Raumfahrt - DER SPIEGEL
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Absturz der "Mir" Der letzte Flug

Verbeulte Sonnensegel, defekter Hauptcomputer, verstopfte Toiletten: Nach 1600 Pannen sollte die abgehalfterte Raumstation "Mir" 2001 kontrolliert zur Erde stürzen. Russland-Nostalgiker weinten, Krisenstäbe tagten - der letzte Flug des Weltall-Oldtimers geriet zur Gefahr für die Menschheit.
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Beschädigter Koloss: Friedlich schwebt die "Mir" am 5. Oktober 1997 über der Erde. Nur wer genau hinsieht, kann die beschädigten Solarsegel auf der rechten Seite der Raumstation erkennen. Das Bild wurde aus der US-Raumfähre "Atlantis" aufgenommen. Als die "Mir" während ihres kontrollierten Absturzes am 23. März 2001 in die Erdatmosphäre eintrat, verglühten die Sonnensegel zuerst.

Foto: DPA
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Pannenstation: An Bord der russischen Raumstation "Mir" wurden mehr als 20.000 Experimente gemacht und zahlreiche Rekorde aufgestellt - doch die Menschen erinnerten sich an die "Mir" besonders wegen ihrer Pannen.

Insbesondere im Jahr 1997 sorgte sie für Negativschlagzeilen: Erst brach an Bord ein Feuer aus, dann versagte ein Sauerstoffgenerator, und schließlich kam es zu ersten Kollisionen in der Geschichte der Raumfahrt. Eine Raumfähre rammte die "Mir", beschädigte ein Modul und die Sonnensegel, wie diese Aufnahme aus einer russischen Sojus-Kapsel dokumentiert.

Foto: AP
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Folgenschwerer Unfall: Nach der Kollision eines Raumfrachters mit der "Mir" brach zeitweilig die Energieversorgung zusammen, da bei dem Unglück die zur Stromerzeugung benötigten Sonnensegel beschädigt wurden. Kurz danach versagte der Hauptcomputer - die "Mir" taumelte tagelang führungslos durchs All. Die Amerikaner überlegten danach, ob sie weiterhin die Raumstation nutzen wollten. Das Unglück war kein Einzelfall: In 15 Dienstjahren wurden rund 1600 Pannen registriert.

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Spaß im All: Der kanadische Astronaut Chris Hadfield, Mitte, schwebte kopfüber durch die "Mir", als ihn am 16. November 1995 der kanadische Minister für Industrie, John Manley, anrief. Seine Kollegen Sergei Avdeev, Kenneth Cameron und James Halsell, (von links) blieben dabei eher gelassen.

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Mittagspause: Die Astronauten Vladimir Dezhurov, links, und Gennady Strekalov von der 18. "Mir"-Besatzung genießen im März 2001 eine Weltraummahlzeit. In 15 Jahren gab es insgesamt 28 verschiedene Besatzungen; 104 Astronauten arbeiten an Bord der "Mir".

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Intergalaktische Telefonkonferenz: Der damalige Kommandant der "Mir", Yuri Gidzenko, mit Mikrofon, spricht am 17. November 1995 am Telefon mit UN-Generalsekretär Boutros-Ghali auf der Erde. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion konnte Russland die teure Station kaum noch finanzieren; ohne die Gelder aus anderen Staaten wäre ihr Aus schon frührer gekommen.

Mit Yuri Gidzenko an Bord sind die Astronauten Jerry Ross, Kenneth Cameron und der Kanadier Chris Hadfield, in der vorderen Reihe von links; der Kosmonaut Sergei Avdeev, der Astronaut James Halsell, der Deutsche Thomas Reiter und Astronaut William McArthur, in der hinteren Reihe von links.

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Verbrüderung im All: Der Name der russischen Raumstation "Mir" bedeutet "Frieden". Im Jahr 1995 machte die "Mir" ihrem Namen alle Ehre, als die US-Raumfähre "Atlantis" an die Station andockte - nach 20 Jahren das erste Treffen russischer und amerikanischer Astronauten im All. Auf diesem Nasa-Bild hat die Raumfähre "Atlantis" im April 1996 gerade an der Raumstation "Mir" angedockt.

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Statussymbol der UdSSR: Die "Mir" ging 1986 in Betrieb und war einst der galaktische Stolz der Sowjetunion. Doch die Raumstation verschlang auch horrende Summen. Die jährlichen Betriebskosten für den Unterhalt steigen auf 250 Millionen Dollar, jede Flugsekunde kostete zuletzt neun Dollar. Die Besatzung war zuletzt mehr mit Reparaturen beschäftigt als mit ihren eigentlichen Aufgaben.

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Werbung im All: Für einen Pepsi-Werbeclip posierten die russischen Kosmonauten Yuri Ivanovich, links, und Yuri Vladimarovich Usachev im Mai 1996 auf der "Mir". Der Spot wurde 1997 ausgestrahlt.

Mit solch ungewöhnlichen Methoden, ausgerechnet übernommen aus dem einstigen kapitalistischen Feindesland, wollte Russland, das sich den Unterhalt der teuren Station nicht mehr leisten konnte, Gelder für die Mir rekrutieren. Auch ein anderer spektakulärer Finanzierungsplan scheiterte: die "Mir" zu einem Hotel für Weltraumtouristen zu machen.

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Arbeitsplatz im All: Die Astronauten Michael "Rich" Clifford, links, und Linda Godwin reparieren am 27. März 1996 Teile der Andockstation an der Außenhülle der "Mir". Insgesamt kostete die "Mir" nach offiziellen Angaben seit Inbetriebnahme 1986 rund 4,2 Milliarden Dollar.

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Außenarbeiten: Am 11. April 1998 wagten sich diese beiden russischen Kosmonauten für Reparaturen ins All.

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Über Neuseeland: Die Raumstation "Mir" schwebt über die Cook-Straße an Neuseelands Südinsel - vom Spaceshuttle "Atlantis" aus betrachtet. Die 137 Tonnen schwere Raumstation brauchte nicht ganz 90 Minuten, um die Erde einmal zu umkreisen. In 15 Betriebsjahren flog sie insgesamt 86.331 Erdumdrehungen.

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Kosmonautentraining: Im Raumanzug trainiert der Kosmonaut Sergei Krikalyov, Mitte, im Juli 1997 in einem Pool Reparaturen an einem Modul der "Mir".

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Das Ende der "Mir": Mit unglaublicher Geschwindigkeit rasen Teile der abstürzenden Raumstation am 23. März 2001 über den Himmel von Fidji und stürzen in den Pazifik. Nach 15 Jahren im Dienst verabschiedet sich die ausgemusterte russische Raumstation mit einem Feuerwerk.

Foto: REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?