Dritte RAF-Generation Spuren des Terrors
Ein Fahndungsplakat aus dem Januar 1985. Damals suchen die Ermittler nach der sogenannten dritten Generation der Roten Armee Fraktion (RAF).
BKA
Der tödliche Anschlag auf Ernst Zimmermann am 1. Februar 1985 gilt als erster Mord der dritten RAF-Generation. Zwei Männer erschießen den Chef des Rüstungskonzerns MTU in seinem Haus in München. Die Täter konnten bis heute nicht ermittelt werden.
Am 8. August 1985 sprechen die RAF-Terroristinnen Birgit Hogefeld und Eva Haule den US-Soldaten Edward Pimental in einer Wiesbadener Diskothek an. Sie locken den Mann in ein Waldstück und töten ihn dort mit einem Schuss in den Hinterkopf. Die Frauen eignen sich seine ID-Card an.
Mit Pimentals Ausweis gelingt es der RAF, einen VW-Passat voller Sprengstoff durch die Kontrollen an der Rhein-Main-Air Base zu schmuggeln. Die Explosion tötet einen US-Soldaten und eine Zivilangestellte. Elf Menschen werden verletzt. Hogefeld und Haule werden für den Mord an Pimental und den Anschlag auf die Air Bases zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Haule wird 2007 entlassen, Hogefeld kommt 2011 frei.
Am 9. Juli 1986 zerfetzt eine ferngesteuerte Bombe das Fahrzeug des Siemens-Vorstands Karl-Heinz Beckurts. Der Manager und sein Fahrer Eckhard Groppler werden bei dem Anschlag in Straßlach bei München getötet. RAF-Mitglied Horst Ludwig Meyer soll an dem Attentat beteiligt gewesen sein. Zu einem Prozess kommt es nie, weil er 1999 bei einem Schusswechsel mit der Polizei in Wien getötet wird.
Zwei Personen erschießen am 10. Oktober 1986 den deutschen Diplomaten Gerold von Braunmühl vor seinem Wohnhaus in Bonn-Ippendorf. Einen Monat später veröffentlichen die fünf Brüder des Opfers einen offenen Brief an die RAF. 1996 besuchen zwei Brüder und ein Sohn des Toten die Terroristin Hogefeld im Gefängnis.
Am 30. November 1989 detoniert eine Bombe neben der Limousine des Deutsche-Bank-Chefs Alfred Herrhausen. Der Sprengsatz befand sich auf einem präparierten Fahrrad am Straßenrand. Herrhausen verblutet, sein Fahrer überlebt leicht verletzt. Die Täter sind bis heute nicht ermittelt worden.
Am 27. Juli 1990 verübt ein RAF-Kommando in Bonn-Auerberg einen Bombenanschlag auf das Auto von Hans Neusel, Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Der Mann überlebte, weil er selbst am Steuer saß, die Bombe aber auf die Beifahrerseite ausgerichtet war. Auch dieser Sprengsatz wurde mit einer Lichtschranke gezündet.
Am 1. April 1990 ermordet ein Scharfschütze den Chef der Treuhandanstalt, Detlev Karsten Rohwedder. Schon der erste Schuss, der aus 63 Metern Entfernung durch das Fenster seines Wohnhauses abgefeuert wurde, trifft ihn tödlich. Eine zweite Kugel verletzt seine Frau. Ermittler finden ein Handtuch am Tatort, eine 2001 durchgeführte DNA-Analyse ordnet ein dort gefundenes Haar dem RAF-Mitglied Wolfgang Grams zu.
In der Nacht vom 26. auf dem 27. März 1993 detonieren rund 200 Kilogramm Sprengstoff auf der Baustelle der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt. Drei Unterkunftsgebäude und der Verwaltungstrakt werden zerstört, der Schaden beträgt mehr als 100 Millionen D-Mark. Verletzt wird niemand. Als Tatverdächtige gelten Daniela Klette, Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg - jene drei RAF-Mitglieder, die 2015 versucht haben sollen, Geldtransporter auszurauben.
Am 25. Juni 1993 sind Dutzende Beamte rund um den Bahnhof in Bad Kleinen in Mecklenburg-Vorpommern im Einsatz. Dort treffen die RAF-Mitglieder Wolfgang Grams und Birgit Hogefeld den V-Mann Klaus Steinmetz. Die Ermittler wollen die Gelegenheit nutzen, um die gesuchten Terroristen festzunehmen. Der Plan misslingt, es kommt zu einem Schusswechsel. Der GSG-9-Beamte Michael Newrzella wird tödlich getroffen, er ist das letzte Opfer der RAF. Grams wird zunächst nur angeschossen, stirbt dann aber doch. Nach jahrelangen Ermittlungen kommt die Justiz zu dem Schluss, dass Grams sich selbst erschossen hat. Hogefeld wird festgenommen.
Am 20. April 1998 geht bei der Nachrichtenagentur Reuters ein Schreiben ein, in dem die RAF ihre Auflösung bekannt gibt. Doch besonders rund um die dritte Generation ranken sich bis heute viele Mythen.
Im Juni 2001 überfallen unbekannte Täter einen Geldtransporter in einem Waldstück in Frankfurt Sachsenhausen. Rund fünf Millionen Mark erbeuten sie. Der Überfall ähnelte einem Millionenraub in Duisburg vor 1999, der auf das Konto der ehemaligen RAF-Terroristen Staub und Klette gehen soll.