Propagandawaffe Agfacolor - Goebbels' Farbenlehre - DER SPIEGEL
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Goebbels' Wunderwaffe Propaganda in bunt

Hitler und sein Propagandaminister liebten das Kino, vor allem Farbfilme aus Hollywood. Mitten im Krieg forcierten sie die Entwicklung von Agfacolorfilmen. Gedreht wurde sogar bei Fliegeralarm, Premieren fanden in den Ruinen Berlins statt - Goebbels' größte Kino-Wunderwaffe geriet trotzdem zur Fehlzündung.
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Wunderwaffe oder Wahnwitz? Für das Historiendrama "Kolberg" scheute das "Dritte Reich" keine Kosten und Mühen - Abertausende Soldaten von der Wehrmacht wurden vom Frontdienst abkommandiert und als Statisten für die Schlachtenaufnahmen verpflichtet. Für die Kavallerieszenen setzte Regisseur Veit Harlan rund 6000 Pferde ein. Zudem...

Foto: Ufa in Farbe/Collection Rolf Heyne
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...wurden aus deutschen Theatern etwa 10.000 Kostüme entliehen. Der immense Aufwand, den Harlan betrieb, lohnte sich. Auch nach Meinung ausländischer Kritiker...

Foto: Ufa in Farbe/Collection Rolf Heyne
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...übertraf Harlans Produktion alle bis 1945 erschienenen Kriegsfilme aus Hollywood. Doch all das hatte seinen Preis: Der Film kostete 8,5 Millionen Reichsmark. Damit war "Kolberg" rund achtmal so kostspielig wie andere große Produktionen der Zeit. Mit dem Ergebnis war...

Foto: Ufa in Farbe/Collection Rolf Heyne
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...Hitler jedoch höchst zufrieden: Er bezeichnete "Kolberg" als "eine gewonnene Schlacht in der politischen Kriegsführung".

Am Ende entpuppte sich "Kolberg" dennoch als gigantische propagandistische Fehlzündung. Nach der Premiere am 31. Januar 1945 lagen bereits zu viele Kinos in Schutt und Asche, um die Bevölkerung noch zu erreichen. Wo das Schlachtenepos lief, gingen die Zuschauer lieber in den Unterhaltungsfilm "Münchhausen" mit Hans Albers.

Foto: Ufa in Farbe/Collection Rolf Heyne
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Im Filmstudio: Hitler und Goebbels waren begeisterte Filmfans. Am 4. Januar 1935 statteten sie den Neubabelsberger Ateliers der Ufa einen Besuch ab.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1990-1002-500

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Fußballfeld der Ehre: Als einziger farbiger Spielfilm aus dem "Dritten Reich" zeigt "Das große Spiel" von 1942 Fahnen und Armbinden mit Hakenkreuzen. Die Schlussszenen für den Fußball-Schrägstrich-Liebesfilm drehte Regisseur Robert A. Stemmle im Berliner Olympiastadion.

Foto: Ufa in Farbe/Collection Rolf Heyne
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Farbe erkennen! Nicht ohne Stolz urteilte Goebbels über Veit Harlans Jungmädchendrama "Die goldene Stadt" von 1942: "Farbenmäßig ist der Film viel besser als die bisherigen deutschen Farbfilme; er nähert sich in der Qualität schon sehr den neuesten amerikanischen Produktionen."

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Alles vom Feinsten: Für die opulente Festmahl-Szene in dem "Großfilm" "Münchhausen" von 1943 lieh Regisseur Josef von Báky sich von verschiedenen Museen Porzellan und Besteck des preußischen Adels. Aus Angst, die Kostbarkeiten könnten gestohlen werden, engagierte Báky zugleich Polizisten, die als Statisten mit am Tisch saßen. Mit rund 6,6 Millionen Reichsmark Produktionskosten ist die Produktion...

Foto: Ufa in Farbe/Collection Rolf Heyne
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...der zweitteuerste Film des "Dritten Reichs". Allein Hans Albers erhielt 360.000 Reichsmark Gage.

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"Ordinärer Bauernfilm": In dem Sittenschwank "Das Bad auf der Tenne", das im flandrischen Dorf- und Kaufmannsmilieu im 18. Jahrhundert spielt, sorgt Paul Henckels als Handelsmann Ule Sleeks für die Späße, hier kaspert er gerade mit der Bürgermeistersfrau (Heli Finkenzeller).

Goebbels kanzelte den ersten Farbfilm aus dem Hause der Tobis-Studios als "ordinären Bauernfilm" ab. Zwar sei der Kostümfilm farblich gelungen, aber Regisseur Volker von Collande habe "völlig versagt", schrieb der Propagandaminister in sein Tagebuch. Von Collandes Werk, das am 30. Juli 1943 in Berlin Premiere feierte, erhielt dennoch das Prädikat "Volkstümlich wertvoll" - und Jugendverbot. Die katholische Kirche störte sich an zwei Badeszenen, in denen zwei Mädchen nackt von hinten zu sehen waren.

Foto: Ufa in Farbe/Collection Rolf Heyne
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Veit Harlans zweiter Farbfilm: In dem Melodram "Immensee" von 1943, das auf der gleichnamigen Novelle von Theodor Storm basiert, verkörpern Ufa-Farbfilmstar Kristina Söderbaum und Carl Raddatz das Liebespaar. Diese Szene wurde auf dem Plöner See in Schleswig-Holstein gedreht, wo...

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...der Regisseur auch das Drama "Opfergang" (1944) drehte. Die beiden Filme produzierte er parallel - eine organisatorische Meisterleistung, da er mit fast derselben Crew arbeitete und seiner Frau Kristina in beiden Streifen die Hauptrolle gab - auch Carl Raddatz war wieder als männlicher Hauptdarsteller mit von der Partie, hier bei einer Szene auf der Insel Hiddensee.

Foto: Ufa in Farbe/Collection Rolf Heyne
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Filmdreh zwischen Ruinen: Zwischen Mai und November drehte Regisseur Helmut Käutner "Große Freiheit Nr. 7" (1944) in Hamburg. Eine nahezu unmögliche Aufgabe. Kaum hatte man mit dem Drehen begonnen, gab es Fliegeralarm, eben noch existierende Schauplätze waren zerbombt, wenn die Filmcrew wieder aus den Luftschutzkellern stieg.

Als der Film dann schließlich...

Foto: Ufa in Farbe/Collection Rolf Heyne
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...doch noch fertiggestellt werden konnte, behinderte Joseph Goebbels die Veröffentlichung. Der Propagandaminister konnte Hans Albers nicht leiden, weil er sich nicht von seiner "nichtarischen" Lebensgefährtin Hansi Burg die Treue lossagen wollte. So feierte der Film erst im September 1945 seine Premiere in Westdeutschland. Im März 1946 folgte die Erstaufführung in der sowjetischen Besatzungszone.

Foto: Ufa in Farbe/Collection Rolf Heyne
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Aus den Trümmern ausgegraben: Regisseur Géza von Bolváry verdankt es einer tatkräftigen Cutterin, dass sein Film "Die Fledermaus" am 16. August 1946 in Ost-Berlin Premiere feiern konnte - sie hatte monatelang in den Trümmern der Babelsberger Studios nach Material gesucht, das während eines Bombardements der Alliierten verloren gegangen war. Tatsächlich bekam sie Meter für Meter des Streifens, der in Anlehnung an Johann Strauß' gleichnamiger Operette entstanden war, wieder zusammen.

Das Operettenthema war damals beliebt bei den Filmemachern. Auch...

Foto: Ufa in Farbe/Collection Rolf Heyne
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...Georg Jacoby drehte mit "Die Frau meiner Träume" (1944) eine seichte Musikkomödie, die das Publikum für die Dauer des Kinobesuchs von den Schrecken des Kriegs ablenken sollte. Mit der letzten Revueszene...

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...gelangen Konstantin Irmen-Tschet traumhafte Bilder. Der aus Russland stammende Kameramann übernahm auch die Kameraführung bei...

Foto: Ufa in Farbe/Collection Rolf Heyne
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..."Frauen sind doch die besseren Diplomaten". Die musikalische Liebeskomödie von 1941 ist der erste Farbfilm aus deutscher Produktion. Insbesondere die Außenaufnahmen stellten die noch unerfahrenen Farbfilm-Produzenten wegen der schwankenden Lichteinflüsse vor große technische Herausforderungen: Der Rasen wechselte je nach Sonnenstand seine Farbe, weswegen die Szenenanschlüsse mit Hilfe eines Farbfilters immer wieder neu abgestimmt werden mussten.

Foto: Ufa in Farbe/Collection Rolf Heyne
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Dreharbeiten unter Beschuss: Die musikalische Liebeskomödie "Ein toller Tag" wurde bereits 1944 gedreht, allerdings erst zehn Jahre später in Westdeutschland uraufgeführt.

Regisseur Oscar Fritz Schuh hatte inmitten der Kriegswirren mit erschwerten Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Fast jeden Tag unterbrach ein Bombenalarm den Dreh, so dass die Crew meist nur morgens ein paar Stunden etwas zustande bringen konnte. Viele Einstellungen mussten zudem mehrmals gedreht werden, weil die Darstellerinnen nach den Strapazen im Luftschutzbunker zu übermüdet aussahen.

Foto: Ufa in Farbe/Collection Rolf Heyne
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Goebbels und das Kino: Der Propagandaminister im Publikum einer Filmvorstellung am 19. Januar 1938 im Ufa-Palast am Zoo in Berlin.

Seit der Machtergreifung hatten die Nazis stetig daran gearbeitet, die Kontrolle über die Filmindustrie zu übernehmen. Beginnend damit, dass sie mit der Gründung der Reichsfilmkammer 1933 3000 jüdische Filmschaffende aus ihrem Beruf trieben. 1935 dann ermächtigte eine Änderung des Lichtspielgesetzes Goebbels dazu, persönlich Filme zu zensieren. 1937 begann das Deutsche Reich sogar damit, heimlich die Aktienmehrheiten bei den großen Produktionsfirmen aufzukaufen.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1983-1014-501

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