Rote Armee Fraktion in der DDR - DER SPIEGEL
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RAF-Aussteiger in der DDR Neue Heimat für Terroristen

Vor 25 Jahren verhafteten ostdeutsche Kriminalpolizisten zehn ehemalige RAF-Mitglieder in der DDR. Die Aussteiger hatten jahrelang versteckt im sozialistischen Exil gelebt. Wie kam es dazu?
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Frauen-Power: Ein Fahndungsplakat des Bundeskriminalamtes aus den späten Siebzigern zeigt, dass Frauen bei der Roten Armee Fraktion (RAF) eine entscheidende Rolle spielten. Als die RAF 1977 ihre Offensive zur Freipressung ihrer in Stammheim inhaftierten Führungsfiguren Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und anderer startete, war die Mehrzahl der Illegalen weiblich. Der strategische Kopf der zweiten Generation der RAF war Brigitte Mohnhaupt.

Foto: Bundeskriminalamt Wiesbaden/ picture-alliance/ dpa/dpaweb
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Unterstützerinnen: Die meisten Illegalen kamen über die "Komitees gegen Folter an politischen Gefangenen in der BRD" zur RAF. Im Hamburger Anti-Folter-Komitee waren Susanne Albrecht (l.) und Silke Maier-Witt aktiv. Sie leisteten der RAF mehrere Jahre lang logistische Unterstützung, bevor sie im Sommer 1977 selbst in den Untergrund gingen.

Foto: A0009 dpa
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Lockvogel: Susanne Albrecht, geboren 1951, wurde in die RAF aufgenommen, weil ihr Vater ein enger Freund des Dresdner-Bank-Chefs Jürgen Ponto war. Die RAF wollte einen Bankier entführen, um Andreas Baader, Gudrun Ensslin und andere aus dem Hochsicherheitstrakt in Stuttgart-Stammheim freizupressen. Mit Susanne Albrecht erhofften sich die RAF-Planer gefahrlos an Ponto heranzukommen.

Foto: DPA/ DPA/AFP
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Bankier: Jürgen Ponto, Vorstandssprecher der Dresdner Bank (auf dem Foto mit seiner Frau Ines in ihrem Jagdhaus in Mölln), war ein Berater und Freund des Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Am 30. Juli 1977 klingelte Susanne Albrecht an seiner Villa in Oberursel. Sie sagte: "Hier ist Susanne", und brachte ihre RAF-Genossen Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt mit. Als Ponto sich weigerte mitzukommen, erschossen die beiden RAF-Kader ihn.

Foto: dpa/ picture-alliance / dpa
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Drei Kopfschüsse: Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt gaben aus nächster Nähe fünf Schüsse auf den Bankier Jürgen Ponto ab, drei trafen ihn in den Kopf. Die Polizei riegelte kurz nach dem Mord das Anwesen Pontos in Oberursel im Taunus ab. Die RAF hatte mit dem Ausnutzen der familiären Vertrautheit moralische Mindeststandards gebrochen. Auch Brigitte Mohnhaupt räumte später ein, dass es ein Fehler gewesen sei, Susanne Albrecht als "Türöffner" zu missbrauchen.

Foto: Heinz_Wieseler/ picture-alliance/ dpa
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Eskalation: Nachdem die Entführung Pontos schiefgegangen war, kidnappte ein RAF-Kommando in Köln den vormaligen SS-Offizier und Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Vier RAF-Mitglieder stoppten am 5. September 1977 Schleyers Dienstwagen, erschossen seine drei Begleiter und verschleppten Schleyer von Köln nach Brüssel. Nachdem Helmut Schmidt eine entführte Lufthansa-Maschine in Mogadischu hatte stürmen lassen, erschossen zwei RAF-Männer Schleyer am 18. Oktober 1977.

Foto: DPA
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Fehler: Silke Maier-Witt, geboren 1950, war neben Susanne Albrecht und Sigrid Sternebeck die dritte der "Hamburger Tanten", wie sie bei altgedienten RAF-Kämpfern hießen. Da sie dem Druck der Illegalität kaum gewachsen waren, wurden sie und andere bald auch "Fehler" genannt. Es sei ein Fehler gewesen, sie in die RAF aufzunehmen. Als sich nach diversen Psychositzungen in Paris Ende 1979 eine Gruppe formierte, die die RAF verlassen wollte, waren die drei Hamburgerinnen dabei.

Foto: AP/ Polizei
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Falscher Verdacht: Sigrid Sternebeck gehörte zu den beiden ersten RAF-Aussteigern, die im August 1980 von Prag nach Berlin-Schönefeld reisten und Staatsbürger der DDR wurden. Das Bundeskriminalamt verdächtigte sie fünf Jahre später, die Beschafferin eines Autos gewesen zu sein, nachdem in der U. S. Rhein Main Air Base eine Bombe darin detoniert war, die 2 Menschen getötet und 20 verletzt hatte. Sternebeck aber lebte zu dieser Zeit unbehelligt in Schwedt an der Oder.

Foto: HO/ AP
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Glück gehabt: Ralf Baptist Friedrich, geboren 1946, geriet beim Heidelberger Sozialistischen Patientenkollektiv ins Umfeld der RAF und tauchte Ende 1977 ab. Nach Aufnahme in die DDR lebte er mit seiner Freundin Sigrid Sternebeck in Schwedt und arbeitete sich in einer Papierfabrik vom Staplerfahrer zum Einkaufsleiter hoch. Friedrich wurde im Juni 1990 festgenommen, aber hatte Glück: Der alte Haftbefehl gegen ihn war inzwischen aufgehoben, und er wurde freigelassen.

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Nachzügler: Werner Lotze, geboren 1952, stieß erst im August 1978 zu den Illegalen der zweiten Generation der RAF. Er wollte nicht, dass die Gruppe aufgibt, doch nach einer Schießerei mit Polizisten, bei der zwei Beamte starben, bekam er moralische Skrupel. Lotze freute sich, in die DDR gehen zu können, integrierte sich dort bestens. Er wurde am 14. Juni in Senftenberg festgenommen und schließlich wegen Mordes zu elf Jahren Haft verurteilt.

Foto: picture-alliance / dpa
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Irrtum: Insgesamt 10 der 15 auf dem Fahndungsplakat des BKA abgebildeten RAF-Mitglieder waren aus der Terrorgruppe zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im April 1984 längst ausgestiegen. Sie führten in der DDR ein ruhiges Leben unter der Obhut der Stasi. Die Bundesregierung ging mehreren Hinweisen, dass RAF-Mitglieder sich in die DDR abgesetzt hatten, nur sehr halbherzig nach. Sie wollte die Entspannungspolitik nicht gefährden.

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Führungsduo: Als die Aussteiger die RAF Richtung DDR verließen, waren Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar das neue inoffizielle Führungspaar der Gruppe. Während die Aussteiger sicher waren, wurden im November 1982 Klar unweit von Hamburg und Brigitte Mohnhaupt südlich von Frankfurt in der Nähe von Depots verhaftet. Davon, dass sie zehn RAF-Aussteiger "nach drüben" geschickt hatten, verrieten sie kein Wort.

Foto: dpa/ picture-alliance/ dpa
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Harte Strafe: Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt wurden vor dem Oberlandesgericht Stuttgart wegen mehrfachen Mordes angeklagt. Beide bekamen im April 1985 fünf Mal lebenslang plus 15 Jahre Haft. Klar war vor seiner Verhaftung noch klammheimlich in die DDR eingereist, hatte dort Stasi-Offiziere getroffen, die für ihn eigens ein Übungsschießen mit einer russischen Panzerfaust organisierten. Mohnhaupt wurde im März 2007, Klar im Dezember 2009 aus der Haft entlassen.

Foto: AP
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Umfassende Aussage: Auch gegen Susanne Albrecht verhandelte das Oberlandesgericht Stuttgart in der Stammheimer "Mehrzweckhalle". Im Juni 1991 verurteilten die Richter Albrecht wegen des Mordes an Jürgen Ponto und dem Mordversuch an dem Nato-Chef Alexander Haig zu zwölf Jahren Haft. Sie ersparte sich eine lebenslange Haftstrafe, weil sie zuvor als Kronzeugin umfassend ausgesagt hatte.

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Junior: Henning Behr, geboren 1958, war noch nicht volljährig, als er zur RAF kam und sich in der Gruppe durch besondere Radikalität profilierte. Nach dem missglückten Anschlag auf den US-General Frederick Kroesen in Heidelberg trennte er sich von der RAF und ging im April 1982 in die DDR, wo er bald unwissentlich von Stasi-Spitzeln umgeben war. Nach seiner Verhaftung im Juni 1990 in Neubrandenburg wurde er zu sechs Jahren Jugendstrafe verurteilt.

Foto: HO/ Associated Press
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Aus der DDR in den West-Knast: Mit diesem Phantombild suchte die Polizei nach Werner Lotze, bis er am 19. Juni 1990 in Senftenberg von DDR-Kriminalisten verhaftet wurde und sich an die Bundesrepublik ausliefern ließ. Er sagt als Kronzeuge umfassend aus und wurde deshalb wegen Mordes nur zu elf Jahren Haft verurteilt. Lotze verbüßte seine Strafe in Berlin.

Foto: DPA
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Letzte Kronzeugin: Als Letzte der im Juni 1990 in der untergehenden DDR festgenommenen Ex-RAF-Leute entschloss sich Inge Viett als Kronzeugin auszusagen. Sie belastete ausgerechnet die Ex-Stasi-Offiziere, die sie und andere RAF-Aussteiger bei ihrem hochgeheimen Asyl in der DDR unterstützt hatten. Das Oberlandesgericht Koblenz verurteilte Viett 1992 wegen versuchten Mordes an einem französischen Polizisten zu 13 Jahren Haft; Viett musste allerdings nur sieben Jahre absitzen.

Foto: Bernd Weissbrod / picture-alliance / dpa
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