Renate Künast: Grüne Doppelspitze - DER SPIEGEL
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Renate Künast Grüne Doppelspitze

"Klasse statt Masse": Als Verbraucherministerin setzt sich Renate Künast gegen große Widerstände für eine Wende in der Agrarpolitik ein. Für einen Wechsel auf der Regierungsbank kämpft sie 2009 als Duo mit Jürgen Trittin.
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Renate Künast wird 1955 in Recklinghausen als eines von vier Kindern einer Lehrerfamilie geboren. Sie besucht gegen den Widerstand ihrer Eltern die Realschule und anschließend die Fachoberschule für Sozialwesen. Später studiert sie an der TU Berlin Jura, arbeitet parallel als Sozialarbeiterin weiter. 1985 legt sie das Zweite Staatsexamen ab. Ihre politische Laufbahn beginnt 1979 mit dem Eintritt in die ein Jahr zuvor gegründete Berliner Grün-Alternative Liste.

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Künast handelt im September 1998 für die Grünen die Koalition mit der SPD aus - und damit auch den Atomausstieg. Weil ihre Partei nur drei statt der vier gewünschten Ministerien bekommt, wird die Juristin nicht Justizministerin. Im Juni 2000 wählen die Grünen die pragmatische Parteilinke und Fritz Kuhn zu ihrer neuen Doppelspitze. Weil beide zuvor mit ihrem Versuch gescheitert waren, die in der Partei übliche Trennung von Amt und Mandat abzuschaffen, muss sie als Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus zurücktreten.

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Ende 2000 wird als Antwort auf Kompetenzgerangel und Unklarheiten im Umgang mit der Rinderseuche BSE das Bundesministerium für Verbraucherschutz eingerichtet. Künast wird Ministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, ruft unter dem Motto "Klasse statt Masse" eine Wende in der Agrarpolitik aus. Sie setzt sich für eine ökologische Landwirtschaft und die Einführung des europäischen Bio-Siegels in Deutschland ein - und kämpft gegen den allzu sorglosen Einsatz von Gentechnik sowie gegen das Übergewicht bei Kindern.

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Die Verbraucherministerin mit Kanzler Gerhard Schröder 2002 im Bundestag: Nach BSE und Maul-und-Klauen-Seuche erschüttern Skandale um verseuchte Lebensmittel die Republik. So gelangt zum Beispiel mit dem Pflanzengift Nitrofen verseuchtes Getreide in die Nahrungskette, sowohl Bio- als auch konventionell hergestellte Produkte sind betroffen. Künast macht "alte Strukturen" im Agrarbereich dafür verantwortlich.

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Ein "Verbraucherinformationsgesetz" soll für Aufklärung sorgen, Bürger sollen Zugang zu staatlichen Kontrollergebnissen erhalten. Das Gesetz wird nur teilweise beschlossen, ein von Künast vorgesehener Auskunftsanspruch gegenüber Unternehmen wird gestrichen. Viele Bauern lehnen Künasts Agrarwende ab, sie kritisieren die Bevorzugung des Öko-Landbaus. Mit ihrem Vorhaben, die Käfighaltung von Legehennen zu verbieten, scheitert Künast.

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Erfolgreich ist ein Gesetz, nach dem Bauern, deren Felder durch Pollenflug von gentechnisch veränderten Pflanzen verunreinigt werden, eine Entschädigung erhalten. Auch findet sich Künasts Haltung zu EU-Agrarsubventionen - weg vom Kriterium der Anbaufläche hin zu Umweltfreundlichkeit - teilweise in der EU-Politik wieder. Nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 landen die Grünen in der Opposition, Renate Künast und Fritz Kuhn übernehmen den Fraktionsvorsitz.

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Im März 2008 wählen die Grünen Renate Künast und Jürgen Trittin mit 92 Prozent der Stimmen zu ihren Spitzenkandidaten für die anstehende Bundestagswahl. Im Juni 2009, 100 Tage vor der Wahl, stellt das Duo der Großen Koalition ein schlechtes Zeugnis aus: "Schwarz-Rot ist zu einer Lebensversicherung geworden für Spritfresser und Kohlekraftwerke." Außerdem kritisieren sie Kleinstaaterei in der Bildungspolitik.

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Die Grünen ziehen mit dem Slogan "Aus der Krise hilft nur Grün" und der Forderung nach einem "Green New Deal" in den Wahlkampf, sie wollen mit Zukunftstechnologien Jobs schaffen. Vor allem in den Städten schneiden die Grünen bei der Wahl zum Europaparlament gut ab. Künast - hier im Juni 2009 auf dem Christopher Street Day in Berlin - ist sich deshalb laut "taz"-Bericht sicher: "Das neue Bürgertum wählt grün."

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?