Adbuster "Am I dead yet?"
Für Flaschen: Im September 1981 veränderte das "Billboard Movement", eine Splittergruppe der Billboard Liberation Front, diese Alkoholwerbung. "Gordon's Gin - Es macht dich fertig", so ihr "korrigierter" Slogan.
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Keine Wahl: Eine weitere Splittergruppe der Billboard Liberation Front war die "I.R.A.N.T." (engl. "I rant" = ich schimpfe). Der Name, ein Kürzel für "Institut für die Rationale Analyse Nationaler Trends", ließ bereits den akademischen Anspruch der Fraktion erkennen. Kein Wunder also, dass sie bei diesem Plakat aus dem Juli 1989 auf den Philosophen Immanuel Kant verwiesen. Er hatte den Begriff "Heteronomie" - Fremdbestimmtheit - als Gegenbegriff zur selbstbestimmten "Autonomie" geprägt. Aus "Kent. The choice is yours" - Kent. Du hast die Wahl - wurde so: "Kant. Die Wahl ist Fremdbestimmtheit."
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Täuschend echt: Besonderen Wert legen die Adbuster darauf, mit ihren Überarbeitungen möglichst nah an die Aufmachung des Originals heranzukommen. Zu überarbeitende Plakate wurden erst genau inspiziert, Maße der Schriftzüge notiert und Farbproben genommen, bevor die Werbung nach gründlichen Vorbereitungen Tage später modifiziert wurde. In diesem Adbusting aus dem Jahr 2008 wurde täuschend echt die Fußnote "Drink responsibly" - Trink verantwortungsvoll - einer Werbung der Whiskymarke Johnnie Walker modifiziert zu: "Drink yourself blind" - Trink dich blind.
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Leuchtendes Vorbild: Nicht immer beschränkten sich die "Befreiungsaktionen" der Billboard Liberation Front auf Plakate - für dieses aufwendige Adbusting einer Camel-Leuchtreklame aus dem Jahr 2008 wurden gezielt Leuchtröhren abgeklemmt und eigens angefertigte neue Röhren angebracht - Aus "Camel - Genuine Taste" - Camel - echter Geschmack - wurde so "Am I dead yet?" - Bin ich schon tot? Um den Schrecken abzurunden, wurde schließlich hinter dem Kopf des coolen Kamels (rechts) ein durchschimmernder Neon-Totenkopf angebracht.
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Harte Fakten: Das Erstlingswerk der Billboard Liberation Front aus San Francisco entstand am ersten Weihnachtsfeiertag 1977. Die Gründungsmitglieder machten aus dem Slogan "I'm realistic. I only smoke Facts." - Ich bin realistisch. Ich rauche nur Facts/Fakten - den Spruch "Ich bin total krank. Ich rauche nur Facts".
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Abgestürzt: Im März 2000 platzte die Dotcom-Spekulationsblase. Die Börsenwerte zahlreicher Internetunternehmen stürzten ab - das Geld vieler Kleinanleger ging verloren. Die Billboard Liberation Front nahm dies zum Anlass, um in und um San Francisco die Werbeplakate zahlreicher Technologieunternehmen mit Computer-Fehlermeldungen zu versehen.
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Die Axt im Schilderwald: Das Plakat, mit dem alles begann - im September 1977 bekamen Irving Glikk und Jack Napier auf einer Exkursion des San Francisco Suicide Club die Aufgabe, ein Kosmetik-Plakat zu überarbeiten. Aus dem Slogan "Ein hübsches Gesicht ist nicht sicher in dieser Stadt. Wehr Dich - mit 'Self Defense', dem neuen Moisturizer von MAX FACTOR" wurde der Slogan "Wehr dich - mit 'Selbstmisshandlung', dem neuen Verstümmler. Der Axt-Faktor."
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Einfach gut: Im Mai 2005 verübte die Billboard Liberation Front anlässlich des 50. Geburtstags der Fast-Food-Kette McDonald's einen Anschlag auf eine Plakatwand in der Nähe der größten Mc-Donald's-Filiale von San Francisco. Der Slogan "To Serve Man" bezog sich auf eine berühmte Folge der Gruselserie "Twilight Zone" aus den fünfziger Jahren. "To Serve Man" steht dort auf einem Buch, das scheinbar freundliche Außerirdische mit auf die Erde bringen. Zu spät entdecken die Menschen, dass damit jedoch nicht "dem Menschen dienen" gemeint ist, sondern "Menschen servieren". Vor dem schaurigen Poster errichtete die BLF einen Ronald Mc Donald-Roboter, der ein übergewichtiges Kind mit Big Macs fütterte.
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Geht unter wie Öl: Gelegentlich funktionieren Adbuster auch Plakate eines Unternehmens zu einer Persiflage auf ein ganz anderes Unternehmen um. Im Mai 1989 wurde aus einem Werbeplakat in San Francisco für den örtlichen Radiosender X-100 mit dem Slogan "Hits Happen" ein Seitenhieb auf die katastrophale Ölpest, die zwei Monate zuvor durch ein Schiffsunglück des Öltankers "Exxon Valdez" verursacht worden war.
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Getürkte Werbung: In den siebziger Jahren warb die Zigarettenmarke Camel in den USA mit "dem Türken", einer Macho-Werbefigur, die über alles verfügte, was ein Sexsymbol damals benötigte - Schnurrbart, Brusthaare und natürlich immer eine Zigarette im Mund. Im Mai 1978 verpasste die Billboard Liberation Front ihm einen rosa BH. "Wir Männer wollen nicht, dass unsere Körper als Sexobjekte missbraucht werden, mit denen Autos, Zigaretten oder sonst was verkauft werden", so die Presseerklärung der Gruppe.
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Der Wahnsinn: Im September 1996 seilten sich Mitglieder der Billboard Liberation Front vor der größten Reklametafel in San Francisco ab. Auf einem 10 mal 30 Meter großem Plakat der Jeansmarke Levi's überklebten sie das Firmenlogo mit dem gigantischen Antlitz von Charles Manson. Am Tatort hinterließen sie eine schriftliche Erklärung, die anprangerte, diese Jeans würden "von Gefangenen in China zusammengenäht und dann an Gefängnisse in Nord- und Südamerika verkauft".
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Mit Geld spielt man nicht: Im November 2008 machte die Billboard Liberation Front ihrem Frust über die Global Player in der Finanzkrise mit einem Adbusting-Anschlag auf ein Werbeplakat der Wachovia, einer der größten Bankenketten der USA, Luft. Aus dem Slogan "Watch your little ones grow" - Sehen Sie Ihrem kleinen beim Wachsen zu) wurde "Watch your little ones burn".
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Aufgeweckt: In seinem Science-Fiction-Film "Sie leben!" von 1988 zeichnete John Carpenter ein düsteres Bild von einer Zukunft, in der hässliche Außerirdische die Menschen mit unterschwelligen Medienbotschaften fernsteuern. In ihrer Adbusting-Serie "Tribute to 'They Live'" von 2008 zeichnete die Gruppe um den Berliner Street-Art-Künstler Mr.Talion ein düsteres Bild von den unterschwelligen Medienbotschaften, die unter der Oberfläche hübscher Werbeplakate lauern. Die Gruppe reduzierte Adbustings auf Grundbotschaften, die Werbeanzeigen zugrunde liegen - etwa "Obey" - gehorche - oder "Stay asleep" - Schlaf weiter.
Schlechte Karten: Adbusting muss nicht immer auf Plakatwänden stattfinden. Der Streetart-Künstler Mr. Talion fertigte Hunderte gefälschter Kreditkarten mit seinem Namen an, auf denen an Stelle des Visa-Logos "Vice" - Laster - stand. Die Karten legte er wie zufällig verloren auf Straßen und vor Geldautomaten in Großstädten aus.
Das Böse: In ihrer Adbusting-Serie "Tribute to Doom" aus dem Jahr 2009 bauten die Berliner Street-Art-Künstler Mr. Talion, Baveux, Kone und Epoxy Elemente des Computerspiels "Doom" so in Plakate ein, als würde der Betrachter die lächelnden Werbefiguren mit Waffengewalt zum Schweigen bringen.
Sprühfarbe bekennen: 1980 bildete sich in Sydney die Adbusting-Gruppe B.U.G.A U.P. - eine Abkürzung für "Billboard Utilising Graffitists Against Unhealthy Promotions" - Plakatwände nutzende Sprayer gegen ungesunde Werbung. Sie veränderten ausschließlich Werbung für Zigaretten oder Alkohol, da sie ein Werbeverbot durch die australische Regierung erwirken wollten - was ihnen 1994 schließlich gelang. Hier wurde der Slogan "Anyhow, have a Winfield" abgewandelt zu "Man how I hate a Winfield".
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B.U.G.A. U.P.
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Kanzler a.D. ...busting: Eine gängige Methode des Adbusting ist das Hinzufügen von Sprech- oder Denkblasen. So unterhalten sich Kaffee-Models plötzlich über die Produktionsbedingungen ihres Lieblingsgetränks, Marlboro-Cowboys philosophieren über Geschlechterrollen oder Altkanzler Schröder sinniert über Arm und Reich.
Kaugummi gegen Depression: Schon in den dreißiger Jahren existierten Frühformen des Adbusting. In den USA war es vor allem die Satirezeitschrift "Ballyhoo", die während der Depressions-Ära immer wieder Werbeparodien enthielt und ihre Leser auch ausdrücklich zum Umgestalten von Plakaten aufrief. Sogar ein Adbusting-Kartenspiel brachte das Magazin heraus - hier wurde aus dem Kaugummi "Wrigley's Spearmint" die Marke "Sprigley's Queermint" - etwa: Sprigley's verdächtige Minze. Inklusive der Warnhinweise "no flavor" - ohne Geschmack - und "flavor passes" - der Geschmack vergeht.
Pixel statt Pickel: Der Berliner Street-Art-Künstler Epoxy fügte in seiner Adbusting-Serie "Don't forget" Werbeanzeigen die Benutzeroberfläche des Bildbearbeitungsprogramms Photoshop hinzu, mit dem in der Werbebranche Menschen zu übermenschlich makellosen Sexsymbolen aufbereitet werden. Wie den Details der Werkzeugleiste zu entnehmen ist, wurde auf das Gesicht Christina Aguileras in diesem Werbeplakat unter anderem der Filter "Nase minus 20 Prozent" angewandt.
Bild dir deine Meinung... ein: Gegen Ende der neunziger Jahre begann die Werbeindustrie die Adbuster mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Diesel warb mit konsumkritischen Motiven für Jeans, und Sprite überzeugte mit dem Slogan "Das Image ist nichts!" Käufer von den Qualitäten seines Erfrischungsgetränkes. 2010 warb die "Bild"-Zeitung mit kritischen Kommentaren von Prominenten wie Gregor Gysi oder Marius Müller-Westernhagen.
...und dann kam Vera Lengsfeld: Ob es die Kandidatur von Edmund Stoiber war, die auf höchst merkwürdige Art nach einer Kanzlerkandidatin rief? Zumindest folgte Vera Lengsfeld mit ihren Plakaten im Jahr 2009 dieser Aufforderung.