Roboterstar Elektro "Ich. Habe. Ein. Ausgezeichnetes. Gehirn."
Staunen über den Blechmann: Als Elektro 1937 erschaffen wird, ist der Begriff "Roboter" kaum zwanzig Jahre alt, zehn Jahre zuvor lief in den Kinos "Metropolis" mit der Androidin "Maria" in der heimlichen Hauptrolle. Mensch-Maschine-Wesen faszinieren in diesen Jahren jeden.
Elektro und Sparko: Als der Zweite Weltkrieg mit dem Angriff auf Pearl Harbor die USA erreicht, ist die Show der beiden Blechhelden erst einmal vorbei. Ein Ingenieur nimmt Elektro mit zu sich nach Hause, um ihn davor zu retten, eingeschmolzen zu werden. Erst nach 1945 tourt das metallene Paar wieder durch die USA.
Zukunftsmusik: Auf der Weltausstellung 1939 in New York tritt der Roboter "Elektro" zum ersten Mal vor großem Publikum auf. Der Maschinenmensch spricht, kann einfache Rechenaufgaben lösen - und sogar so tun, als würde er Musik dirigieren (hier mit der Cellistin Lois Kendall).
1. Mai 1940, New York. Eine Premiere: Zum ersten Mal tritt Elektro mit seinem neuen Freund auf - dem Roboterhund Sparko. Der kann mit seinem Metallschwanz wedeln, bellen und Herrchens Befehle befolgen. "Sitz" sagt der Robotermann, und Sparko setzt sich.
Elektrisches Haustier: Sparko konnte zwar laufen, bellen, mit dem Schwanz wedeln und sich auf Befehl hinsetzen. Nur schmusen ließ sich mit ihm nicht wirklich, weshalb er sich wohl nicht durchsetzte - obwohl das Gassigehen entfallen konnte.
Der "Moto-Man": Jede Stunde steht er zwanzig Minuten auf der Bühne im Pavillon des Elektrokonzerns Westinghouse. "Ich. Habe. Ein. Ausgezeichnetes. Gehirn. Aus. 48. Elektronischen. Relais", beginnt er mit tiefer Stimme seine Ansprache. Die Zuschauer sind begeistert von der Erfindung - und genau deswegen hat Westinghouse ihn auch gebaut: Elektro soll der Welt zeigen, wie innovativ das Unternehmen ist.
Sparkos Innenleben: Auch Sparko wird in der Westinghouse-Fabrik in Mansfield, Ohio erschaffen. Der Roboterhund steckt voller Mechanik: Sparko hat einen "Sitz-Motor", einen "Lauf-Motor" und ein "Schwanzwedel-Mechanismus". Ein Kabel lässt ihn den Kopf drehen, wenn er sich setzt.
Elektros Innenleben: Der golden glänzende Roboter ist mehr als 100 Kilo schwer, seine Hülle besteht aus Aluminium, ein Stahlskelett stützt im Inneren Motoren und Elektronik. Gesteuert wird Elektro per Stimme: Ein Conferencier spricht in ein Telefon, das mit Elektro verbunden ist, und je nach Anzahl der Silben vollführt der Roboter dann eine von 26 fest verdrahteten Prozeduren.
Werbefigur für die Westinghouse Electric Company: "He walks, talks, smokes, sings": Elektro wird endgültig zur Berühmtheit. Er darf sogar in einer Komödie neben Brigitte Bardots Schwester Mijanou mitspielen. Ihr Titel: "Sex Kittens Go To College". Heute steht er - nach einer langen Odyssee - im Heimatmuseum von Mansfield, Ohio.
Blechkamerad: Im Februar 1966 wandert dieser Roboter über die 17. Internationale Spielzeugausstellung in Nürnberg. Die englische Firma "Meccano" gilt als Erfinder der Metallbaukästen.
Der erste humanoide Roboter: 1928 baut der Brite Captain W. H. Richards den ersten Roboter in Menschengestalt. "Eric" kann die Arme heben, aufstehen und sprechen. Ein zeitgenössischer Reporter schreibt: "Bei der Eröffnung der Londoner Ingenieursausstellung erhob sich diese Gestalt von ihrem Sessel, verbeugte sich vor dem Publikum und [nahm] schließlich die Stellung eines Ehrenpräsidenten dankend an. Diese ganze Sache hat natürlich nur Sinn, wenn man sie als einen mechanischen oder technischen Scherz auffasst."
Rodnee: Chris Southall und die Studenten vom Farnborough College machen 1966 mit ihrem Roboter Rodnee einen Spaziergang durch London.
"Mac the Mechanical Man": Dieser Roboter von Leighton Hilbert wird per Fernbedienung gesteuert - und am Strand von Venice, Kalifornien, von den Damen umschwärmt. Vielleicht liegt es am aufgemalten Schnurrbart.
Auch in den Siebzigern noch ein Symbol für Fortschritt: Eine Sekretärin von South East Essex Motors in Basildon, England, mit dem Roboter-Maskottchen der Firma.
Blechnachfahre von Sparko: In Erinnerung an Elektros Freund Sparko noch ein Hund. Das ist "Arfur", ein Roboterhund aus dem Jahre 1981. Neun Monate hat der Londoner Steve Brooks damals an ihm gearbeitet und eine Menge Geld ausgegeben. Was aus seinem Geschöpf geworden ist, weiß heute leider niemand mehr.
Ein Roboter mit Telefonsteuerung: Elektro war nicht der erste Entwurf eines Roboters aus dem Hause Westinghouse. Bereits 1927 wurde "Televox" vorgestellt, eine Maschine, die per Telefon gesteuert werden konnte. Man konnte sie von einem beliebigen Apparat aus anrufen, in den Hörer pfeifen, und "Televox" setzte dann Staubsauger oder einen Ventilator in Gang. Ein echter Roboter war das nicht - der Körper bestand aus Pappe - aber das System zeigte, was in Zukunft möglich sein würde. Das Bild zeigt Erfinder Roy J. Wensley neben "Televox" und einem Porträt von George Westinghouse.
Blechsklave nach Buchvorlage: Auf der Brust des Roboters "Eric" stehen die Buchstaben "RUR" - eine Reminiszenz an das 1921 erschienene Theaterstück "Rossum's Universal Robots" ("R.U.R.") des tschechischen Schriftstellers Karel ?apek, in dem er den Begriff "Roboter" (von "robota", Fronarbeit, und "robotnik", Sklave) geprägt hatte. In dem Drama rebellieren Humanoiden, die eigentlich als Arbeitskräfte konzipiert wurden, gegen ihre Schöpfer und löschen die menschliche Kultur aus.
Der beste Freund des Menschen: ... ist der Roboterhund (hier als Herrchen: sein Erfinder, der Westinghouse-Ingenieur Joseph M. Barnett). Heute ist der Blechterrier Sparko verschollen, ebenso wie die Baupläne. Das letzte Mal "lebend" gesehen wurde der metallene Kläffer 1957.
Apropos menschliche Züge: Hier schmiegt sich die Ehefrau des Westinghouse-Ingenieurs P. G. Garrett an den Pappandroiden Televox. Das Publikum ist in dieser Zeit gespalten in ihrer Haltung gegenüber den Maschinenwesen: Die einen haben Angst davor, dass sich die Technik eines Tages zum Fluch entwickeln könnte, viele andere hoffen jedoch, dass Roboter in Zukunft das Leben der Menschen leichter machen und ihnen im Haushalt alle Arbeit abnehmen werden.
Viel Rauch im Blech: Televox zeigt auf einer Industrieausstellung in Chicago 1928, was er kann. Zum Beispiel sprechen. Aber auch: rauchen. Das scheint wichtig zu sein in diesen Jahren, vielleicht um den Robotern menschlichere Züge zu geben. Denn auch der große Elektro kann später Zigaretten paffen (sein Hund Sparko allerdings nicht).
Adam, Kain und Abel: Televox und James J. Walker, der Bürgermeister von New York, eröffnet das Seaside Krankenhaus von New Dorp, Staten Island. Dieser Fototermin war wohl für beide wichtig: Der Politiker konnte sich im Glanz des Neuen sonnen, und der Papproboter darf zeigen, dass er nicht nur ein Technikspielzeug ist. Später bestellte das amerikanische Kriegsministerium drei Systeme und nannte sie Adam, Kain und Abel.
Schlechtes Vorbild: Der Roboter Mr. Vocalite, entwickelt von der Westinghouse Electric Company in East Pittsburg konnte sprechen, singen, sich setzen, elektrisches Licht anknipsen - und natürlich rauchen.