Radiopiraten - DER SPIEGEL
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Screaming Lord Sutch Rockmusiker und Radiopirat

Laut, lauter, Screaming Lord Sutch: Der Rockmusiker David Sutch legte sich in den sechziger Jahren mit der BBC an und gründete auf einer Luftabwehrfestung vor der Küste den ersten stationären Piratensender des Königreichs. Um den Pseudo-Adeligen zu vertreiben, schickte die Regierung sogar die Kriegsmarine.
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Red Sands, eine der Seefestungen in der Themsemündung. In den sechziger Jahren wurde sie zur illegalen Sendestation. Radio Invicta, Radio King und Radio 390 strahlten hier nacheinander ihr Programm aus.

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Tim Mitchard

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Ein Fan des legendären Radio Caroline im Juni 2006 auf den Redsand Towers vor der Küste von Whitestable. Radio Caroline war einer der ersten britischen Piratensender und beschallte seine Zuhörer von einem Schiff aus mit Rock- und Popmusik. Den Sender selbst gibt es bis heute.

Foto: Getty Images
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Die Häuser aus Stahl, die vor Englands Küste auf Betonbeinen aus der Nordsee ragen, dienten ursprünglich der britischen Luftabwehr. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen sie leer, bis Radiopiraten dort ihre Sendestationen einrichteten - wie auf diesem Geschützturm von Shivering Sands.

Foto: Tim Mitchard
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Mit seinen langen Haaren stach Screaming Lord Sutch aus der Menge britischer Rockmusiker in den sechziger Jahren hervor. Das Foto zeigt ihn im Februar 1965 im Black Cat Club in Woolwich. Wegen seines Outfits und seinen wilden Bühnenshows galt er als Wegbereiter für Schockrocker wie Alice Cooper. So ließ sich Sutch etwa bei seinen Konzerten in einem Sarg auf die Bühne tragen, dem er dann mit Grusel-Make-up entstieg, grüne Flüssigkeit ins Publikum spukte und mit Äxten und Totenschädeln hantierte.

Foto: Pace/ Getty Images
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Ersatzteillager mit diversen Steckern, Schrauben und ähnlichem auf einem der baufälligen Red-Sands-Türme. Die Rundfunkpiraten benötigten viel Improvisationstalent, um ihre selbstgebastelten Sendeanlagen in Betrieb zu halten.

Das Foto wurde von Max Nathan zur Verfügung gestellt.

Foto: Max Nathan
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Lord auf dem Krankenlager: Nach einer Nasen-OP im Februar 1965 posierte der Rockmusiker David Sutch mit einem Rundfunkempfänger am Ohr.

Foto: Getty Images
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Ausgespäht: David Sutch hatte zunächst versucht, sein Radioprogramm von einem alten Fischkutter aus zu senden, dann aber kam ihm eine bessere Idee - er entdeckte die leerstehenden Seefestungen vor der Küste.

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Radio Sutch: Da die BBC ihren Hörern seine Musik nicht zumuten wollte, machte David Sutch als Screaming Lord Sutch kurzerhand sein eigenes Radioprogramm. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Reginald Calvert besetzte er 1964 die alte Seefestung Shivering Sands.

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Die Türme von Shivering Sands: Sie stehen bis heute - die Laufgänge allerdings, die die Stelzenbauten miteinander verbanden, sind verschwunden.

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Schreck der Straße: Mit Leopardenfell und Büffelhörnern schockte David Sutch schon als 18-Jähriger 1959 Londons brave Bürger. Die auffällige Kluft behielt der politisch engagierte Rockmusiker in den folgenden Jahren bei. Das Foto entstand im November 1960.

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Häuslich eingerichtet: Die DJs der Piratensender blieben oft Wochen und Monate auf See. Die Aufnahme entstand in der Küche eines Red-Sands-Turms.

Das Foto wurde von Max Nathan zur Verfügung gestellt.

Foto: Max Nathan
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Auf Sendung: Noel Edmonds, in Großbritannien heute ein bekannter TV-Moderator, war einer jener DJs, die ihre Karriere bei britischen Piratensendern begannen und schließlich zur BBC wechselten.

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Bescheidene Unterkunft: Viel Komfort hatten die Türme nicht zu bieten - weder zu Kriegszeiten, als sie der militärischen Verteidigung dienten, noch während des Angriffs der Radiopiraten auf den staatliche Rundfunk.

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Den Bewohnern der Flaktürme standen jeweils zwei Etagen zur Verfügung.

Foto: Tim Mitchard
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Die Einrichtung in einem ehemaligen Flakturm: Ein Tisch, ein paar Stühle, ein Plattenspieler

Das Foto wurde von Max Nathan zur Verfügung gestellt.

Foto: Max Nathan
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Little Lord: 1975 brachte Thann Rendessy, die Freundin von Screaming Lord Sutch, ihren gemeinsamen Sohn Tristan Lord Gwynne Sutch zur Welt. Trotz des privaten Glücks litt Sutch an Depressionen. 1999, nach dem Tod seiner Mutter, beging er Selbstmord.

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Ausgeflogen: Ein neues Rundfunkgesetz stellte 1967 in Großbritannien die Ausstrahlung unlizensierter Radiosendungen unter Strafe - das Ende für die meisten Piratensender.

Das Foto wurde von Max Nathan zur Verfügung gestellt.

Foto: Max Nathan
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Verlassen: In den fünfziger Jahren hatte das britische Militär die letzten Besatzungen der Maunsell Forts, benannt nach ihrem Architekten Guy Maunsell, abgezogen. Die Besetzung durch die Piratensender betrachtete die Admiralität dennoch als Hausfriedensbruch, verzichtete aber auf die Räumung. Das erledigte 1967 der so genannte Marine Broadcasting Offences Act.

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DJ Paddy Roy Bates ging 1965 mit seinem Piratensender Radio Essex auf dem Knock John Tower auf Sendung.

Foto: Tim Mitchard
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Ganz wie es sich für einen englischen Lord gehört, posierte Lord Sutch auf einem Rolls Royce, auf den der Union Jack gepinselt worden war. Sein vollständiger Name lautete: Screaming Lord Sutch, Third Earl of Harrow. Dabei handelte es sich allerdings um einen Fantasietitel, den er sich als Künstlernamen gegeben hatte. Bürgerlich hieß er schlicht David Sutch.

Foto: Keystone/ Getty Images
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Um dem britischen Rundfunkgesetz zu entgehen siedelte Radiopirat Paddy Roy Bates 1967 von Fort Knock John zum Roughs Tower über, der sich - etwa zehn Kilometer vor Englands Küste - bereits in internationalen Gewässern befand. Seine neue Festung erklärte Bates zum Fürstentum Sealand. Es besteht bis heute - allerdings ohne international als eigenständiger Staat anerkannt zu sein.

Foto: Tim Mitchard
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