Prozess Der Fall des Oscar Pistorius
Haftstrafe für Oscar Pistorius: Der Sprintstar wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der Bekanntgabe führen Polizisten den 27-Jährigen aus dem Gerichtssaal in Pretoria.
Pistorius verabschiedete sich von seinen Verwandten und...
...wurde mit diesem Wagen ins Gefängnis gebracht.
Hier wird Pistorius eingesperrt: die Haftanstalt Kgosi Mampuru in Pretoria.
Pistorius hatte seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen. Er habe sie für einen Einbrecher gehalten, beteuerte Pistorius. Mit dem Urteil endet der Prozess in einem Fall, der immenses Aufsehen erregt hat. Pistorius (hier vor der Bekanntgabe der Strafe) ist einer der prominentesten Sportler der Welt.
Der beinamputierte südafrikanische Sprinter hat bei den Paralympics und Olympischen Spielen Geschichte geschrieben. Bei den Sommerspielen 2012 in London wird er Achter mit der Staffel (4 x 400 Meter) und kommt als Einzelstarter bis ins 400-Meter-Halbfinale. Bei den Paralympics holt er Gold über 400 und 4 x 100 Meter sowie Silber über 200 Meter.
Das Glamour-Paar: Pistorius mit seiner Freundin Reeva Steenkamp. Die Aufnahme stammt vom 7. Februar 2013. Eine Woche später erschoss er das Model.
Der Tatort: In diesem Haus tötete Pistorius seine Freundin. Die Villa steht in einer umzäunten und mit eigenem Wachschutz ausgestatteten Siedlung von Pretoria. Der 27-Jährige hat sie inzwischen verkauft - wohl auch, um die hohen Anwaltskosten für seinen Prozess zahlen zu können.
Das Opfer: Reeva Steenkamp war in Südafrika ein Star. Die 29-Jährige arbeitete als Model und zierte unter anderem die Titelseite des Magazins "FHM". Ihr Bekanntheitsgrad steigerte sich durch die Teilnahme an der südafrikanischen Version von "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!". 2005 schloss sie ihr Jurastudium mit einem Bachelor of Laws ab, danach arbeitete sie als Rechtsanwaltsfachangestellte und hoffte auf die Zulassung als Rechtsanwältin.
Die Tatwaffe: Mit dieser Pistole, Kaliber 9 Millimeter, gab Pistorius vier Schüsse ab.
Die erste Anhörung: Am Tag nach den tödlichen Schüssen sagte Pistorius vor Gericht kein Wort. Er schluchzte, das Gesicht in beide Hände vergraben. In einem schriftlichen Statement bezeichnete er den Fall anschließend als "schreckliche, schreckliche Tragödie".
Der Beginn des Verfahrens: Am 3. März 2014 startete der Mordprozess gegen Pistorius. Das Medieninteresse war enorm. Mehrere Fernsehsender übertrugen die Verhandlung live. 300 Reporter aus dem In- und Ausland hatten sich angemeldet. Allein im Gerichtssaal befanden sich 80 Reporter, mehr sind nicht zugelassen.
Der Ankläger: Staatsanwalt Gerrie Nel, Ex-Chef der Anti-Korruptionseinheit "Scorpions", ist wegen seiner Hartnäckigkeit und seiner brillanten Rhetorik gefürchtet. Er wird deshalb auch "Bulldogge" genannt. Im Prozess demonstrierte er eindrucksvoll warum.
Der Verteidiger: Barry Roux (l.) ist ein Staranwalt mit jahrzehntelanger Erfahrung. Auch während des Prozesses trat er selbstbewusst und gewieft auf.
Der Angeklagte: Pistorius wirkte vor Gericht meist ernst und bedrückt, schaute häufig zu Boden. Beim Bericht des Pathologen, der den Zustand der verstorbenen Steenkamp beschreibt, brach er zusammen. Pistorius übergab sich sogar. Ebenso heftig reagierte er, als Fotos vom Tatort gezeigt wurden.
Die Toilettentür: Vier Schüsse gab Pistorius auf seine Freundin ab, die er nach eigener Aussage für einen Einbrecher hielt. Roux argumentierte während des Verfahrens, sein Mandant sei ein zu tiefst verängstigter Mensch.
Beweisaufnahme vor Gericht: Dutzende Zeugen wurden gehört, Indizien ausgewertet. Doch was in der Nacht wirklich geschah, weiß nur Oscar Pistorius. Er ist der einzige Augenzeuge.
Der frühere Leiter der zuständigen Polizeidienststelle: Gilliam van Rensburg räumte im Prozess Schlampereien bei der Spurensicherung am Tatort ein. So habe ein Kollege die Tatwaffe ohne Schutzhandschuhe angefasst. Zudem sei eine wertvolle Uhr aus Pistorius' Besitz spurlos vom Tatort verschwunden.
Der demontierte Entlastungszeuge: Geologe Roger Dixon, den die Verteidigung als forensischen Experten benannt hatte, wurde von Staatsanwalt Nel in die Mangel genommen. Dixon musste Ungenauigkeiten und Manipulationen bei Vergleichsanalysen einräumen.
Die psychiatrische Untersuchung: Zwischenzeitlich wurde der Prozess unterbrochen. Richterin Masipa ließ Pistorius 30 Tage in einer psychiatrischen Klinik in Pretoria untersuchen. Das Ergebnis: Der 27-Jährige ist voll schuldfähig.
Die Richterin: Thokozile Masipa ließ sich weder während des Prozesses noch bei der Strafmaßfindung in die Karten schauen. Aufmerksam verfolgte sie die Aussage der Zeugen, wies immer wieder die Medien in die Schranke.
Das Plädoyer des Staatsanwalts: Nel zeichnete von Pistorius das Bild eines waffenverliebten, berechnenden Lügners, der die Wahrheit zu seinen Gunsten verdreht.
Das Plädoyer des Verteidigers: Schritt für Schritt versuchte Roux, die Vorwürfe des Staatsanwalts zu widerlegen. Es gebe genügend Zweifel an der Version der Anklage, um eine Verurteilung wegen Mordes unmöglich zu machen, sagte er zum Abschluss.
Die Richterin folgte schließlich der Einschätzung der Verteidigung: Es war kein Mord. Pistorius wurde von Masipa am 12. September wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Das Foto zeigt die Richterin bei der Bekanntgabe des Strafmaßes am 21. Oktober. Staatsanwaltschaft und Verteidigung können gegen die Entscheidung noch Berufung einlegen. Sie haben dafür bis zu zwei Wochen Zeit.