Rollcomic Bückling vor dem Buch
Wenn man den Rollcomic in die Hand nimmt, hat man zunächst eine kompakte Rolle, die in einem steifen Kartoncover endet und liegt.
Zum Lesen öffnet man dieses Cover und dreht es auf links. Die so entstandene hohle Coverrolle nimmt man in die linke Hand, auf sie wird man nun nach und nach die 15 Meter Handlung aufspulen, die man jetzt noch als kompakte Papierrolle in der rechten Hand hält.
So eine Rolle kann man nicht nur kontinuierlich ansehen, man kann sie auch so weit auseinanderziehen wie man will. 30 Zentimeter, 100, doppelt armbreit. Man hat also als Zeichner nach rechts unglaublich viel Platz.
Sofort zeigt sich auch noch etwas Eigentümliches: Es fehlt die Zäsur, die ganz automatisch immer dann entsteht, wenn man in einem normalen Comic eine Seite umblättert.
Als Comiczeichner hat sich der Augsburger Paul Rietzl ans Format gewagt. "Shipwreck" ist Science-Fiction, im Weltraum, was auch angesichts des Mediums nicht schlecht gewählt ist.
Rietzl löst die meisten Herausforderungen, die ihm die Rolle stellt, geschickt und guckt sich viel vom Film ab. Sein Weltraum ist auch nicht nachtschwarz, sondern endlos weiß, weil man dadurch elegant Innen- und Außenszenen mischen kann, ohne dafür den Hintergrund ändern zu müssen. Gelegentlich lässt Reitzl auch Rolle Rolle sein und klinkt ganz konventionell Bilder ein, um den Rhythmus zu ändern.
"Shipwreck" ist im Verlag Round not Square erschienen und kostet 28 Euro.