Religionsparodien - DER SPIEGEL
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Religionsparodien Was zur Hölle!?

Wer's glaubt, wird selig: Gott ist ein Spaghettimonster, die Welt wurde letzten Donnerstag erschaffen und wenn sie untergeht, retten uns die Sexgöttinnen vom Planeten X. einestages präsentiert unglaubliche Satire-Kirchen und ihre göttlichsten Mythen.
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Habemus Pasta: Die Idee zur Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters, auch Pastafarianismus genannt, entstand 2005 in einem Brief des 24-jährigen Bobby Henderson an das Erziehungsministerium von Kansas. Henderson protestierte gegen das Vorhaben, die fundamentalistisch-christliche "Intelligent Design"-Theorie amerikanischer Kreationisten in Schulen alternativ zur Evolutionstheorie zu lehren. Er erklärte, er glaube, dass ein fliegendes Spaghettimonster die Welt erschaffen habe. Da das ebenso gut belegt sei wie die Ansichten der Kreationisten, verlange er, dass ihm ein Drittel des Unterrichts zur Entstehung der Welt eingeräumt werde. Hendersons Theorie verbreitete sich blitzartig im Internet.

Das Foto wurde von www.itchstudios.com zur Verfügung gestellt.

Foto: Niklas Jansson/itchstudios.com
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Gewaltorgien im Klötzchen-Look: Im Oktober 2001 begann der Atheist Brendan Powell Smith, die Bibel vollständig neu zu illustrieren - indem er Szenen aus Bibelgeschichten mit Lego-Steinen und -Figuren nachbaute und fotografierte. Er veröffentlichte die Bildergeschichten auf einer Website namens "The Brick Testament" (das Klötzchen-Testament). Die Bebilderung ist dennoch alles andere als niedlich und kindgerecht: Mit größter Detailliebe baut Smith nämlich jene Bibelpassagen mit bunten Klötzen nach, die besonders sex- und gewalthaltig sind und untertitelt sie mit schwarzhumorigen Texten. So erklärt etwa ein römischer Soldat Jesus vor dessen Kreuzigung: "Falls du zum ersten Mal gekreuzigt wirst - das funktioniert so…"

Das Foto wurde von Brendan Powell Smith zur Verfügung gestellt.

Foto: The Brick Testament
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Religionsgründer wider Willen: 1998 trat Jeff Bridges in der Komödie "The Big Lebowski" als charmanter Althippie Jeff "Der Dude" Lebowski auf. Auch wenn der Film an den US-Kinokassen zunächst nur mäßigen Erfolg hatte, sollte die Rolle des nihilistischen Kiffers dem Schauspieler zu einem Comeback verhelfen - und ihn sogar zum Kirchenvater machen.

Foto: ddp images
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…dem "Dude" wurde schließlich eine eigene Religion gewidmet: 2005 gründete der in Thailand lebende Journalist Oliver Benjamin die Glaubensgemeinschaft des "Dudeismus" - eine krude Mischung aus Daoismus, den Lehren Epikurs und dem tiefenentspannten Gammler-Weltbild des "Dude". Die Kultfilm-Religion wurde so bekannt, dass Volkswagen 2009 sogar einen Kino-Werbespot mit Benjamin drehte, in dem er seinen Glauben erläutert - und verspricht: "Wenn wir alle etwas mehr Dude in unser Leben lassen, machen wir die Welt zu einem besseren Ort."

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Furcht ist die Antwort: Die "Kirche der Angst" ("Church of Fear", COF) wurde zu Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 von dem Regisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief sowie acht weiteren Initiatoren als offenes Angstbündnis gegründet. Erstmals war sie bei der 50. Biennale in Venedig präsentiert worden. Die künstlerisch-satirische Protestkirche will die Auseinandersetzung mit der systematischen Verbreitung von Angst durch Kirche und Staat fördern.

Foto: dpa
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Gott des Rock'n'Roll: Auch Jahrzehnte nach seinem Tod wird Elvis Presley von zahllosen Rock'n'Roll-Jüngern noch immer mit religiösem Eifer verehrt - wie diesem Presley-Imitator auf dem allährlichen Elvis-Festival im australischen Parkes im Jahr 2007. Die 1988 in den USA gegründete First Presleyterian Church of Elvis the Divine dachte diesen Kult konsequent zu Ende und widmete dem "King" eine eigene Religion. Ihre Anhänger feiern den Monat vom 8. Dezember bis zum 8. Januar (Presleys Geburtstag) als heiligen Monat - mit völliger Maßlosigkeit und Partys. Von Mitgliedern wird verlangt, wenigstens einmal im Leben eine Pilgerfahrt nach Graceland zu absolvieren.

Foto: Getty Images
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Die Jedi-Ritter schlagen zurück: 1999 erklärte George Lucas im Interview mit Bill Moyers, er habe mit seinen "Star Wars"-Filmen die Absicht verfolgt, "Spiritualität in jungen Menschen zu wecken". Es gelang ihm besser, als er je hätte ahnen können: Die religiöse Bewegung des Jediismus glaubt an die Existenz der mysteriösen "Macht" aus den "Star Wars"-Filmen. Ihre Anhänger, die Jedi, leben gemäß der moralischen Prinzipien der Jedi-Ritter aus Lucas' Science-Fiction-Epos. Notfalls auch, wenn sie dafür vor Gericht gehen müssen: 2009 wurde ein britischer Jedi aus einem Supermarkt geworfen, weil er sich weigerte, die Kapuze seiner Jedi-Robe abzulegen, 2010 widerfuhr das gleiche Schicksal einem seiner Glaubensbrüder in einem Arbeitsamt in Essex. Beide gingen gerichtlich gegen die religiöse Diskriminierung vor, die ihnen widerfahren war.

Foto: ddp images
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Wir sind Papst! 1958 begründeten die Autoren Gregory Hill und Kerry Thornley mit ihrem Buch "Principia Discordia" den Diskordianismus - der sich zugleich als Religionsparodie und als Religion versteht. Jeder Mensch ist nach diesem Glauben ein Papst des Diskordianismus' - weshalb auch auf Seite 00036 des Buches eine offizielle Papst-Karte eingefügt ist, die frei kopiert und verteilt werden darf. Bekannt wurde der Diskordianismus durch Robert Anton Wilsons Romantrilogie "Illuminatus!"

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Göttliche Komödie: 2008 erschufen die beiden britischen Komödien-Drehbuchautoren Peter Serafinowicz und Robert Popper die Religion des Tarvuismus. Auf ihrer Website tarvu.com erklären sie in religiösen Werbeclips die Grundlagen des Glaubens: So geht der Tarvuismus davon aus, dass zwei Universen parallel existieren und jeder aus diesem Universum einen unsichtbaren Wächter aus dem Paralleluniversum hat. Gläubige Tarvuisten verehren Kraken als heilige Tiere.

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Zum Glauben verdonnert: Glaubt man den Anhängern des Last Thursdayism, ist nicht nur dieses vermeintlich in der Hochrenaissance geschaffene Deckenfresko erst am vergangenen Donnerstag entstanden - auch die darin dargestellte Szene aus der Schöpfungsgeschichte erblickte erst vergangenen Donnerstag das Licht der Welt. Der Last Thursdayism entstand im November 1992 in der Usenet-Diskussionsgruppe talk.origins - als satirische Antwort auf die fundamentalistisch-christliche Omphalos-Hypothese. Sie erklärte, Adam und Eva hätten deshalb Bauchnabel (griechisch: omphalos) gehabt, da Gott sie bereits fertig mit künstlichen Spuren ihrer Geschichte erschaffen habe, genau wie er Bäume bereits mit Jahresringen geschaffen habe. Der Last Thursdayism hält dem entgegen, die gesamte Welt - inklusive der Erinnerungen aller Menschen, historischen Artefakte und Fossilien - sei erst vergangenen Donnerstag genau so geschaffen worden. Als ketzerische Splittergruppen der Religion gelten der Last Wednesdayism und der Last Fridayism.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Hermann Buresch
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Mammutprojekt mit Schönheitsfehlern: Ende der achtziger Jahre brachten amerikanische Kreationisten die pseudowissenschaftliche Theorie des Intelligent Design auf. Ihr zufolge kann das Leben auf der Erde nur durch die Existenz eines intelligenten Urhebers dieses Lebens erklärt werden - Gott. Der Atheist Mark Perakh nahm diese Theorie mit einer satirischen Gegentheorie auf die Schippe - die des Unintelligent Design: Ihr zufolge zeigt sich in konzeptuellen "Mängeln" von Lebewesen, die etwa auch zum Aussterben von Tieren wie dem Mammut geführt haben, ein mangelhafter Entwurf des Lebens, der nicht in Einklang gebracht werden kann mit christlichen Vorstellungen von einem unfehlbaren, allwissenden Gott.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Alfredo Dagli Orti
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Allsehendes Katzenauge: Seit sich 2006 der "Lolcat"-Internetkult um niedliche Katzenfotos mit orthografisch falschen Bildunterschriften bildete, haben Tausende Lolcat-Fotos das Internet überflutet. Eines davon sollte jedoch eine eigene Religion nach sich ziehen: Die "Ceiling Cat" war ursprünglich nur das Foto einer Katze, die neugierig durch ein Loch in einer Zimmerdecke schaute. Über die Zeit erschien das Bild in so vielen Variationen mit Texten, die über die verschiedenen Tätigkeiten spekulierten, bei denen man stets von Ceiling Cat beobachtet werde, dass ein Mythos um die allwissende Katze in der Decke entstand. Inzwischen wird im Internet von ihren Fans an einer Bibelübersetzung gearbeitet, in der Ceiling Cat die Rolle Gottes einnimmt, während ihr Gegenspieler "Basement Cat", eine schwarze Katze im Keller, das Böse verkörpert.

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Religion ohne Gott: 1981 gründeten Mitglieder der britischen Bands Coil, Current 93 und Psychic TV Thee Temple ov Psychick Youth, eine Mischung aus Religion und Künstlerkollektiv. Die Gruppe versteht sich nach eigener Aussage als Religion "ohne endgültige Antworten und Dogmen". Sie verehrt keine Gottheiten, glaubt aber an "entmystifizierte Magie" und verfolgt das Ziel "Kontrolle auf jeder Ebene zu zerbrechen". Bekanntestes Mitglied der Kirche wurde der britische Performance-Künstler Genesis P-Orridge, hier 2006 bei einem Auftritt mit seiner Band Psychic TV in London. P-Orridge verließ die Gemeinschaft in den frühen neunziger Jahren, im Jahr 2008 wurde die Organisation aufgelöst.

Foto: Getty Images
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Gottesdienst mit Yetis: "Morgen endet die Welt - und du könntest dabei sterben!", titelte wenig hoffnungsfroh das Pamphlet, mit dem der Texaner Ivan Stang, hier bei einer Predigt im Oktober 2009, im Jahr 1979 die "Church of the SubGenius" gründete. Zum Ende der Welt kam es zum Glück nicht - und so fand ihre Nonsens-Religion immer mehr Sympathisanten, darunter Prominente wie Frank Zappa und Robert Crumb. Die "SubGenii" behaupten, nicht vom Affen, sondern vom Yeti abzustammen und verehren die Pfeife rauchende Kunstfigur J.R. "Bob" Dobbs - den angeblich "erfolgreichsten Geschäftsmann aller Zeiten" - wie einen Heiligen. Besonders geschäftstüchtig ist auch das Garantieversprechen der Kirche: "Ewige Erlösung - oder Geld zurück in dreifacher Höhe!"

Foto: pdxdevival.com/Klintron
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Newsportal für Hexenjäger: Schon seit 1620 rettet die "Landover Baptist Church" nach eigenen Angaben mit 412 Mitarbeitern vom Nest Freehold in Iowa aus die Seelen der Gläubigen in aller Welt - und hält sie mit ihrer News-Website stets auf dem Laufenden: etwa mit Anleitungen zur Bücherverbrennung, Tipps aus der Bibel für die Kriegsführung im Nahen Osten oder Hinweisen, wie man mittels richtiger Ernährung von Babys verhindern könne, dass diese später schwul werden. Natürlich ist Freehold in Wirklichkeit eine rein fiktive Gemeinde und die Website eine bitterböse Satire auf christlichen Fundamentalismus in "God's own country". Erfunden worden war die Religionsparodie von dem Amerikaner Chris Harper - nachdem dieser 1989 wegen einer satirischen Radiosendung von der christlichen Liberty University in Lynchburg geflogen war.

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Geist in der Maschine: Ende der neunziger Jahre entwickelte sich zwischen den Benutzern der Texteditorprogramme vi und Emacs eine wachsende Rivalität - die schließlich in den sogenannten Editorkrieg mündeten. Bis heute streiten Anhänger der beiden Anwendungen so verbissen wie augenzwinkernd darüber, welches Programm das überlegene sei. Der Wettstreit mündete schließlich darin, dass Richard Stallman - einer der Entwickler von Emacs, die Church of Emacs gründete, eine Gruppe, die das von ihm geschaffene Programm kultisch verehrt. Sie verachten vi als den "Editor des Teufels", da die römische Zahlenkombination vi-vi-vi für 666, die Zahl des Teufels, stehe.

Foto: REUTERS
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Teezeit für Atheisten: Um zu veranschaulichen, dass die Beweispflicht für die Nicht-Existenz eines Gottes nicht bei den Atheisten liegt, sondern umgekehrt die Pflicht für einen Beweis seiner Existenz bei den Gläubigen, schuf der walisische Philosoph Bertrand Russell 1952 die Idee der Kosmischen Teekanne. Wenn er behaupten würde, so Russell, irgendwo zwischen Erde und Mars befinde sich eine Teekanne in einer Umlaufbahn um die Sonne, so könne er nicht erwarten, dass andere ihm das glauben - nur, weil sie es nicht widerlegen können.

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