Rauchverbot - DER SPIEGEL
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Rauchverbot Vom Sexsymbol zum Kainsmal

Die Zigarette hat Aufstieg und Fall erlebt wie kein anderer Konsumartikel. Selbst in Kneipen gilt verschärftes Rauchverbot, die Ära des Glimmstängels ist endgültig vorbei. einestages zieht Bilanz - und zeigt Tabakwerbung aus einer sorglosen Zeit.
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Verrucht: Wer als Frau rauchte, signalisierte zumindest in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer auch ein Quäntchen Verruchtheit. Hier die Schauspielerin und Gattin von Kurt Weill Lotte Lenya.

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Rauchen verbindet: St. Julien-Zigaretten tun etwas für die Freundschaft über Grenzen hinweg, will dieses Werbeplakat von 1910 sagen. Diese beiden Männer zumindest verstehen sich prima, auch wenn der eine mit Federpuschel & Uniform und der andere mit Anzug & Zylinder beeindruckt.

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Kreuzberger Kind: Muratti klingt nach Sonne und Süden - doch stammt diese Zigarettenmarke aus dem Berliner Kiez Kreuzberg. Die Firma um den griechischen Chef des Unternehmens, Sophokles B. Muratti, setzte konsequent auf Luxus und Eleganz, in den Zwanziger Jahren war die Marke der absolute Star unter den Zigaretten.

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Zylinder-Zigaretten: Eine belgische Zigarettenfirma hat nach dem Zweiten Weltkrieg die Marke "Tophat" kreiert - benannt nach den Zylinder ("top hat") tragenden Erbauern eines amerikanischen Soldatencamps in Antwerpen. Damit spielte das Unternehmen auf die Eigenart der Amerikaner an, ihre Soldatencamps nach Zigarettenmarken wie etwa Camp Chesterfield und Camp Pall Mall zu benennen.

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Feuer und Flamme: Früher war es üblich, dass die berühmte Zigarettendame, mit Bauchladen und Feuer bewehrt, durch die Lokale tingelte. Hier zündet die Kabarettistin und Schauspielerin Ruth Stephan 1955 dem Kabarettist Wolfgang Neuss im Berliner "Rauchfang" eine an.

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Toter Seemann: Frauen, die in den 1920ern in der Öffentlichkeit rauchten, setzten ein Zeichen. "Seht her, ich bin emanzipiert und mache, was ich will!" lautete die Botschaft. Dass diese elegante, um 1925 aufgenommene Dame gerade einen Seemann sterben lässt, war ihr wohl nicht bewusst.

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Exotische Verführung: Ähnlich wie "Salem" setzte auch die Marke "Kalif" auf den Zauber des Orients, zudem legte sie den Zigaretten "wertvolle Stickereien" bei.

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Glückstreffer: Seit 1917 werden die Lucky Strikes in den USA verkauft. Die US-Besatzer machten die Marke nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland bekannt, seit 1960 wurden die zunächst filterlosen Zigaretten von der British American Tobacco produziert. Die Bezeichnung "Lucky Strike" ("Glückstreffer") geht auf die erste Lucky-Werbung zurück: Sie bildete einen in den Himmel gehobenen Hammer ab - Symbol des Fundes eines Goldgräbers.

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Dreh' dir eine: Der Budapester Maler Deszö Végh hat den Entwurf für dieses Modiano-Zigarettenpapier-Plakat gestaltet. Werbeträger ist diesmal keine mondäne Schönheit, sondern ein einfacher Mann, suggeriert werden soll: Rauchen kann sich jeder leisten!

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HB-Täubchen: Bevor die Dresdner Haus Bergmann (HB) Zigarettenfabrik mit dem temperamentvollen HB-Männchen warb, flogen "appetitliche Frische" versprechende Täubchen für die Marke "Privat" durch die Lüfte. Hier die Aufnahme einer Berliner Litfaßsäule aus dem Jahr 1939.

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Salem Aleikum: Legendär ist der Herstellungsort dieser Salem-Zigaretten. Im Stil einer Moschee errichtet, sorgte das Fabrikgebäude der Dresdner Zigarettenfabrik Yenidze Anfang des 20. Jahrhunderts für Furore. Der Name "Salem" ist in Anlehnung an den arabischen Gruß "As Salamu Aleikum" entstanden - ein Hinweis auf den orientalischen Tabak der Marke.

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Schmeckt lecker: Die "Sachsengold" ("Die Zigarette schmeckt!") war ein Erzeugnis der traditionsreichen Cigaretten- und Tabakfabrik Monopol in Dresden. 1895 gegründet, wurde der Betrieb 1945 vollständig zerstört, die Produktion jedoch nach dem Krieg wieder aufgenommen. 1957 drehte Monopol die letzte Zigarette.

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Tradition: Seit 1752 produzierte die Kölner Tabakfabrik Franz Foveaux Tabakwaren. Der Künstler Ernst Lübbert hat dieses Cardinal-Werbeplakat von 1912 gestaltet.

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Take it easy: "Rauchen ist elegant und pustet die Sorgen weg", will diese elegante Dame dem Konsumenten sagen. Anzeige für Lux-Zigaretten aus einer Illustrierten von 1956.

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Denkerstirn: Die Kippe gehörte den Kreativen. Ob Intellektuelle wie Heinrich Böll, Künstler oder Schauspieler - Rauchen verkörperte Muße, Lebenslust und Freigeist.

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Schlankmacher: Die Zigarette half der Operndiva Maria Callas beim Abnehmen. 1953/54 hungerte sich die Sopranistin knapp 30 Kilo von den Rippen, nachdem sie zuvor fast zwei Zentner auf die Waage gebracht hatte.

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Ulknudel: Selbst mit schlanker Zigarettenspitze wirkte Trude Herr noch nicht wirklich elegant - geschadet hat's dem Image der Ulknudel nicht.

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Bösewicht: Im Film, zumal im Stummfilm, ließ sich über das Rauchen eine Vielzahl an Aussagen transportieren. Hier der deutsche Schauspieler Emil Jannings in dem 1925 gedrehten Streifen "Varieté" - klar als Gauner in Szene gesetzt.

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Geselligkeit: Wo man raucht, da lass dich ruhig nieder, will dieses Foto sagen. In Zeiten vor der allgemeinen Raucher-Ächtung galt der Qualmgenuss als untrügliches Indiz für Geselligkeit. Im Zentrum die Schauspielerin Hildegard Knef, links ihre Mutter, rechts daneben (mit Zigarette) Vico Torriani. Im Vordergrund ist der Pianist Ricci Blum am Werk.

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Erkenntnisfördernd: Wie kaum ein anderer verknüpfte Jean Paul Sartre das Paffen mit dem Gestus des Intellektuellen. Der passionierte Bastos-Raucher schrieb dem Tabakgenuss gar eine erkenntnistheoretische Bedeutung zu. In seinem Werk "Das Sein und das Nichts" schilderte er seine Bemühungen, der Zigarette abzuschwören.

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Alphatierchen: Rauchende Politiker wie Helmut Schmidt waren früher keine Seltenheit. Doch nur wenige haben so konsequent an ihrer Sucht festgehalten wie der Bundeskanzler a.D. Er ist nahezu der einzige, der im öffentlichen Raum nach wie vor ungestraft rauchen darf - ob in der Hamburger Bürgerschaft oder im Theater.

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Sissi: Auch Romy Schneider frönte der Sucht - schon mit 16 Jahren begann die schöne Schauspielerin zu rauchen. Das allerdings zunächst nicht vor der Kamera, sondern heimlich.

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Sulima Orient Cigaretten: Ein Originalpäckchen Sulima Record aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, etwa um 1943/44. Die Zigaretten waren mangelbedingt kurz geworden.

Die Größe der Packung ist 53 x 65 x 18 Milimeter (bxhxt). Diese ist noch originalverpackt mit 12 Zigaretten Inhalt und Hakenkreuzsteuerbanderole. Der Original-Stückpreis für eine Zigarette war 3 1/3 Reichspfennig, also 0,40 Reichsmark pro Packung.

Foto: Gerhard Dörries
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Sondermodell Gauloises: 1982 entdeckte ich in Paris diese Zigarettenschachtel - ohne häßliche Warnhinweise, die auf die Graphik keinerlei Rücksicht nehmen.

Foto: Gerhard Dörries
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Manoli Zigaretten: Reklamemarke für Manoli von Lucian Bernhard.

"Lucian Bernhard, eigentlich Emil Kahn (geboren 15. März 1883 in Cannstatt bei Stuttgart; gestorben 29. Mai 1972 in New York City) war ein deutscher Designer der Neuen Sachlichkeit, Typograf, Architekt und erster Professor für Plakatkunst überhaupt. Die Familie von Schriftstilen, die er entwickelte, wird als Bernhard bezeichnet. Kaffee Hag, Pelikan und die Bosch-Zündkerze sind noch heute stilistisch von Lucian Bernhard geprägt." (aus Wikipedia)

Foto: Gerhard Dörries/Reklamemarkensammlung
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Willy Brandt 1962 in Neumünster: Auf einer Wahlkampfveranstaltung für die SPD im September 1962 in Neumünster ließ es sich der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, nicht nehmen, auch beim Signieren von Autogrammkarten die Zigarette weiter am Glühen zu halten.

Foto: Arno Freudenhammer/Hermann Freudenhammer / Neumünster-Fotos.de
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