Deep Purple Ritchie Blackmore - Rocken gegen die Arthritis
"Man in black": Ritchie Blackmore zählt zu den besten und einflussreichsten Gitarristen der Rockgeschichte (das Foto stammt aus den Siebzigerjahren). Er selbst will davon nichts wissen, "Musik ist kein Sport, es gibt keine Besten. Jeder ist anders, keiner vollkommen", sagt er im Gespräch mit einestages.
Showtalent: Als Jugendlicher war Blackmore extrem schüchtern und zurückhaltend. Das änderte er sich, als er 1962 bei The Savages, der Band des exzentrischen Sängers Screaming Lord Sutch, einstieg. "Wir mussten damals lächerliche Fell-Outfits tragen und sahen aus wie Höhlenmenschen", erinnert er sich. "Sutch forderte von mir, dass ich mich auf der Bühne mehr bewege." Bei Deep Purple brachte er seine Showeinlagen zur Perfektion. Oftmals zertrümmerte Blackmore am Ende der Konzerte auch seine Gitarre.
Abschied: Mit dem Album "Stormbringer" endete im Frühjahr 1975 die Zusammenarbeit von Blackmore mit Deep Purple. Der neue Sound, maßgeblich beeinflusst von Bassist Glenn Hughes und Sänger David Coverdale, war ihm zu funky geworden. Hier: Jon Lord, Blackmore, Glenn Hughes, Ian Paice, David Coverdale (v.l.)
Regenbogen: 1975 gründete Blackmore nach seinem Ausstieg bei Deep Purple die Band Rainbow, benannt nach dem Club Rainbow Bar & Grill in Hollywood. Mit US-Sänger Ronnie James Dio (M.) nahm er dann drei Studioalben und ein Livealbum auf: "Ritchie Blackmore's Rainbow" (1975), "Rising" (1976), "Long live Rock'n'Roll" (1978) sowie "On Stage" (1976). "Ronnie war ein absoluter Ausnahmesänger", lobt Blackmore. "Aber als er nur noch über Teufel, Geister und Kobolde sang, langweilte mich das, und wir trennten uns!" Das Line-up von Rainbow variierte fortan ständig, die Musik veränderte Blackmore in Richtung kommerzieller Radio-Rock. Hier zu sehen (v.l.): Blackmore, Bob Daisley, Ronnie James Dio, David Stone und Cozy Powell.
Golden Age: In den Siebzigerjahren gehörten Deep Purple neben Led Zeppelin und den Rolling Stones zu den bekanntesten Bands der Welt. Die Gruppen teilten sich für ihre Tourneen eine Boeing 720, genannt "The Starship". Der Bordservice beinhaltete - na, klar - Sex, Drugs and Rock'n'Roll...
Missstimmung: Auch 1975 wurden Deep Purple mit einem Jumbo von Gig zu Gig geflogen. Die Bandmitglieder ödeten sich mittlerweile an, und Ritchie (3.v.r.) stieg bald aus.
Blackmore live: Geboren wurde Ritchie Blackmore am 14. April 1945 im englischen Weston-super-Mare als Richard Hugh Blackmore. Mit elf Jahren kaufte ihm sein Vater die erste Gitarre. Nachdem Blackmore Gründungsmitglied der Bands Deep Purple und Rainbow gewesen war, formierte er 1997 zusammen mit seiner Frau Candice Night die Folk-Rock-Gruppe Blackmore's Night.
Sechs-Saiten-Talent: Blackmores Vorbilder (M.) waren Elvis Presley, Buddy Holly oder Duane Eddy. Sein Gitarrenlehrer war streng. "Wenn du nicht fleißig übst, brauchst du gar nicht wiederzukommen!", erinnert sich Blackmore.
Verqualmt: In den Siebzigerjahren war Ritchie Blackmore für seine wilden Bühneneskapaden berüchtigt. Beim legendären "California Jam"-Festival 1974 mit Black Sabbath und Emerson Lake & Plamer, malträtierte er seine Gitarre mit den Füßen, rammte den Gitarrenhals in eine TV-Kamera und ließ schließlich die Lautsprecherboxen und die halbe Bühne abfackeln. Die Veranstalter vom US-TV-Sender ABC waren schockiert.
Krawallo: Blackmore zerlegte oft erst seine Gitarre und dann die Instrumente seiner Kollegen. Und nicht selten ging auch mal das Hallenmobiliar zu Bruch. (Aufnahme aus den Siebzigerjahren)
Sternchen: Blackmore, der bei Deep Purple für den Rockklassiker "Highway Star" mitverantwortlich war, machte seinen Führerschein erst im hohen Alter von 39 Jahren. "Auf Tour wurde ich immer rumkutschiert - und das Autofahren hat mich auch nie sonderlich interessiert", sagt er. "Heute fahre ich aber gern!"
"Killer"tour: Über seinen damaligen Manager Don Arden, dem Vater von Ozzy Osbournes Frau Sharon, kam der junge Ritchie Blackmore mit seiner Band The Outlaws an Gigs als Begleitband von Rock'n'Roll-Legende Jerry Lee Lewis, genannt "The Killer". 1963 spielte man mehrfach in Hamburg, dann ging es einen Monat lang auf Deutschland-Tour. "Ich erinnere mich an einen Samstag, an dem wir sechs Konzerte an sechs Orten spielten", so Blackmore. "Wir hatten keine Roadies, mussten unser Equipment selbst aufbauen! Eine Ochsentour!"
Rock meets Classic: 1969 waren Deep Purple die erste Rockband, die zusammen mit einem Philharmonie-Orchester musizierte. In diesem Fall das London Symphony Orchestra. Blackmore war fasziniert von klassischen Komponisten wie Beethoven und Bach. Bei Rainbow interpretierte der Gitarrist 1981 Beethovens Neunte, die "Ode an die Freude", im Stück "Difficult to Cure".
Hallenfüller! Blackmore bei einem seiner frühen Auftritte Ende der Sechzigerjahre. Seit dem Deep-Purple-Erfolg musst er nie wiede vor fast leeren Hallen spielen.
Klassiker: Ritchie Blackmore (M.) hier im Studio mit Ian Paice (l.) und Roger Glover (r.). Songs wie "Black Night", "Highway Star", "Strange Kind of Woman", "Child in Time" und natürlich "Smoke on the Water" machten sie weltberühmt. Dieses sogenannte "Mark II"-Line-up mit Sänger Ian Gillan existierte von 1969 bis 1973 und von 1984 bis 1993.
Technikfummel: Ritchie nachdenklich Mitte der Siebzigerjahre. Er liebt die Zeit und die Musik des Mittelalters, zu moderner Technologie hat er ein eher distanziertes Verhältnis: "Ein Smartphone benutze ich nicht", sagt er, "aber seit Kurzem ein iPad - um mir damit Mittelalterseiten im Internet anzusehen. Dafür ist es gut!" Der Zylinder war in den Anfangstagen von Rainbow Blackmores Markenzeichen.
Comeback: 1984 rauften sich die Deep-Purple-Mitglieder des legendären Mark-II-Line-ups noch einmal zusammen. In der Musikwelt damals eine echte Sensation. Ergebnis: Das von der Kritik hochgelobte Album "Perfect Strangers" mit großartigen Songs wie "Knocking at your back door", "Hungry daze", "A Gypsy's Kiss" und dem Titeltrack. Es folgten weitere Alben. "Wir hätten nach 'Perfect Strangers' besser sofort wieder aufgehört", blickt Blackmore zurück. 1993 verließ er die Band endgültig im Streit.
Fit durch Fußball! Blackmore, hier beim Training in einer Halbzeitpause, ist begeisterter Fußballer und spielt auch heute - mit immerhin 71 Jahren - noch regelmäßig. Zum Beispiel mit seinen Ärzten. "Gemeinsamer Sport schafft Vertrauen", lacht er. Besonders Franz Beckenbauer verehrt er für dessen elegante Spielweise.
Rainbow rising again... Für drei Konzerte (17.6. St. Goarshausen, 18.6. Bietigheim sowie 25.6. Birmingham) hat Gitarrist und Bandboss Blackmore 2016 seine alte Band Rainbow revitalisiert - allerdings mit neuen Musikern. Hier ist er zu sehen (v.l.) mit seinen Kollegen Jens Johansson (Keyboards), Ronnie Romero (Gesang), Bob Nouveau (Bass), David Keith (Drums). Ronnie Romero entdeckte er über ein Youtube-Video, das ihm seine Frau vorspielte. Der Sänger aus Chile spielte in einer Rainbow-Coverband.
Duo: "Ich habe in meinem Leben genug Hardrock und Heavy Metal gespielt", sagt Blackmore 1997 gründete er zusammen mit seiner amerikanischen Frau, der Sängerin Candice Night, die von der Renaissance beeinflusste Folk-Rock-Gruppe Blackmore's Night. Besonders gern tritt das Ehepaar in mittelalterlichen Kostümen auf deutschen Burgen auf - mit großem Erfolg. Ihre musikalische Karriere begann Candice 1993 als Backgroundsängerin auf der "Battle rages on"-Tournee von Deep Purple. Es war Ritchies letzte Tour mit der Band.