Restaurant Waffenschmied: Sushi in Suhl DDR - DER SPIEGEL
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Japanisches Restaurant in Suhl Sushi made in DDR

Zwei Jahre Warten auf einen Tisch, eine Monatsmiete für ein Menü - und doch immer ausgebucht: Rolf Anschütz' "Waffenschmied" war das einzige japanische Restaurant der DDR. Bei einestages erinnert sich sein Sohn an Teilzeit-Geishas, rituelles Nacktbaden - und Promi-Gäste aus dem Westen.
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Japan im Thüringer Wald: Rolf Anschütz stammte aus einer Gastronomenfamilie. Bereits seine Eltern hatten Restaurants geführt, Anschütz lernte Koch und Kellner. Als er 1960 seine Meisterprüfung ablegte, leitete er bereits drei Gaststätten. 1966 kam ihm dann schließlich seine große Idee - er verwandelte den von ihm bereits seit 1964 betriebenen "Waffenschmied" in ein japanisches Restaurant.

Foto: Archiv Harry Krieg
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Neue Erfahrung: Nicht jedem Gast ging das Essen mit Stäbchen gleich leicht von der Hand. Die meisten Besucher verließen den "Waffenschmied" aber mit jeder Menge guter Erinnerungen.

Foto: Archiv Hannelore Koch
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Japanisch-ostdeutsche Freundschaft: Immer wieder hatte Rolf Anschütz in seinem "Waffenschmied" auch Gäste aus Japan, die sich bei ihm gut bewirtet fühlten. Anschütz nutzte die Gelegenheiten, um zu überprüfen, was er besser machen konnte.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1984-1003-010

Foto: Das Bundesarchiv/Helmut Schaar
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Internationale Küche: Als er sein Restaurant eröffnete, musste Rolf Anschütz noch improvisieren. Sojasauce und Sushi-Reis gab es in der DDR nicht, also ersetzte der Chef sie durch Worcester-Sauce und Milchreis. Dank persönlicher Verbindungen nach Japan ließ Anschütz sich die benötigten Zutaten später per Schiff und Container liefern.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-K0308-0002-001

Foto: Das Bundesarchiv/Hubert Link
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Begehrtes Essen: Wer im "Waffenschmied" essen wollte, musste schon mal zwei Jahre warten, bis er eine Reservierung bekam - trotz der stolzen Preise von ab 100 DDR-Mark für ein Menü.

Foto: Archiv Christel Anschütz
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Lehrreiche Mahlzeit: Bevor sie mit dem lang erwarteten, kulinarischen Erlebnis beginnen konnten, mussten die Gäste allerdings zunächst mit einem nicht unwichtigen Detail vertraut gemacht werden - dem Essen mit Stäbchen. Außerdem bekamen sie Informationen über die Essgewohnheiten und Bräuche der Japaner.

Foto: Archiv Christel Anschütz
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Umfassendes Erlebnis: Ein Essen im "Waffenschmied" dauerte etwa vier bis fünf Stunden und begann stets mit einem traditionellen japanischen Bad, zu dem bereits Sake und Cocktails gereicht wurden. Anschließend bekam jeder Gast einen Kimono und konnte sich gereinigt und entspannt dem Essen widmen.

Foto: Archiv Harry Krieg
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DDR-Geishas: Der "Waffenschmied" hatte einen Stamm von 50 Damen, die dort als Geishas arbeiteten. Sie servierten das Essen und unterhielten die Gäste.

Foto: Archiv Erika Wieteck
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"Theaterstück zum Mitspielen": Nicht jede emanzipierte ostdeutsche Frau kam gleich mit der devoten japanischen Frauenrolle klar, die sie im "Waffenschütz" stilecht einnehmen musste. Die meisten fügten sich aber für ein paar Stunden für das einmalige Erlebnis.

Foto: Fotoclub Kontrast Suhl
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Der Gastgeber: Rolf Anschütz war zumeist der Gastmahlleiter in seinem Restaurant und führte wie ein Entertainer durch den Abend. Er erklärte den Gästen nicht nur. wie man mit Stäbchen aß, sondern brachte ihnen auch japanische Begriffe und Höflichkeitsfloskeln bei.

Foto: Archiv Gabi Rößler
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Sommerliche Idylle: Die Innenstadt von Suhl im August 1978. Touristen streifen durch die südthüringische Stadt und über den Karl-Marx-Platz, auf dem ein Brunnen mit dem Wahrzeichen der Stadt, einem Waffenschmied steht. Die größte Attraktion Suhls war allerdings der "Waffenschmied", das einzige japanische Restaurant in der DDR.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-T0801-0006

Foto: Das Bundesarchiv/Helmut Schaar
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Als Geisha in Suhl: Auch die Geishas des "Waffenschmied" wurden von Japanerinnen geschult. Voraussetzung für die Einstellung: ein Lächeln auf den Lippen.

Foto: Archiv Jörg Schneider
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Ein Leben für Sushi: Rolf Anschütz war fasziniert von der Gradlinigkeit und Klarheit der japanischen Kultur und Küche. Der gelernte Gastronom arbeitete hart daran, dass in seinem Restaurant alles perfekt war und opferte dafür sogar seine Ehe. Nach Problemen mit der staatlichen Handelsorganisation HO stieg er 1986 schließlich beim "Waffenschmied" aus. Anschütz starb im April 2008.

Foto: Archiv Harry Krieg
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In der Küche: Immer wieder kamen auch japanische Köche ins "Waffenschmied", um die Angestellten zu schulen. Alles andere hatte Rolf Anschütz sich aus Büchern angelesen.

Foto: Archiv Jörg Schneider
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Zum Essen nach Suhl: "Zum Waffenschmied" war das einzige japanische Restaurant in der DDR, dessen Ruf sogar bis nach Japan reichte. Unter der Viertelmillion Gäste, die hier über die Jahre bewirtet wurden, waren auch 16.000 Japaner.

Foto: Archiv Harry Krieg
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Kirschblüte in Suhl: Nach dem Ende der DDR wurde der "Waffenschmied" abgewickelt und das Gebäude von der Treuhand verkauft.

Foto: Archiv Stadtbücherei Suhl
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"Sushi in Suhl": Basiernd auf Interviews mit Rolf Anschütz und Erinnerungen ehemaliger Angestellter und Gäste hat der Filmproduzent Carl Schmitt den Film "Sushi in Suhl" über die Geschichte des japanophilen Gastronoms und seines "Waffenschmieds" geschaffen.

Die Hauptrollen spielten Uwe Steimle (Mitte, als Rolf Anschütz) und Julia Richter (links, als seine Frau Ingrid).

Foto: ddp images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?