Propagandakrieg im Äther - DER SPIEGEL
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Propagandakrieg im Äther Hitlers hämischer Lord

Er verspottete Churchill und feierte Hitlers Erfolge: Ausgerechnet ein britischer Faschist diente den Nazis jahrelang als wortgewaltiger Agitator, der seine Landsleute per Rundfunk entmutigen sollte. Goebbels setzte das Radio geschickt zur Propaganda ein - und verwirrte auch die Franzosen mit einem pseudolinken Geheimsender.
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"Jairmany calling": Unter dem Namen Lord Haw-Haw produzierte William Joyce den Krieg hindurch die Sendung "Germany calling", die zeitweise von mehr als sechs Millionen Engländern gehört wurde. Mit seiner leicht näselnden Stimme berichtete der Nazi-Propagandist begeistert über Hitlers Erfolge. Das Foto zeigt Joyce um 1943 am Mikrofon in Hamburg.

Foto: Getty Images
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Mosleys Truppe: Auf dem Bild von 1935 posiert Oswald Mosley, Gründer der faschistischen Partei British Union of Fascists (BUF), mit einigen seiner Männer. Links außen steht William Joyce, der sich 1932 der BUF angeschlossen hatte. Als sich Mosley von Joyce, seinem stellvertretenden Parteichef, abwandte und sich die Lage auf dem europäischen Kontinent zuspitzte, flüchtete der bekennende Antisemit Joyce nach Deutschland.

Foto: Getty Images
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Joyces deutscher Pass: Der 1906 in New York geborene William Joyce wuchs in Irland und London auf, wo er in Oswald Mosleys faschistischer Partei als glänzender Redner Karriere machte. 1939 setzte sich Joyce nach Deutschland ab und fand eine Anstellung als Radiosprecher in Goebbels' Propagandaministerium.

Foto: AFP
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William Joyce: Das Markenzeichen des Nazi-Radiopropagandisten William Joyce alias Lord Haw-Haw war seine höhnische und bedrohliche Stimme sowie die lange Narbe auf seiner rechten Wange.

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Ehrung für Lord Haw-Haw: 1944 zeichnete Adolf Hitler William Joyce für seine Radiopropagandasendung "Germany calling" mit dem Kriegsverdienstkreuz erster Klasse aus.

Foto: AP
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Hitler spricht: Zwei Tage nach seiner Ernennung zum Reichskanzler verliest Adolf Hitler seinen "Aufruf an das deutsche Volk". Zum ersten Mal wird eine Regierungserklärung nicht vor dem Reichstag abgegeben, Hitler wendet sich lieber über den Rundfunk direkt an das Volk.

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Radio als Propagandamedium: Propagandaplakat im Rahmen der Rundfunkausstellung in Berlin 1936. Der "Volksempfänger" war ein Radiogerät, das die Nationalsozialisten entwickelt hatten, um ein möglichst breites Spektrum an Bürgern mit ihrer Propaganda erreichen zu können. 1933 ging das im Volksmund "Goebbelsschnauze" genannte Gerät in Serie.

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Reichstagsrede im Radio: Bürger in Berlin hören am 1. September 1939 zu Beginn des Polenfeldzuges auf der Straße die öffentliche Radioübertragung von Hitlers Reichstagsrede. Der Rundfunk gehörte zum einflussreichsten Medium nationalsozialistischer Propaganda, da der "Volksempfänger" der Mehrheit der Bevölkerung leicht zugänglich war.

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Die Gegenbewegung: Der prominenteste Deutsche, der im deutschsprachigen Programm der BBC zu seinen Landsleuten sprach, war Thomas Mann. Der Schriftsteller geißelte den "Sumpf von Blut und Verbrechen" des Nazi-Regimes und etwa dessen "Massaker in Polen". Das Foto zeigt Mann 1943 an seinem Schreibtisch in seinem Haus in Kalifornien.

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Ernst Torgler: Nach seiner Verhaftung im Berliner Polizeipräsidium im März 1933 wird Ernst Torgler, vierter von rechts, gemeinsam mit Carl von Ossietzky (rechts von Torgler) und dem Schriftsteller Ludwig Renn - zweiter von rechts - der ausländischen Presse vorgeführt. Zunächst Fraktionsvorsitzender der KPD im Deutschen Reichstag, hatte sich Torgler gegen den Willen der KPD-Führung nach dem Reichstagsbrand freiwillig der Polizei gestellt, wurde wegen Hochverrats angeklagt, schließlich freigesprochen und von der KPD 1935 aus der Partei ausgeschlossen. Seit Kriegsbeginn ließ sich Torgler für NS-Propaganda einspannen.

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Joyce in Gefangenschaft: William Joyce liegt unter Bewachung in einem Krankenhaus, nachdem ihn britische Truppen in einem Waldstück nahe Flensburg am Oberschenkel angeschossen hatten. Das Foto wurde am 29. Mai 1945 aufgenommen - knapp ein halbes Jahr nach seiner Gefangennahme, am 3. Januar 1946, wurde Joyce im Gefängnis von Wandsworth gehängt.

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Verkündung des Todesurteils: Ein Polizist hängt am 3. Januar 1946 die Bekanntmachung der Hinrichtung des Nazi-Propagandisten William Joyce aus. Das Urteil wurde am selben Tag im Londoner Gefängnis von Wandsworth vollstreckt.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?