Ukraine Lärmender Protest in Kiew
Der Protest in Kiew wird lauter: Im Zentrum der Hauptstadt spielen Regierungsgegner rund um die Uhr Nachrichten von ihnen wohlgesonnenen Fernsehsendern. So laut, dass den nur wenige Meter weiter postierten Polizisten die Ohren schmerzen. Die Polizei antwortet mit sowjetischer Militärmusik aus dem Zweiten Weltkrieg und Schlager-Ohrwürmern.
Fernab vom Einsatz nertötender Musik bleiben die Fronten in Kiew verhärtet. Die Opposition beharrt auf dem Rücktritt von Präsident Janukowitsch, die Justiz geht gegen Regierungsgegner vor.
Auch aufgebrachte Mütter mischen sich in die Proteste mit ein. Auf Plakaten richten sie ihre Forderungen an die Polizei, die die Barrikaden bewacht.
Sie wärmen sich am Feuer und schlagen die Zeit tot, um die Demonstrationen aufrecht zu erhalten. Die Proteste hatten begonnen, als Janukowitsch Ende November 2013 ein historisches Partnerschaftsabkommen mit der EU auf Druck Russlands platzen ließ.
Überschattet wird die Krise von einem schlimmen Folterverdacht: Der nach eigenen Angaben gefolterte ukrainische Oppositionelle Dmitro Bulatow traf am Sonntagabend in der litauischen Hauptstadt Vilnius ein. Er wurde mit einem Krankenwagen zu einer Klinik gefahren. Ein Gericht in der Ukraine hatte Bulatow am Sonntagnachmittag die Ausreise für eine medizinische Behandlung gestattet.