Stones-Konzert in der DDR Das Nicht-Ereignis, das zum Großereignis wurde
Karl-Marx-Allee in Ost-Berlin: Am 7. Oktober 1969 wird die DDR 20 - und feiert diese Jubiläum mit großem Tamtam.
Jubelfeier am Alex: Als sich die offizielle Jubeldemo langsam aufzulösen begann (Bild), setzte sich Rockfan Bernd Woick von seiner FDJ-Delegation ab. Er wollte dem Gerücht nachgehen, dass die Rolling Stones an diesem Tag auf dem Dach des West-Berliner Springer-Hochhauses direkt an der Mauer speziell für ihre ostdeutschen Fans spielen würden.
Ende des Pflichtprogramms: Die Demonstration zum 20. Repulikgeburtstag löst sich zunächst friedlich auf, die Masse der Teilnehmer strömt in Richtung des Ost-Berliner Zentrums zum Volksfest.
Menschenmauer: Bereits auf dem Alexanderplatz hinderten erste Polizeiketten die zahllosen Jugendlichen, die in Erwartung eines Auftritts der Rolling Stones auf dem Springer Hochhaus in Richtung Mauer strebten, daran, in die Leipziger Straße zu gelangen. Diese Aufnahme von den Vorgängen, die über dreißig Jahre vergessen in einer Schublade lag, machte Bernd Woick mit der Kamera seiner Freundin und entwickelte die Bilder anschließend selbst.
Durchbruch: Rund tausend jugendlichen Stones-Fans gelingt es dennoch, durch die Sperren der Volkspolizei zu kommen, ohne abgefangen zu werden. Hier sammelt sich die Menge an der Fischerinsel.
Unschlüssig: Ostdeutsche Stones-Fans warten nach der Überwindung der Polizeiabsperrungen an der Gertraudenbücke. Manche von ihnen tragen noch ihre FDJ-Hemden oder -Blusen von der offiziellen Demonstration zum 20. Repulikgeburtstag unmittelbar zuvor auf der Karl-Marx-Allee.
Mädchen in Mini: Es überwiegen allerdings die "richtigen" Fans, für die die FDJ-Kluft unvereinbar ist mit Rockfan sein - so wie diese beiden Mädchen im Minirock, die vergeblich auf das gerüchteweise angekündigte Stones-Konzert warten.
Langhaarig in Ost-Berlin: Die Jungs dagegen kleiden sich in Jeans und tragen lange Haare - in der DDR unter SED-Hardliner Walter Ulbricht noch verpönt oder gar als "asozial" verfolgt.
Warten auf Mick Jagger: "Wo bleiben die Stones?" In kleinen Gruppen harren die Fans dessen, was da kommen mag - am Ende erweist sich die Kunde vom Stones-Konzert auf dem Springer-Hochhaus als Jux eines Radiomonderators der in der DDR vielgehörten Rias-Sendung "Treffpunkt".
Sehnsuchtsort: Der Blick zum Springer-Hochhaus ist zwar frei, doch ein von den DDR-Sicherheitskräften eigens errichteter Zaun soll verhindern, dass die Jugendlichen dem Ort des angekündigten Konzerts und der Grenze mit Mauer allzu nahe kommen.
Flucht vor den Vopos: Dann schlägt die Polizei zu. Mit Gummiknüppeln werden die jugendlichen Musikfans von den Uniformierten auseinandergetrieben – Fotograf Woick macht im Fliehen ein letztes, unscharfes Foto.
Flüchtende Jugendliche: Mit Glück kann sich Fotograf Bernd Woick mit seiner auffälligen Spiegelreflexkamera in die angrenzenden Nachbarstraßen absetzen und in der Menge untertauchen. Diese Aufnahme eines anderen flüchtenden Jugendlichen entstand vor dem Ungarischen Kulturhaus.