. Im Juli wird sie positiv auf das Kälbermastmittel Clenbuterol getestet - weil das jedoch nicht auf der Dopingliste steht, wird Krabbe wegen Medikamentenmissbrauchs gesperrt.

Nach ihrer Karriere...

Foto: Tony Duffy/ Getty Images
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...machte sie sich zunächst mit einem Sportgeschäft selbständig, heute arbeitet Krabbe in einem Autohaus in ihrer Heimatstadt Neubrandenburg. Sie ist mit dem früheren Ruderer Michael Zimmermann verheiratet.

Foto: dpa
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Sprinterinnen im Verfahrensmarathon: Jahrelang war Krabbe gegen die Konkurrenz auf der Tartanbahn angetreten - ab Mitte 1992 kämpfte sie gegen den Internationalen Leichtathletik-Verband IAAF wegen ihrer Sperre. Mit ihr ging zunächst auch Grit Breuer den Klageweg, doch später gab die Läuferin auf. Krabbe war 2001 erfolgreich und bekam mehr als eine Million D-Mark zugesprochen.

Das Bild zeigt von links Torsten Krentz, den damaligen Lebensgefährten Grit Breuers, Breuer, Trainer Thomas Springstein, Katrin Krabbe und Silke Möller am Rande des Prozesses in London.

Foto: Getty Images
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Und dann die Hände, zum Himmel: "Turboläuferin" nannte man Grit Breuer ab dem Tag, als sie die deutsche 400-Meter-Staffel 1997 in Athen zu WM-Gold führte. "Die Staffel in Athen war für mich wie eine Befreiung", sagte Breuer danach. Wie Katrin Krabbe hatte man auch die 400-Meter-Spezialistin vor allem mit der Dopingaffäre verbunden - doch das änderte sich an jenem August-Tag.

Breuer und Krabbe haben heute keinen Kontakt mehr. Das liegt auch daran, dass Breuer irgendwann die Sperre durch den Internationalen Leichtathletikverband akzeptierte, ihre Klage zurückzog - und 1995 ihr Comeback gab. Und ausgerechnet nach der Zwangspause feierte sie ihre größten Erfolge.

Heute arbeitet Grit Breuer...

Foto: AP
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...als Golf- und Fitnesstrainerin im Hotel Neptun in Warnemünde. Seit 2006 ist sie in dem Golfhotel angestellt. "Natürlich gebe ich gern auch professionelle Tipps zum Sport allgemein. Und manch einer möchte einfach nur einmal mit mir einen Kaffee trinken. Auch solche Wünsche erfülle ich gerne", wird Breuer in einer Pressemitteilung des Hotels von 2011 zitiert.

Foto: dpa
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Aufstieg und Abfahrt: Andorra Arcalis, das war der Moment, der ihn berühmt machte. Andorra war das Ziel der zehnten Tour-de-France-Etappe 1997, aber für Jan Ullrich war es auch das Ziel aller Träume. Hier schlüpfte er ins Gelbe Trikot des Führenden und gab es bis Paris nicht mehr ab.

Der damals 23-Jährige war der erste Deutsche, der jemals die Tour gewann. Und in Deutschland brachen alle Dämme. Nie wieder meldeten sich so viele Kinder in den Radsportclubs an. Und Ullrich schien so gut zu sein, dass die "L'Equipe" vermutete, der "Patron" könnte die Rundfahrt mehr als sechs Mal gewinnen.

Doch es kam anders. Erst war Ullrich in den nächsten Jahren machtlos gegen Lance Armstrong, der ihn viermal auf den zweiten Platz verwies. Dann der Ausschluss kurz vor der Tour 2006 wegen des Verdachts der Zusammenarbeit mit dem Dopingarzt Fuentes. Ullrich schwieg fast sechs Jahre lang, sagte nur: "Ich habe niemanden betrogen". Der Internationale Sportgerichtshof sprach ihn nun schuldig.

Nach der Karriere...

Foto: LAURENT REBOURS/ AP
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...die Ullrich 2007 beendete, zog er sich in die Schweiz zurück. Er kündigte eine Autobiografie an, die nie erschien - und erkrankte an Burnout. 2011 folgten die ersten Auftritte bei Jedermannrennen, bei denen Ullrich von vielen Menschen jubelnd empfangen wurde. Das Bild zeigt ihn beim Ötztaler Radmarathon am 28. August 2011. Dort erreichte der Deutsche Platz 84 in seiner Altersklasse und belegte von 4000 Teilnehmern Rang 182.

Foto: Getty Images
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Der größte Betrug der Geschichte: Ben Johnson war das arme Einwandererkind aus Jamaika, das es mit Hilfe des Sports zu Wohlstand und Ruhm brachte. Ben Johnson war der Mann, der Carl Lewis besiegte. Ben Johnson war der beliebteste Kanadier. Ben Johnson war der Mann der Leichtathletik, als er 1988 in Seoul in Weltrekordzeit die 100 Meter gewann.

Und plötzlich war er der größte Betrüger der Welt. Zwei Tage nach dem Rennen wurde Johnson positiv getestet. In seinem Urin fanden sich Spuren des Steroids Stanozolol - der größte Skandal der Olympiageschichte war perfekt. Johnson flüchtete aus Seoul und bestritt jede Schuld. Sein Comeback verlief erst erfolglos, 1993 dann knackte er beinahe den 50-Meter-Weltrekord. Und wurde ein zweites Mal beim Dopen erwischt.

Nach seiner Karriere...

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...wurde aus dem ehemaligen Supersprinter ein irrlichternder Alles-Probierer. Schon Mitte der Achtziger hatte er den Fußballgott Diego Maradonna trainiert, 1997 machte er den alternden Star bei dessen Comeback in Argentinien fit. Außerdem coachte er den libyschen Diktatorensohn Al-Saadi Gaddafi bei dessen peinlichen Fußballausflug in die italienische Profiliga. Johnson versuchte sich auch als Footballspieler. Alles mit mäßigem Erfolg.

Für ein wenig Aufsehen sorgte Johnson noch mal 2010, als er seine Autobiografie "From Seoul to Soul" vorstellte. Darin unterstellt er dem Konkurrenten Carl Lewis nebulös, etwas mit der positiven Dopingprobe von Seoul zu tun zu haben. Außerdem erklärte der ehemalige Sprinter, in einem früheren Leben ein ägytpischer Pharao gewesen zu sein.

Foto: AP
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Die Zahnpasta-Affäre: Dieter Baumann war einer der besten deutschen Läufer der Geschichte. Den "weißen Kenianer" nannte man den Schwaben, der seinen größten Moment bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona hatte. Baumann gewann Gold über 5000 Meter.

Ebenso berühmt wie für seine läuferischen Großtaten war Baumann für seinen Kampf gegen das Doping. Umso überraschender kam dann im Oktober 1999 die Meldung, dass man bei einer Dopingprobe Nandrolon gefunden habe.

Baumann bestreitet wissentliches Doping bis heute, und er hat prominente Fürsprecher wie den Molekularbiologen Werner Franke. Zum größten Indiz für Baumanns Unschuld wurde verseuchte Zahnpasta, die man später fand. Die IAAF hielt Baumann jedoch für schuldig - und sperrte ihn bis 2002.

Nach seiner Karriere...

Foto: Getty Images
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...machte Baumann das, was er schon zu seiner aktiven Zeit gemacht hatte: Er schrieb Bücher. Verblüffend wirkt im Rückblick seine Passage aus seinem Buch "Ich laufe keinem hinterher", das er vier Jahre vor seinem Dopingfall veröffentlicht hatte.

Darin schreibt Baumann: "Baumann gedopt: Welch eine Schlagzeile. Welch eine Auflage. Manchmal habe ich den Eindruck, als würde die halbe Welt nur darauf warten. Der populärste deutsche Leichtathlet ein Betrüger. Ausgerechnet dieser Baumann, der selbsternannte Saubermann. Den Müsli-Mann markieren und statt Körnern Anabolika einwerfen."

Baumann entwickelte außerdem ein Comedy-Programm und steht aktuell mit einer Adaption von Siegfried Lenz' "Brot und Spiele" auf deutschen Bühnen.

Foto: dapd
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Wie verhext: Eine der denkwürdigsten Doping-Affären der vergangenen 20 Jahre hatte einen im bayerischen Marktoberdorf geborenen Skilangläufer mit spanischer Staatsbürgerschaft als Hauptdarsteller: Johann Mühlegg. Der hatte sich Mitte der Neunziger mit dem Deutschen Skiverband überworfen und einem Trainer des Verbands unter anderem vorgeworfen, ihn mit einem Fluch belegt zu haben.

2002 sollten dann seine größten Auftritte folgen, unter spanischer Flagge: Mühlegg siegte sensationell über 30 Kilometer, in der Verfolgung und schließlich auch über 50 Kilometer. Wenig später war der Grund für die Dominanz klar: Mühlegg wurde des Blutdopings überführt. Der Internationale Skiverband sperrte ihn daraufhin für zwei Jahre, Mühlegg beteuerte seine Unschuld.

Nach seiner Karriere...

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...pendelte Mühlegg weiter zwischen Spanien und Deutschland. Sein Verhältnis zu seiner Heimat soll sich mittlerweile normalisiert haben. 2004 engagierte ihn eine Region in Südtirol als PR-Botschafter, um den Tourismus anzukurbeln. Der Langlaufzirkus interessiert Mühlegg nach eigener Aussage nur noch am Rand. Er sei "Hobbyläufer", sagte er der "FAZ" 2006.

Foto: dpa
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Marion Superstar: Sie galt als die perfekte Läuferin - und es gab Zeiten rund um die Jahrtausendwende, da traute man der US-Amerikanerin Marion Jones sogar zu, die Fabelweltrekorde der Florence Griffith-Joyner zu brechen. Jones gewann bei den Olympischen Spielen in Sydney insgesamt drei Gold- und zwei Bronzemedaillen, doch schon damals lief der Verdacht immer mit: War sie sauber?

Im Oktober 2007 stand sie im Zentrum des sogenannten Balco-Verfahrens, in dessen Verlauf mehrere prominente US-Sprinter gesperrt wurden, weil sie mit dem Steroid THG gedopt hatten. Jones wurde für zwei Jahre suspendiert und gab ihre Sydney-Medaillen freiwillig zurück, die Titel wurden ihr von der IAAF aberkannt.

Doch der größte Rückschlag sollte noch folgen: Weil sie unter Eid gelogen hatte, verurteilte ein Gericht die Sprinterin 2008 zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten und 800 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Nach der Karriere...

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...versuchte sich Marion Jones in ihrem zweiten Lieblingssport, dem Basketball. 2010 spielte sie als Profi bei den Tulsa Shock. Doch der Club verlängerte den Vertrag 2011 nicht. Jones war einfach nicht gut genug gewesen.

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Vom Saulus zum Paulus: Er war die Sensation der Tour de France 2006, aber Floyd Landis konnte den Triumph nur kurz genießen. Zum Verhängnis wurde dem US-Amerikaner eine positive Dopingprobe nach einer Etappe, auf der Landis eines der unglaublichsten Comebacks der Radsportgeschichte hingelegt hatte.

Zehn Minuten hatte Landis am Tag zuvor auf den Spanier Oscar Pereiro verloren, der Phonak-Profi war regelrecht eingebrochen. Und dann das: Die Etappe nach Morzine gewann Landis im Alleingang und stürmte dabei nur so die Berge hoch. Am Ende stellte sich heraus, dass der Mann ein bisschen viel Testosteron im Körper hatte - darunter auch körperfremdes.

Sein Titel wurde ihm aberkannt, sein Team Phonak kündigte ihm, Landis bestritt zunächst alles, um sich dann doch komplett zu wandeln. Er wolle kein Teil des Dopingsystems mehr sein, erklärte Landis 2010 und legte offen, dass er ab 1992 regelmäßig gedopt habe. Auch seinen Landsmann Lance Armstrong beschuldigte er der Manipulation, dieser bestritt jedoch alle Vorwürfe.

Nach der Karriere...

Foto: AP
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...machte Landis das, was er konnte: Er fuhr Rad. Nur das Niveau wurde immer bescheidener und die Teams, die ihn anheuerten, immer unbekannter. Hier ist er bei der "Tour of Southland" zu sehen, einem mehrere Etappen langen Straßenrennen im Süden Neuseelands.

Foto: AP
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Ibrahim und der Joint: Das erste, was Ibrahim Tanko bei Borussia Dortmund machte, war der Sturm in die Geschichtsbücher. Der ghanaische Angreifer wurde 1994 mit 17 Jahren und 61 Tagen zum jüngsten Feldspieler, der bis dahin in der Bundesliga zum Einsatz kam. Eine große Karriere schien vorgezeichnet.

Sechs Jahre später dann der Knick. Tanko wurde nach dem Pokalspiel des BVB am 29. November 2000 bei Schalke 04 positiv auf THC getestet. Der Stürmer hatte auf einer Party Marihuana geraucht. Das DFB-Sportgericht sperrte ihn für vier Monate - sein Club reagierte drakonisch: Dortmund kündigte Tanko fristlos.

In Freiburg brachte er es in sechs Jahren noch auf etwas mehr als 100 Bundesligaspiele, dann beendete Tanko seine Laufbahn.

Nach seiner Karriere...

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...blieb Tanko im Fußball. Aber er ging zunächst einen ungewöhnlichen Weg und heuerte als Co-Trainer beim japanischen Club Urawa Red Diamonds an. Tanko war dort unter dem deutschen Chefcoach Holger Osieck sehr erfolgreich und holte die asiatische Champions League. Seit dem Start der Bundesliga-Saison 2011/2012 gehört Tanko zum Trainerstab des 1. FC Köln.

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