Rock am Ring Rang und Namen, Kraut und Rüben
... oder zumindest gerade angesagt (Ina Deter, ebenfalls 1987). Dass beim Rock am Ring lokale Größen neben internationalen Stars bestehen konnten, ...
... aber genau das suchten die Nürburgring-Fans ja auch. Kaum jemand tat sich je die drei Tage Dauerbeschallung an, aber viele kamen ...
... gerade auch wegen der Zeiten "dazwischen": Rock am Ring war nicht zuletzt auch ein Camping-Happening, eine Zeltstadt-Party, mal mit hippiehafter Lagerromantik, ...
... mal als feucht-fröhliche Sause oder Eifeltrip mit Bio-Pilz- und Rauchkraut-Erprobung. Für ganze Generationen von Jugendlichen vor allem in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen ...
... stellte die Teilnahme am Festival fast so etwas wie einen Initiationsritus dar: Wer hier drei Tage lang schwofte und sich im Matsch suhlte, hatte sich erfolgreich vom elterlichen Willen emanzipiert. Vor allem der frühe Veranstaltungstermin sorgte dafür, dass ...
... auch wettertechnisch mitunter Woodstock-Gefühle aufkamen. Es waren gerade die verregneten Schlammschlachten, ...
So etwas ist Festival-typisch, obwohl es in Wahrheit nur in der Rückschau Spaß macht: Die weit bessere Stimmung gab es natürlich, wenn die Sonne brannte. Die Veranstalter hatten dagegen durchaus nicht immer Grund zu guter Laune. Trotz stetig steigender Ticketpreise ...
... waren die Margen wohl nicht so üppig, wie man sich das vorstellen würde. Auf dem Höhepunkt der Festivalgeschichte (hier: Van Halen, 1995) brachte Rock am Ring bis zu 98 Bands auf drei Bühnen. Ab 1993 ließ Veranstalter Lieberberg die Bands auf zwei parallel stattfindenden Festivals auftreten (seit 1997: Rock im Park, Nürnberg).
Nicht immer gelang es auch, echte Zugpferde auf die Bühne zu bringen. Als die Eurythmics 2000 auf der Nürburgring-Bühne ihr Comeback versuchten, verbuchte man das längst als Achtziger-nostalgisches Aufwärmen von Altstars - auch das ein Festival-Standard. Auf dem Tiefpunkt des Festivals ...
... fielen Programm und Zuschauerzahlen 1988 so schwach aus, dass bis 1991 erst einmal kein Festival mehr stattfand. Als 1999 Robbie Williams die Bühne rockte, war diese Krise lange vergessen: Zu den Headern gehörten Metallica, Cypress Hill, Skunk Anansie und 89 weitere Bands. 63.000 Fans ließen sich das nicht entgehen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das "Gewicht" des Festivals auch unter Musikern längst herumgesprochen: Trotz des Kraut-und-Rüben-Konzepts (im Bild: Wolfgang Niedecken von BAP, 1998), lief nun willig auf, was Rang und Namen hatte ...
... oder sich einen erarbeiten wollte: 2004 arbeitete Avril Lavigne noch daran, auch von Hörern jenseits des Teenie-Alters wahrgenommen zu werden. Wer sie dort vielleicht wahrnahm, mag Chad Kroeger gewesen sein, der Sänger von Nickelback: Neun Jahre später heirateten die beiden.
Wie viele Fans auf dem Festival zueinanderfanden, weiß wohl niemand. Offen für alles war da wohl so mancher: Rock am Ring gehörte zu den seltenen Gelegenheiten außerhalb der Karnevals-Session, bei denen man auch als rosa Kaninchen nicht als doof, sondern eher als besonders cool wahrgenommen wurde.
Trotz wachsender Konkurrenz in den letzten Jahren hat das Eifel-Festival seine Popularität bewahren können. Das nun verkündete Ende zu einer Art "Ende des deutschen Woodstock" aufzupumpen, wäre trotzdem völlig verfehlt: Rock am Ring war immer ein hoch kommerzielles Happening (im Bild: Campino von den Toten Hosen, 2004), ...
... das letztlich unter neuem Namen und mit neuem Veranstalter auch weitergeführt werden soll (im Bild: Marilyn Manson, 2005). Auch Lieberberg will mit Rock am Ring weitermachen, nur an einem neuen Ort. Ob für drei so große Festivals (Lieberberg veranstaltet zeitgleich ja auch noch Rock im Park) wirklich genug Raum ist, wird sich zeigen.
Die Tradition der großen Star-Festivals wird es jedenfalls nicht beenden: Bei Rock am Ring lief von Pearl Jam über Oasis bis zu den Red Hot Chili Peppers, von Korn bis zu den weichgespülten Schlagerbarden von A-ha (im Bild, 2001) alles auf. Für die großen Alten wie ...
... Carlos Santana (im Bild, 2000) oder Bob Dylan (1998) sind diese Festivals eine gute Gelegenheit, sich zwischen all den jungen, angesagten Bands noch einmal ins Gedächtnis zu rufen. Für andere ...
.. wie den stets auf Rock gebürsteten Lenny Kravitz (2002) sind Festivals ein Weg, ihre höchst Bühnen-kompatible, aber selten zeitgemäße Musik gegen den Radio-Mainstream angesagt zu halten. Auch für die Stars ...
... sind die Massenfestivals also ein gutes Stück Marketing. In hartem Konkurrenzumfeld müssen sie ihre Bühnentauglichkeit beweisen (im Bild: Linkin-Park-Sänger Chester Bennington, 2005) oder ...
... dass sie es eben doch noch können: Spektakulär inszenierte Comeback-Versuche oder Abschiedskonzerte gehörten stets zu den Highlights der großen Festivals. 1997 brachten sich die Schminktöpfchen-Fanatiker von KISS ...
... mit einem pompösen Auftritt als Festivalabschluss ins Gespräch. Beim letzten Rock am Ring in diesem Jahr geben sich mit Iron Maiden, Offspring, Kings of Leon, Metallica, Linkin Park, Queens of the Stone Age und anderen zahlreiche Bands die letzte Ehre, für die das nicht der erste Auftritt auf der Eifelbühne sein wird.