Reporterlegende Terzani - DER SPIEGEL
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Reporterlegende Terzani Die Bilder des Reisenden

Abenteurer, Philosoph, Kriegsreporter: Für den SPIEGEL berichtete Tiziano Terzani 30 Jahre aus Asien. Jetzt erscheint ein Bildband über das Leben des legendären Journalisten. einestages zeigt exklusiv eine Auswahl der besten Bilder und sprach mit seinem Sohn Folco über die Faszination Asiens und das Vermächtnis des berühmten Vaters.
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Der Reisende: Tiziano Terzani im Juni 1995 auf einem Pony im Himalaja-Gebirge im ehemaligen buddhistischen Königreich Mustang, heute Nepal. Terzani, geboren in Florenz, studierte in New York Sinologie, bevor er beim italienischen Schreibmaschinenhersteller Olivetti arbeitete. Anfang der siebziger Jahre ging er mit seiner Familie nach Asien und berichtete unter anderem für den SPIEGEL aus Krisengebieten. Er wurde zu einem der weltweit angesehensten Journalisten, obwohl er den Beruf nie gelernt hatte. Mit gerade 58 Jahren wurde bei Terzani Krebs diagnostiziert, seine letzten sieben Jahre verbrachte er abgeschieden im Himalaja. Auf seinem Grabstein stand - nach seinem eigenen Wunsch - Tiziano Terzani, Reisender.

Foto: Archiv Terzani
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Das Ende - der Anfang: Mitte der neunziger Jahre erfuhr Tiziano Terzani, dass er an Krebs erkrankt war. In den USA bekämpfte er die Krankheit zunächst rücksichtslos, dann wurde ihm die Aussichtslosigkeit bewusst. Bis 2004 lebte er fortan zurückgezogen in einer Hütte im Himalaja. Hier habe er "endlich Zeit zum Zeithaben" gefunden, schrieb er. Mit ihm in der Einsamkeit: ein alter Inder und zwei Krähen, die ihn jeden Morgen begrüßten: "Reis und Gemüse bereite ich mir auf einem Gaskocher zu und achte dabei darauf, das benutzte Streichholz nicht wegzuwerfen. Man lernt schnell, auch den kleinsten Dingen ihren Wert beizumessen." Terzani starb 2004 in seiner Heimat Italien. Vorher entstand in langen Gesprächen mit seinem Sohn...

Foto: Archiv Terzani
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... die Bilanz seines Lebens - "Das Ende ist mein Anfang": Das Gespräch über sein Leben und Sterben, das Tiziano Terzani kurz vor seinem Tod mit seinem Sohn Folco in Orsigna, Italien, führte, wurde 2007 ein internationaler Bestseller.

Foto: Archiv Terzani
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"Wunderbares China": Auf seiner Reise entdeckte Tiziano Terzani "ein wunderbares, menschliches China, ein China, auf das ich nie viele Gedanken verschwendet hatte und das doch so viel echter und außergewöhnlicher war als das Land, das die Parteifunktionäre und die regimetreue Presse der Außenwelt präsentierten", schreibt Tiziano Terzani in dem 2010 veröffentlichten SPIEGEL-Buch "Meine asiatische Reise". Das Foto wurde in den achtziger Jahren in einem Park in Peking aufgenommen.

Foto: Archiv Terzani
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"Schule des duftenden Grases": Fünf Jahre lebte Tiziano Terzani mit seiner Familie in Peking. Seine beiden Kinder Folco, Mitte vorne, und Saskia besuchten die "Schule des duftenden Grases" - und das, obwohl sie sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hatten. Folco berichtet im Gespräch mit einestages über System der gegenseitigen Überwachung in der Schule, über öffentliche Bloßstellungen und Sportspiele mit Handgranaten-Attrappen. Doch der Vater Tiziano hatte an die Kinder die gleichen Ansprüche wie an sich selbst. Nur wenn man unter den Menschen lebte und so lebte wie sie, könne man sie richtig kennen- und verstehen lernen. Schon nach einem halben Jahr sprachen die Kinder besser Chinesisch als ihr Vater.

Foto: Archiv Terzani
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Geplatzte Träume: Im Januar 1980 kam Tiziano Terzani in China an. Als "das große Abenteuer" bezeichnete Terzani seine Reise ins "Reich der Mitte", die er als Priviligierter antrat. Der Italiener gehörte zur ersten Gruppe Journalisten, die seit 1949 in China leben und arbeiten durften. Schon bald nach seiner Ankunft wurde ihm klar, "dass die Wirklichkeit längst nicht so schön war" wie seine Träume. Er hoffte, eine besondere Form des Sozialismus zu finden, aber er erkannte: "Was ich fand, waren die Trümmer eines gescheiterten Experiments."

Foto: Archiv Terzani
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Lächeln für den Wächter: Wer in den achtziger Jahren durch China reiste, besichtigte Rathäuser, Kindergärten, Fabriken, Universitäten - Schauplätze des Sozialismus. Und wer wie Tiziano Terzani auch noch in China als Journalist arbeitete, musste damit rechnen, dabei auf Schritt und Tritt beobachtet zu werden. "Ein großer, kräftiger junger Mann, den ich bereits als meinen Wächter ausgemacht habe, folgt mir auf Schritt und Tritt. Im Hotel habe ich ihn kurz umarmt, um festzustellen, ob er eine Pistole im Gürtel trägt. Er hält sich stets zehn Meter hinter mir. Als ich in den Laden eines Barbiers trete, bemerken ihn auch die Leute dort und blicken vielsagend zu ihm hinüber", schreibt Terzani.

Foto: Archiv Terzani
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Hängendes Kloster: Das Xuangkong Si wurde im 6. Jahrhundert mitten in eine Felswand gebaut. Heute noch wandern Pilger zu dem "Hängenden Kloster", das fünf Kilometer außerhalb der Kreisstadt Hunyuan im Norden der chinesischen Provinz Shanxi liegt. "Es ist eine sagenhafte Erfahrung", beschreibt Tiziano Terzani seinen Besuch des Klosters.

Foto: Archiv Terzani
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Friedhof von Qufu: Hinter dem Stadttor Qufu, gelegen in der ostchinesischen Provinz Shandong, entdeckte Tiziano Terzani einen riesigen Park mit einem Friedhof. Hier liegen Konfuzius und 74 Generationen seiner Nachfahren beerdigt. Terzani war entsetzt über die Auswüchse, die Maos Kulturrevolution annahm. "Qufu [...] wurde von Vandalenbanden verwüstet. Im Namen der Revolution zündeten sie Tempel an, vernichteten die unschätzbaren Sammlungen der Museen [...]."

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"Ein großartiges Volk": "So schäbig, verlottert und heruntergekommen all diese Geschöpfe sind - es ist ein großartiges Volk", urteilte Terzani über die Chinesen. Auf engstem Raum lebten die Familien in den achtziger Jahren zusammen - die Schlafstätte befand sich oft direkt neben der "Küche", der Feuerstelle, die auch das Heim heizt. Es war ein China "aus einem anderen Jahrhundert", urteilt Tizianos Sohn Folco heute.

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Schildkröten-Verkäuferin: Auf dem Markt von Hunyuan in der chinesischen Provinz Shanxi verkauft eine alte Frau Schildkröten und erzählt von dem Ursprung dieses Tieres. "Die Schildkröte kennt die Geheimnisse des Himmels und der Erde", sagt sie.

Foto: Archiv Terzani
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Die Kuh und der Krieg: Von 1972 bis 1975 reiste Tiziano Terzani durch Vietnam, "um den Krieg und die Revolution zu begreifen", wie er selbst sagte. "Was mich so erschütterte, war der Widerspruch zwischen der einfachen, ja archaischen vietnamesischen Gesellschaft und der Modernität, die der Krieg ihr aufzwang."

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Hungeropfer in Kambodscha: 1980 durfte SPIEGEL-Korrespondent Terzani nach Pol Pots Sturz als einer der ersten westlichen Journalisten Kambodscha bereisen. Auf einer Wanderung durch den Dschungel machte er diese erschütternde Aufnahme von Rot-Kreuz-Helfern, die nahezu verhungerte Kambodschaner, darunter auch Kinder, versorgen. "Wie große abgeschossene Vögel lagen sie dort in der prächtigen tropischen Natur, getroffen von jener altbekannten und von uns doch mittlerweile vergessenen Katastrophe namens Hunger."

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Der Umsturz: Vietcong-Soldaten haben in Saigon, heute Ho-Chi-Minh-Stadt, die Statue eines Soldaten bestiegen. Kurz darauf wurde das Standbild gestürzt. Terzani hielt die Aktion mit seiner Kamera fest.

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Sympathisant des Vietcong: Vietcong-Rebellen fahren 1975 mit ihren Panzern die Rue Catinat in Saigon herunter und nehmen die vietnamesische Stadt ein. Tiziano Terzani war Zeuge dieses historischen Moments, mit dem der jahrelange Krieg zu Ende ging. "Ich brach in Tränen aus", erinnert sich Terzani. Er jubelte mit den Vietcong, bei denen er zuvor auch im Dschungel Zeit verbracht hatte. "Meine Helden" nannte der Kriegsreporter die Nordvietnamesen.

Foto: Archiv Terzani
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Lhasa: 1980 hielt sich Tiziano Terzani in Tibet auf. Lhasa sei "einer jener Orte, an denen du das Göttliche in dir spürst". Als er auf die Altstadt "mit all ihrem Gold" herunterblickte, habe er "einen Moment tiefen Glücks" empfunden.

Foto: Archiv Terzani
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Ideologische Brüder: Ein Tibeter 1980 im Hochplateau von Lhasa vor den Porträts von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Zedong.

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Japan: Am 7. Januar 1989 starb Gott-Kaiser Hirohito. Nach Verkündung des Todes spielten sich auf dem Platz vor dem Palast in Tokio Trauerszenen mit "ritueller Theatralik" ab, erinnert sich Terzani. Ansonsten hatte Terzani in Japan "eine schreckliche Zeit", erinnert sich sein Sohn Folco. Sein Vater sei depressiv geworden - in einem Land, das den arbeitenden Menschen zu einem Leben im Akkord verurteile. Zum ersten Mal habe sich Tiziano statt in weiß komplett in schwarz gekleidet, äußerer Ausdruck der eigenen Stimmung.

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Der Rambo-Fan: In den achtziger Jahren kam es nach dem Ende der Marcos-Diktatur immer wieder zu politischen Unruhen auf den Philippinen, die Terzani zwischen 1972 und 1994 immer wieder bereiste. Auf dem Bild instruiert Oberst Kalida seine bewaffneten Bandenmitglieder - inspiriert von Sylvester Stallone, dessen Foto hinter seinem Schreibtisch steht. Jahre später wird der Chef der Todesschwadronene selbst von kommunistischen Guerilla-Kämpfern aus dem Hinterhalt erschossen.

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Junge Mutter in Laos: Von 1972 bis 1994 erkundete Terzani das tropische Asien. Indochina habe er "mit jeder Faser seines Körpers genossen". Dieses Foto einer jungen Mutter schoss er in Laos.

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Mustang: 1995 fuhr Tiziano Terzani nach Mustang. Das ehemalige buddhistische Königreich im Himalaja gehört heute zu Nepal. Mitten in der Einöde stieß er auf diesen "stupa" - eine aus Steinen gebaute Stätte mit den Reliquien buddhistischer Heiliger.

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Glaubenserziehung: Kinder beten in einer Schule, aufgenommen 1995 in Mustang.

Foto: Archiv Terzani
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