Richard McGuires Comic "Hier" Zeit und Raum in Bildern festhalten
Vor 25 Jahren verfasste Richard McGuire einen genialen Comic. Auf nur sechs Seiten ließ der Illustrator die Zeitgeschichte an einem einzelnen Ort vorbeiziehen - jetzt erscheint mit "Hier" die 300-seitige Langversion dieser Idee.
"Hier" ist der Versuch, das menschliche Verständnis von Zeit in Bilder zu fassen: Vor dem immer gleichen Setting springt McGuire in der Zeit hin und her, lässt Handlungen überlappen und parallel laufen.
So entstehen flüchtige Einblicke in den Lauf der Geschichte: Weihnachtsbäume, Geburten, Paarstreit, Todesfälle, alles Menschliche streift an der Szenerie vorbei.
"Hier" ist dabei auch eine persönliche amerikanische Familienchronik: Immer wieder kehrt McGuire zurück zu seinem Geburtsjahr 1957.
McGuire gelingt es, unseren subjektiven Zugang zu Geschichte infrage zu stellen. Dem Autor ist alles gleichwertig: Die Besiedlung durch die Indianer, die flüchtige Begegnung mit einem Urtier, das Reißen eines Schnürsenkels.
Das Erzähl-Experiment glückt: McGuire, der unter anderem als Illustrator, Musiker und Kinderbuchautor arbeitet, gelingt eine erzählerische Offenbarung.