Propganda mit Bildpostkarten im Ersten Weltkrieg - DER SPIEGEL
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Postkarten im Ersten Weltkrieg "Scho recht, i kimm glei"

Soldaten spielen Akkordeon im Schützengraben und alle Russen haben ein "finsteres Herz": 1914 stieg die Bildpostkarte zum zentralen Propagandamittel auf - milliardenfach verschickt, sollte sie das Volk für den Krieg begeistern.
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Strenger Schulmeister: Kleine Geografiestunde für die verschüchtert dreinblickenden europäischen Schulkinder und Gegner Deutschlands. In Reimversen erfahren sie, welche Gebiete sich das Kaiserreich einverleiben möchte - Belgien, Teile Frankreichs und Russlands sowie die britischen Kolonien.

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Beten für Papa: Eines der seltenen Motive, in denen auch ein wenig Angst durchscheint - Kinder, die für den deutschen Sieg und die Rückkehr ihrer hoffentlich unverletzten Väter beten sollten.

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Gutgelaunt in den Krieg: Von Kriegsmüdigkeit keine Spur, so suggeriert es diese Kriegspostkarte - stattdessen singen die Soldaten "lustige Lieder" und träumen von "schönen, netten Mädchen".

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Siegesgewiss: Diese Bildpostkarte aus dem Ersten Weltkrieg suggeriert, die Deutschen hätten den Krieg schon fast gewonnen - bald könne man Heimatlieder auf den Erfolg anstimmen.

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Friedenswünsche von der Front: Die Bäume blühen, das Gras ist saftig grün, Männer unterhalten sich in entspannter Pose - sieht aus wie ein Betriebsausflug. War aber Krieg.

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Prügel für die Feinde: Viele Postkartenmotive verteufelten den Feind - die Russen galten den Deutschen demnach ausnahmslos als Verbrecher, deren Herz "ein finsteres Loch" sei.

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Krieg an allen Fronten: So stellte sich das deutsche Kaiserreich gerne dar - entschlossen kämpfend gegen eine Vielzahl von Gegnern, die auf dieser Illustration deutlich zaghafter und chancenloser wirken, als sie es in der Realität waren.

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"I kimm glei": Eben noch auf der Zugspitze - schon im Krieg. Der Bayer Otto Glatz erfuhr angeblich auf dem höchsten Punkt Deutschlands vom Kriegsausbruch und marschierte infolge der Mobilmachung noch am selben Abend nach Weilheim/Oberbayern, von wo er an die Front geschickt wurde. Auf den Befehl, sofort von der Zugspitze ins 70 Kilometer entfernte Weilheim zu marschieren, soll er gelassen geantwortet haben: "Scho recht, i kimm glei." Nur drei Wochen später soll Glatz verwundet worden sein - die heroische Bildpostkarte mit seinem Motiv wurde bald unzählige Male verschickt.

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Mythos Masseneuphorie: Der Kaiser rief zu den Waffen, und das Volk jubelte - so stellten es viele zeitgenössische Postkarten dar. Historiker haben längst nachgewiesen, dass dies eine langlebige Mär war. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, besonders das Bildungsbürgertum, ließ sich zu spontaner Kriegsbegeisterung hinreißen. Die Mehrzahl der Deutschen, besonders die Arbeiter, zog jedoch nicht jubelnd durch die Straßen. An den Grenzen zu Frankreich und Russland gerieten die Menschen in Panik, und noch wenige Tage vor dem Waffengang waren Zehntausende für den Frieden auf die Straße gegangen.

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Ein bisschen Frieden im Krieg: Heimaturlaub eines deutschen Soldaten 1916. Weil die Familien meist lange getrennt waren, wurden die Postkarten immer beliebter. Insgesamt kursierten während des Krieges etwa zehn Milliarden Exemplare zwischen Front und Heimat, viele versehen mit pathetischen Motiven.

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Heimelig im Schützengraben: Schießen, kämpfen, sterben? Nein, fröhlich Akkordeon spielen! Postkarten wie diese wollten den rauen Kriegsalltag aus den Köpfen der Menschen verbannen.

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"Auf nach Walhall!" Germanische Kriegshelden auf dem Weg zur Unsterblichkeit. Schon im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 hatte die Postkarte eine große Rolle in der Propaganda gespielt.

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Abschied: Ernste Blicke der Großeltern, eine verzweifelte Mutter und ein letzter Kuss für das Neugeborene - diese Postkarte thematisierte eine Szene, die sich im August 1914 in vielen deutschen Familien abgespielt haben könnte.

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Am Vorabend des Krieges: Beliebte Bildpostkarte mit der Ansprache von Kaiser Wilhelm II. vom 31. Juli 1914. Darin stilisiert sich das Deutsche Reich als Opfer seiner kriegslüsternen Nachbarn: "Neider überall zwingen uns zur gerechten Verteidigung", behauptete der Kaiser, "man drückt uns das Schwert in die Hand."

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"Singende Helden": Musik und Propaganda gingen im Ersten Weltkrieg eine Symbiose ein. Mit patriotischen Zeichnungen von Volkslieder schmetternden Soldaten wollte das Kaiserreich alle Bevölkerungsschichten ansprechen - auch die eher kriegskritische Arbeiterschaft. Diese Karte verherrlicht junge Soldaten, die sich angeblich "mit Singen in die Schlacht" stürzten und selbst noch "am Todestor" nicht aufhörten, für das Vaterland zu singen.

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Breites Bündnis: Diese Propaganda-Karte spielt auf den berühmten Ausspruch von Kaiser Wilhelm II. an, mit Kriegsbeginn gebe es keine Parteien und keinen Parteienstreit mehr - sondern nur noch Deutsche, die für das Vaterland kämpften. Besonders die SPD, die kurz zuvor noch Demonstrationen gegen den drohenden Krieg unterstützt hatte, stellte diese Burgfriedenspolitik vor eine Zerreißprobe.

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An alle Jungfrauen und Mütter: Wem es nicht "vergönnt" war, selbst an der fernen Front zu kämpfen, den bat Kaiserin Auguste Victoria höchstpersönlich mit dieser Bildpostkarte um Hilfe an der Heimatfront.

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Vorwärts: Angst und Elend war auf den Bildpostkarten nicht zu sehen - sondern nur heroische Begeisterung für einen vermeintlich heldenhaften Tod.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?