Reli-Streit: Versöhnen und spalten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Reli-Streit Versöhnen und spalten

Der Kulturkampf um den Religionsunterricht in Berlin machte ein kleines Fach zum bundesweiten Politikum. Eine Initiative hat genug Unterschriften gesammelt, um einen Volksentscheid zu erzwingen. Sie fordert: Ethik und Religion sollen fortan gleichwertige Wahlpflichtfächer sein.
1 / 6

Schriftstellerin Julia Franck: Die Autorin lebt in Berlin und ist Mutter von zwei Kindern. Zum Hauptstadtstreit um Ethik- und Religionsunterricht, seit Jahren mit großer Schärfe geführt, warnt sie in einem SPIEGEL-Essay vor einer Zersplitterung unserer Gesellschaft. Und fragt auch: "Was macht in diesem Szenario das neugierige und geneigte, aber konfessionslose Kind?" mehr...

Foto: DPA
2 / 6

Christoph Lehmann, 47, Vorsitzender der Bürgerinitiative "Pro Reli": Der katholische CDU-Politiker hielt am Mittwoch triumphierend ein Schild hoch, das die Zahl der gesammelten Unterschriften zeigt. 307.000 Berliner haben sich nach Angaben der Initiative für ein Wahlpflichtfach Religion ausgesprochen, bisher wurden rund 182.000 Unterschriften als gültig gezählt. 170.000 reichen bereits aus, um einen Volksentscheid einzuleiten.

Foto: DPA
3 / 6

Plakat der Reli-Initiative: Eine Abstimmung in der Hauptstadt ist unausweichlich. In Berlin wird Religion schon seit 1948 als Zusatzangebot an Schulen unterrichtet, ähnlich wie in Bremen. Bisher ist Ethik von der 7. bis zur 10. Klasse Pflicht, Religion dagegen ein freiwilliges Fach. "Pro Reli" fordert nun strikt konfessionellen Religionsunterricht; dabei sollen Schüler sich ab der ersten Klasse zwischen Religion und Ethik entscheiden können.

Foto: DPA
4 / 6

Unterschriftensammlung auf dem Alexanderplatz in Berlin: Mit der Entscheidung für Ethik als Pflichtfach für alle Schüler wollte der rot-rote Senat Staat und Kirche deutlicher trennen. Schüler aller Religionen und Weltanschauungen sollen gemeinsam über Wertefragen sprechen - zumal rund 60 Prozent der Berliner Bürger konfessionell nicht gebunden und Christen klar in der Minderheit sind. Das Bundesverfassungsgericht hat eine Beschwerde gegen das Pflichtfach Ethik abgewiesen.

Foto: DDP
5 / 6

Großer Streit um ein kleines Fach: Dass die Initiative ihr Ziel erreicht hat, steht bereits fest. Die Auszählung und Prüfung weiterer Unterschriften wird bis Anfang Februar dauern. Der evagelische Bischof Huber (dritter von rechts) und der katholische Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky (links) freuten sich über den Erfolg, gemeinsam mit dem Initiator Christoph Lehmann und seinen Kindern Johannes, Matthias, Dorothea und Konstantin.

Foto: DPA
6 / 6

Islamunterricht: Gleiches Recht für alle - wenn die Initiative gewinnt, gibt es konfessionellen Unterricht als Pflichtfach auch für die vielen muslimischen Schüler in Berlin. Wann genau es zum Volksentscheid kommt, steht noch nicht fest. Auch darüber wird jetzt gestritten.

Foto: DDP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?