Rolls-Royce Phantom Landaulet Eine Rückbank voller Zeitgeschichte
Dieser Rolls-Royce Phantom V ist einer von nur fünf Stück, die als Landaulet-Staatskarosse gebaut wurden.
Das Besondere an dieser Karosserieform ist der offene Fond hinter der fest überdachten Fahrerkabine. Damit eignet sich ein Landaulet besonders gut für Paraden oder Staatsbesuche.
Der Wagen entstand 1967 bei Mulliner Park Ward und wurde für Nicolae Ceausescu, den damaligen Diktator Rumäniens, gebaut.
Ceausescu orderte fast alle verfügbaren Optionen, wie einen Fernseher im Schränkchen an der Trennwand zwischen den Abteilen.
Hinter der Tür darunter versteckt sich eine klimatisierte Minibar.
Auch für die Rückbank wurde ein Aufpreis fällig, sie ist höhenverstellbar und kann an die Körpergröße der Insassen angepasst werden.
Zusätzlich zur Rückbank können noch zwei Sitze aus der Trennwand geklappt werden.
Auch an der Kabine des Chauffeurs wurde nicht gespart, sie verfügt über eine eigene Klimaanlage.
Der vordere Teil des Wagens verfügt über ein festes Dach, ein Glasdach sorgt hier für ausreichend Tageslicht.
Insgesamt kostete der Wagen damals knapp 20.000 britische Pfund - heute wären das rund 390.000 Euro. Dem sowjetischen Politbüro missfiel so viel Kapitalismus jedoch. Der Wagen blieb deshalb ein Jahr in der Garage und wurde dann nach England zurückgeschickt.
Rolls-Royce fand jedoch einen neuen Käufer, das Ehepaar Heath aus Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania. Damit wurde dieses Exemplar das einzige State Landaulet, das an private Käufer ging.
Die Heaths nutzten die Staatskarosse oft, teilweise auch im Alltag, und spulten mit ihr rund 188.000 Kilometer ab.
Im Jahr 1975 erreichte sie eine ungewöhnliche Anfrage: Die Regierung von Bermuda suchte für den Staatsbesuch der Queen ein adäquates Fahrzeug - und lieh sich dafür den Phantom der Heaths.
An den Besuch erinnert heute eine Plakette im Wagen. 1983 wiederholte sich die ungewöhnliche Leihe: Diesmal besuchte die Queen die Cayman Islands, die sich dafür ebenfalls den Rolls-Royce aus Pittsburgh liehen.
Die hinten angeschlagenen Türen öffneten sich jedoch noch für weitere Prominente: 1978 wurde die Oscar-Preisträgerin und Fürstin von Monaco, Gracia Patricia, in diesem Rolls-Royce durch Pittsburgh chauffiert.
Ab 1992 war der Wagen Teil einer privaten Sammlung, wurde aber weiterhin für repräsentative Anlässe verwendet, so nahm Buzz Aldrin, der zweite Mensch auf dem Mond, bei einer Hollywood-Weihnachtsparade auf der Rückbank Platz.
Rund 260.000 Kilometer ist der Rolls-Royce Phantom dadurch bisher gelaufen, 2014 wurde der Wagen beim Concours d'Elegance in Pebble Beach ausgestellt.
Der Wagen ist in unrestauriertem Originalzustand - das sorgt für einen hohen Preis. Das Auktionshaus Sotheby's erwartet bei der Versteigerung am 18. Januar 2019 einen Erlös von einer bis anderthalb Millionen US-Dollar.
Alle Zubehörteile und auch das Herz der Staatskarosse, der 6,2-Liter-V8, sind voll funktionstüchtig.
Für den erwarteten hohen Preis gibt es auch das zeitgenössische Bordwerkzeug - und eine DVD von den Filmaufnahmen der Heaths bei den Staatsbesuchen in Bermuda und auf den Cayman Islands.