Protestierende Bürger Auf die Straße! Ins Netz!
Der geplante Flughafen Berlin Brandenburg ist für sie ein "Katastrophenflughafen": Mehrere tausend Menschen wehren sich gegen die geplanten Flugrouten und die Nachtflüge bei einer Demonstration im Oktober 2011. In vielen Regionen Deutschlands schließen sich Bürger zusammen, um gegen Großprojekte aufzubegehren. Statt auf Wahlen und Lobbygruppen setzen sie auf ihre eigene Kraft.
In Deutschland protestieren Anwohner gegen Flughäfen, Bahnhöfe und Hochspannungsmasten (wie hier im Thüringer Wald 2007). Denn durch viele ländliche Regionen werden künftig Stromtrassen gezogen - das bringt vor allem die Bildungsbürger auf die Barrikaden.
Das Göttinger Institut für Demokratieforschung hat die vielfältigen Protestbewegungen der vergangenen Jahre analysiert - von Anti-Atomkraft-Demonstrationen (hier Castor-Gegner in Laase) über Occupy-Camps bis zu Kampagnen im Internet. Die Wissenschaftler haben dabei einige Gemeinsamkeiten herausfiltern können.
Viele Aktivisten sind eher älter, wie die Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 auf diesem Bild. Unter den Demonstranten finden sich viele Vorruheständler, Rentner oder Pensionäre.
Bei den Protesten gegen den Finanzkapitalismus (hier in Frankfurt am Main) mischen sich Alte und Junge: Hier finden sich laut Studie viele ältere Linke ("rastlose Emissäre der Revolution"), aber in den Camps der Occupy-Bewegung auch viele, die vom Ruhestand noch weit entfernt sind. Diese Aktivisten sind oft noch zu jung, um ein Hochschulexamen vorzuweisen - aber "sie sind auf dem Weg dorthin".
Denn es rebellieren vor allem Menschen mit hohem Bildungsabschluss. "Auf die Barrikaden gingen vornehmlich Bürger mit hoher Bildung, ordentlichem Einkommen, vielseitigen sozialen Kontakten, anspruchsvollen Berufstätigkeiten", so Politikwissenschaftler Franz Walter. Die meisten Aktivisten sind Männer, nur bei Protesten im Bildungsbereich - wie hier in Hamburg gegen die Schulreform - engagieren sich sehr viele Frauen.
Große Bedeutung haben in den vergangenen Jahren Proteste von Internetaktivisten erlangt. Hier sind die Demonstranten jünger, sie befürchten, dass ihre Freiheit eingeschränkt wird - wie etwa die Proteste gegen das Acta-Abkommen zeigen. "Hier scheint sich geradezu eine neuartige Schülergeneration mit originären Protestformen und politischen Anliegen zu formieren", so die Studie.
Eine ganz andere Form des Engagements: die satirischen Gruppen, die mit ironischen Aktionen etwa den früheren Verteidigungsminister Guttenberg verspotteten ("Unser Kaiser Guttenberg") oder gegen den Aufmarsch von Neonazis protestierten ("Was gibt dem deutschen Volke Kraft? Apfelsaft! Apfelsaft!"). Hier ein Bild der Gruppe "Die Partei" mit Chef-Satiriker Martin Sonneborn (M.). Wer engagiert sich in diesen Gruppen? Laut Studie überwiegend "Männer, allein lebend, ohne Kinder, mit beruflich ungewöhnlich großen Freiflächen".