Rechtsradikale SRP - DER SPIEGEL
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Parteiverbot der SRP Hetze und Marschmusik

Sie glorifizierte Hitler und nannte Gaskammern eine "revolutionäre Methodik": In den Fünfzigern hetzte die Sozialistische Reichspartei gegen die Demokratie und saß sogar im Bundestag. Die Skandale der braunen Truppe hielten das Land monatelang in Atem - und sorgten für das erste Parteiverbot der Republik.
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Prominenz in der Provinz: Otto Ernst Remer war der populärste Vertreter der Sozialistischen Reichspartei, für die er mit skandalösen Auftritten Wahlkampf machte. Nach jeder der Versammlungen, auf denen er oft vor Hunderten Zuschauern sprach, ging Remer mit seinem grünen Hut oder einem Teller durch die Reihen, um Spenden für seine Partei zu sammeln. Das Konzept ging auf - im Volksmund hieß die SRP wegen der Popularität ihres Aushängeschilds auch "Remer-Partei".
br/> Otto Ernst Remer 1949 als Redner auf einer Veranstaltung des SRP-Ortsverbands Uelzen

Foto:

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Hitlers Held: Die Bekanntheit weit über Deutschland hinaus verdankte Remer seiner Karriere im "Dritten Reich". In der Wehrmacht war er bis zum Kommandeur des Wachbataillons "Großdeutschland" in Berlin aufgestiegen, weil er am 20. Juli 1944 die Macht des Diktators gesichert hatte: Remer war mit seinen Einheiten maßgeblich an der Niederschlagung des Putschversuchs der Widerstandsgruppe um Graf Stauffenberg beteiligt. Hitler bewunderte den jungen Offizier, beförderte ihn zwei Mal und ließ ihn in der "NS-Wochenschau" zum Star aufbauen.

Generalmajor Otto Ernst Remer im Januar 1945

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Hetzer vor Gericht: Remers Karriere als Zugpferd der SRP war kurz - schon im März 1952 verurteilte ihn das Schwurgericht Braunschweig wegen übler Nachrede und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu drei Monaten Gefängnis. Remer hatte die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 als Landesverräter bezeichnet. Es war nicht sein letzter Gerichtsprozess: Mehrmals musste er sich wegen Beleidigung, Volksverhetzung und sogar Holocaust-Leugnung verantworten. 1994 floh er vor einer drohenden Haft nach Spanien, wo er 1997 starb.

Otto Ernst Remer am 7. März 1952 auf der Anklagebank des Schwurgerichts Braunschweig

Foto: AP
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Mächtiger Nazi-Gegner: Innenminister Robert Lehr war einer der entschiedensten Widersacher der SRP, die er mit allen Mitteln bekämpfte: Am 4. Mai 1951 verbot der CDU-Minister per Verordnung die SRP-Organisation "Reichsfront", die vor allem für Propaganda, Rednerschulungen und den Ordnungsdienst bei Versammlungen zuständig war. Lehr verklagte auch Otto Ernst Remer: Da der Minister selbst zum Widerstand im Dritten Reich gehört hatte, fühlte er sich von dessen Tiraden gegen die Stauffenberg-Putschisten persönlich angegriffen - und bekam Recht.

Bundesinnenminister Robert Lehr im November 1949

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Krawalle zum Auftakt: Schon die erste offizielle Versammlung der SRP endete im Januar 1950 früh - in einer Saalschlacht. Eigentlich sollten die SRP-Spitzenpolitiker Otto Ernst Remer (rechts mit Stuhl in der Hand) und Fritz Dorls (geduckt links neben ihm) zu ihren Parteigenossen sprechen.

Aufnahme vom 3. Februar 1950 in Glinde bei Hamburg

Foto: dpa
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Führungstrio: Die SRP war ein Sammelbecken von Altnazis, Revanchisten und Hetzern. Das Führungstrio der Partei bestand aus dem Ex-Wehrmachtsoffizier Otto Ernst Remer als Vizevorsitzendem (Mitte), dem ehemaligen SS- und HJ-Mitglied Wolf von Westarp (rechts) als Fraktionschef im niedersächsischen Landtag und Altnazi Fritz Dorls (links) als erstem Parteivorsitzenden.

Die SRP-Gründer Dorls, Remer und von Westharp am 14. August 1952

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Perfider Politiker: Fritz Dorls blieb bis an sein Lebensende überzeugter Nationalsozialist. Am 1. Juli 1929 trat er der NSDAP bei, gründete nach dem Krieg die SRP, deren Vorsitzender er war. Nach dem Verbot seiner Partei floh er ins Ausland und arbeitete für den deutschen Verfassungsschutz in Ägypten. Nach seiner Rückkehr wurde er zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt und fiel später vor allem als Autor rechtsextremistischer Schriften auf. Dorls starb 1995 in Österreich.

SRP-Bundestagsabgeordneter Fritz Dorls im Dezember 1951

Foto: DER SPIEGEL
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Frühe Studentenproteste: An der SRP offenbarte sich schon früh der Generationenkonflikt zwischen belasteten Eltern und Kriegskindern: Am 28. Juli 1950 kam es vor einem Lokal in Berlin zu Krawallen, bei denen etwa 500 Demonstranten, meist Studenten, gegen eine Versammlung der SRP protestierten, auf der auch Otto Ernst Remer sprechen sollte. Angehörige der Nazi-Partei - wie hier mit Schlips in der Bildmitte - lieferten sich daraufhin auf offener Straße Prügeleien mit den Demonstranten.

Aufnahme vom 28. Juli 1950 im britischen Sektor Berlins

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Geheimhaltung als oberstes Prinzip: Die SRP war auf ein Parteiverbot eingestellt. Deshalb gab es etwa keine Mitgliederlisten - um Parteigänger vor Strafverfolgung zu schützen. Die einzigen Dokumente, die die Zugehörigkeit verbrieften, waren die Mitgliedsbücher. Auf diesem Foto verteilt Otto Gantner (vorne im Nadelstreifenanzug) bei Nürnberg Parteibücher an neue Mitglieder. Im Hintergrund hängt die schwarz-weiß-rote Flagge des deutschen Kaiserreichs.

Aufnahme vom 8. September 1951 in einem Wald bei Nürnberg

Foto: AP
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Berühmter Fürsprecher: Die SRP ließ sich von Kriegshelden der deutschen Wehrmacht unterstützen - auch vom Kampfpiloten Hans-Ulrich Rudel. Der war der höchstdekorierte Wehrmachtsangehörige im Zweiten Weltkrieg. Für ihn hatte Hermann Göring eigens das "Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit goldenem Eichenlaub, Schwertern und Brillanten" geschaffen. Nach dem Krieg handelte Rudel mit Waffen, half NS-Verbrechern bei der Flucht und unterstützte rechtsextreme Parteien.

Kampfpilot Hans-Ulrich Rudel 1944 in Wehrmachtsuniform

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Parteigründung: In Kassel kamen im Januar 1950 Mitglieder der rechtsextremen NDP und der Deutschen Rechtspartei zusammen und gründeten die Deutsche Reichspartei, Vorgängerpartei der SRP. Dem Vorstand der neuen Partei gehörte neben Karl Schäfer, links, und Heinrich Leuchtgens, rechts, auch ein gewisser Dr. Franz Richter an - der knüpfte als Bundestagsabgeordneter Kontakte zur SRP, der er im September 1950 beitrat. In der Mitte ist Fritz Rößler zu sehen.

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Aggressiver Redner: Sieben Jahre lang führte "Dr. Franz Richter" ein Leben als Geschichtslehrer - dabei hatte er nie studiert. Unter seinem richtigen Namen Fritz Rößler hatte er die Gauhauptstelle der NSDAP in Sachsen geleitet, getarnt als Franz Richter wurde er nach dem Krieg Mitbegründer der Deutschen Reichspartei (DRP). Als die DRP den vermeintlichen "Richter" ausschloss, trat er im September 1950 zur SRP über - mitsamt seinem Bundestagsmandat.

Fritz Rößler als Redner am 5. März 1950 im Gästehaus der ehemaligen "Reichswerke Hermann Göring" bei Salzgitter auf einer Protestkundgebung gegen die Demontage der Stahlwerke.

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"Richter"-Rößler auf der Anklagebank: Am 2. Mai 1952 verurteilte das Landgericht Bonn den ehemaligen Parlamentarier Fritz Rößler zu 18 Monaten Gefängnis. Er hatte als Dr. Franz Richter für die SRP dem Bundestag angehört und war dort am 20. Februar 1952 verhaftet worden. Rößler hatte seine wahre Identität mit großem Aufwand vertuscht - sogar seine Frau heiratete er ein zweites Mal und adoptierte die eigenen Kinder.

Fritz Rößler auf der Anklagebank im Landgericht Bonn am 2. Mai 1952, rechts im Hintergrund sein Verteidiger

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Initiative des Kanzlers: Nachdem Innenminister Robert Lehr schon seit Mai 1951 für ein Verbot der SRP eingetreten war, sorgte Kanzler Konrad Adenauer (Foto von 1955) für den Anfang vom Ende der rechtsextremen Partei. Im November beriet sein Kabinett über die SRP und stellte beim Bundesverfassungsgericht den Antrag auf ein Parteiverbot.

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Ende eines Polit-Thrillers: Nach dem Verbotsantrag der Regierung dauert es nur wenige Monate bis zum Prozessauftakt. Ein knappes Jahr verging, bis das Bundesverfassungsgericht am 23. Oktober 1952 die SRP verbot und alle Mandate im Bundestag, im niedersächsischen Landtag und in der Bremer Bürgerschaft auflöste. So verlor auch Fritz Dorls (rechts), der letzte verbliebene SRP-Abgeordnete im Bundestag, seinen Platz im Parlament.

Die SRP-Funktionäre Otto Ernst Remer, Wolf von Westarp und Fritz Dorls im Juli 1952 vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.

Foto: dpa
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