"Riot: Civil Unrest" "Riot: Civil Unrest":
Straßenschlacht als Videospiel: Szene aus "Riot: Civil Unrest".
Die vier Kampagnen von "Riot: Civil Unrest" beleuchten reale Aufstände. Unter anderem die "Indignados"-Bewegung aus Spanien, die von 2011 bis 2012 gegen den politischen Umgang mit der Finanzkrise und für mehr Demokratie protestierte. Am 27. Mai 2011 kam es dabei an der Plaça de Catalunya in Barcelona zu heftigen Gefechten zwischen Polizei und Demonstranten.
Gesteuert und gespielt wird "Riot" auf simple Weise: Aus der Vogelperspektive blickt man auf das Geschehen. Ein Klick auf eingeblendete Schaltflächen lässt die Menschenmenge vorrücken, aggressiv oder defensiv agieren und Molotowcocktails werfen. Bei der Polizei können kleine Truppen vorgeschickt, Schlagstöcke gezückt, Verhaftungen durchgeführt und Verstärkung wie etwa ein Wasserwerfer angefordert werden.
Das Spielziel ist über alle Kampagnen und freigespielte Karten hinweg das gleiche. "Du musst einen Platz einnehmen und halten, oder diesen räumen und dabei deine Leute schützen", erklärt Chefentwickler Leonard Menchiari. "Dabei wird jede Aktion alles andere beeinflussen. Was auch immer du tust, das Resultat ist die pure Eskalation oder eine sauber kontrollierbare Situation."
Die gewollt pixelige und minimalistische Grafik ist von "Superbrothers: Sword & Sworcery EP" inspiriert, einem audiovisuellen Abenteuer für iPhone, iPad und PC. Jedoch hat der Pixel-Look auch einen Sinn. Er soll den Blick auf die Details verweigern und den Spieler dafür das große Ganze erfahren lassen. "Wir wollen den Fokus auf die Erfahrung lenken, nicht auf die Grafik", sagt Menchiari.
Gelegentlich soll "Riot" jedoch auch die Geschichten einzelner realer Personen erzählen, die in bestimmten Szenen des Geschehens oder Zwischensequenzen auftreten. "Wir bekamen so viele Geschichten von so vielen Menschen zu hören", beschreibt Leonard Menchiari. "Einige Momente im Spiel geben ihre spezifischen Erlebnisse wieder."
Abseits der vier Kampagnen wird es einen Editor geben, mit dem die Spieler eigene Szenarien bauen und zum Download freigeben können. Schon jetzt rechnen die Macher fest damit, dass sich hier viele Nutzer kreativ betätigen und etwa die Aufstände von Baltimore, Ferguson oder die Räumung des Gezi-Parks nachstellen werden. Ein Wertungssystem soll es dabei erlauben, die Authentizität der von Spieler erstellten Levels zu gewichten.
Ein Videospiel über Aufstände und Demonstrationen, das könnte einigen Politikern, Polizeivertretern oder Regimen bitter aufstoßen. "Es kann gut sein, dass manch einer dies als Bedrohung oder Propaganda sieht", weiß auch Leonard Menchiari. "Aber das ist nichts, worum wir uns wirklich sorgen." Die Entwickler wollen mit ihrer Indie-Produktion zum Nachdenken anregen und nehmen dafür auch ein mögliches Verbot des Spiels in Kauf.